Fanfiction - Ein alternatives Ende für Mass Effect 3 (2)

Datum: 08.06.2012
Zum Inhaltsverzeichnis

Charon

Admiral Hackett stützte seine Hände auf die Brücke und blickte auf die Schlacht, die das komplette Observationsfenster ausfüllte, obwohl er so nur einen Bruchteil von ihr sehen konnte. Mit dem enormen Abstand, das sein Schlachtschiff, die SSV Everest, wie die meisten anderen seiner Klasse beibehielt, schien es fast wie ein Kunstwerk aus kurzen Explosionen und lautlos zerberstenden Schiffen. Hunderte Wracks trieben leblos im Raum des Sol-Systems. Herumgestoßen durch die Kämpfe wie Blätter im Wind, kam keines der Schiffe, die bis vor kurzem noch hunderten Mannschaften eine Heimat geboten hatten, zur Ruhe. Genauso wie die Teile der Mannschaften die das Grauen eines Todes durch die Kälte des Alls erfahren hatten.

Hackett wusste, dass dies kein Kampf war, den sie mit konventionellen Mitteln gewinnen konnten, nichtsdestotrotz war jeder Reaper, den sie niederrangen ein Sieg, der den Flotten etwas Hoffnung gab. Eine Hoffnung die Hackett nicht teilen konnte, denn anders als die meisten Kreuzer, Jäger und Fregatten mitten im Kampfgetümmel berechnete man ihm stets die Verluste, die mit jedem toten Reaper einhergingen. Die Zahlen waren ernüchternd, dennoch waren ihre ständig in Bedrängnis stehende Flotten noch lange nicht besiegt und das Charon-Portal immer noch damit beschäftigt weitere Schiffe in das System zu bringen, und vielleicht konnten sie sogar einen Vorteil aus der plötzlichen Passivität ihrer Feinde schlagen.

Hackett forschte noch immer in den Tiefen der nimmer enden Schlacht, als er sich an seinen ersten Offizier wandte, ohne sich umzudrehen. Jung, ehrgeizig und zielstrebig ließ Nathans Ausdauer, wie seit Beginn der Invasion, auch jetzt nicht nach, er war ein erster Offizier, wie Kapitäne ihn sich nur wünschen konnten.

„Das Schicksal treibt seine besten Scherze mit uns nicht wahr, Nathan?“, fragte der Admiral den jungen Mann, als der Boden - wie alle paar Sekunden bei Abschuss des Hauptgeschützes -erbebte und das Schiff einen leisen, kläglichen, fast singenden Ton von sich gab. Der Offizier sah von seiner Datentafel auf und hob eine Braue, bisher hatte jedes einzelne Wort des Admirals in dieser Schlacht einem Zweck oder einem Ziel gedient; dass er jetzt plötzlich fast schon philosophische Fragen stellte erstaunte den ihn. „Wie meinten sie Admiral?“, fragte er deswegen etwas perplex.

„Oh, ich meine nur, warum wir dem Portal des Sol-Sytems unbedingt den Namen Charon geben mussten.“ Eine Pause entstand, in der Offizier Nathan sich seine Kenntnisse über die Namensgebung des Portals ins Gedächtnis rief, doch als er gerade begriff was sein Vorgesetzter meinte, begann dieser erneut zu sprechen.

„Uns allen hilft Charon über den Styx damit wir dieses gottverlassene Totenreich betreten, und wohl niemals wieder zurückkehren. Es scheint fast als hätten wir mit diesem Namen darum gebettelt ein solches Ende zu erleben.“ Hackett riss sich von dem ebenso erschütternden wie faszinierendem Anblick der Schlacht los und schloss das Observationsfenster, bevor er sich letztlich zu Nathan umwandte.
Nicht nur der erste Offizier blickte seinen Admiral mit forschendem Blicken an, sondern auch einige der anderen Offiziere und Posten musterten ihn mit einer Spur von Sorge. Er wollte nicht, dass sie glaubten, er hätte letzten Endes doch die Hoffnung verloren.


„Ja, dies ist vielleicht unser Ende, aber noch sind wir nicht tot, sondern stehen aufrecht und erwarten diese Ende mit offenen Armen. Denn wir, die heute an dieser Schlacht teilnehmen, werden ein Ende erleben, um das man uns noch nach unserem Tod beneiden wird. Egal wie es ausgeht, die vor und nach uns konnten sich nur noch verstecken und beten während diese Monster ihre Zivilisationen ernteten, wir jedoch haben heute die Chance den Reapern ins Gesicht zu lachen. Und weiß Gott, wir werden nicht nur das tun! Zurück an die Arbeit!“
Die Crew auf der Brücke der SSV Everest reagierte sofort, keiner gab sich die Blöße unbeschäftigt zu wirken und Hackett trat zu der Holo-Karte in der Mitte des Raums, auf der immer neue Informationen die Positionen der Schiffe jede halbe Sekunde aktualisierten.

„Admiral Hackett! Wir haben die KI der SSV Normandy in der Leitung, sie wünscht sie zu sprechen mit Bezug auf die Lockerung des feindlichen Angriffs“, erklärte einer der Komm-Offiziere, worauf Hackett nur nickte und EDIs Verbindung auf die Holo-Karte gelegt wurde.

„Was gibt es EDI?“, fragte der Admiral mit etwas Unbehagen; die Vorstellung einer vollständigen KI ohne Beschränkungen machte ihn etwas nervös. Jedoch war sie schließlich auf ihrer Seite und auch auf Shepards Schiff, der ihr zu vertrauen schien, was das ganze etwas abmilderte.
„Jeff… Joker möchte dass ich einen genauen Bericht über die plötzliche Passivität der Reaper einhole, er meinte auch ich solle sie mir von höchster Stelle hohlen, um nicht mit Halbwahrheiten abgespeist zu werden.“ Hackett nickte, die Crew der Normandy hatte eine bessere Erklärung verdient als die, die an die Truppen weitergegeben wurde, um eigenmächtigen Angriffen vorzubeugen.

Der Admiral rief die beiden Koordinaten der Holo-Karte auf und überprüfte noch einmal die Position der beiden Reaper.
„Die Lage ist folgende, zwei der größten Reaper sind seit vier Minuten inaktiv. Ihre Schilde sind oben, aber sie scheinen auf nichts zu reagieren. Das scheint entweder ein Trick zu sein und ein Teil der Reaper hat sich absichtlich zu den beiden zurück gezogen um uns in eine Falle zu locken; oder aber sie haben tatsächlich entschieden ihre Anführer zu beschützen, wobei ich aber nicht weiß warum diese plötzlich inaktiv sein sollten, wenn es nicht Teil eines größeren Plans ist. Einer der beiden Reaper wurde anhand seiner Signatur als der Vorbote eingestuft und der zweite scheint ähnlich aufgebaut zu sein wie er. Im Moment versuchen wir uns der restlichen Angriffe zu erwehren und in diesem Tumult irgendwie einen geordneten Gegenangriff zu organisieren.“

Hackett stoppte die Fahrt der Holo-Karte über das Schlachtfeld und tippte auf drei Kreuzer, die an zwei Wracks vorbei direkt in den Hinterhalt zweier Reaper-Zerstörer steuerten, sein erster Offizier verstand den Wink und gab einem Komm-Offzier den Befehl die Kreuzer zu warnen. Hackett runzelte kurz die Stirn als eine andere Stimme der KI energisch zusprach bevor sich EDI wieder meldete.

„Wie geht es Shepard?“

Der Admiral unterdrückte einen Seufzer, er hatte mit diese Frage gerechnet und war fast erstaunt, dass man sie ihm nicht als erstes gestellt hatte. „Soweit wir wissen, sind er und sein Team auf der Citadel, wenn sie es in nächster Zeit schaffen die Arme zu öffnen können wir die derzeitige Schwäche der Reaper gegen sie nutzen und den Tiegel relativ einfach zur Citadel bringen.“ „In Ordnung, Admiral, Shepard wird das Kind schon schaukeln?“, fragte EDI etwas unsicher in der Verwendung des Sprichworts. „Ja, er wird uns nicht im Stich lassen. Admiral Hackett Ende.“



---



EDI kappte die Verbindung zur SSV Everest und sah zu einem fast schon schwitzenden Joker, der ohne EDIs Hilfe schon seit Stunden hätte ausgewechselt werden müssen, zumindest laut dem Protokoll. „Na dann, “ meinte der Pilot. „wenigstens hat man uns erst gar nicht erzählt, dass er bis vor kurzem noch wie ein Toter begraben lag. Hätte mir jemand gesagt, dass sie ihn verloren haben, wie sie zuvor dachten, bevor Jacobs Funkspruch kam, hätte ich entweder die Schlacht auf der Stelle verlassen oder die Normandy in einen Reaper rein gerammt.“ EDI warf ihm einen kurzen Blick zu, bevor sie sich wieder auf ihre Konsole konzentrierte. „Na gut, in neunzig Prozent der Fälle hätte ich wohl die zweite Variante genommen“, erklärte Joker leichthin.



---



Etwas abseits des auf vier Fregatten reduzierten Rudels schoss Snipes eine Reaper-Drohne ab, die am Heck eines Geth-Jägers hing, bevor er wieder zu seiner Staffel zurückkehrte, die inzwischen wieder volle Stärke hatte. Zwar bestand sie nun aus Jägern aller Völker, die ihre eigene Staffel komplett verloren hatten, doch dieser Flickenteppich kämpfte äußerst effektiv. Snipes vergewisserte sich, dass Zero, der mit ihm der letzte überlebende Pilot der ursprünglichen Alpha-Staffel war, sich bei ihnen hielt und lenkte einen Großteil seiner Energie auf die Schilde, um sie wieder auf 100 Prozent Leistung zu bringen, so lange kein Kampf direkt bevor stand.

Der Grund, weshalb sie und die restlichen Jäger sich gut hielten, war einfach. Inzwischen mangelte es den Trägerschiffen zwar nicht an Jägern und Waffen, allerdings an guten Piloten. Alle schlechten, unerfahrenen oder zu tollkühnen Piloten hatte die Schlacht bereits selbst aussortiert.



---



„…einfach abgeschaltet?“ fragte Shepard um sicher zu gehen.
Coats nickte und lehnte sich an die Wand des brummenden Aufzugs. „Hackett hat es erst vor ein paar Minuten durchgegeben, dass verschafft unseren Flotten zumindest etwas Luft.“ „Zwei inaktive Reaper werden uns nicht den Sieg bringen, auch wenn sie noch so groß sind“, bemerkte Zaeed mit düsterem Blick. „Mich würde viel mehr interessieren, wie den Reapern so etwas auf einmal mitten in der Schlacht passieren kann“, meinte Ashley, „Das kann doch kein Zufall sein.“

„Vielleicht könnten wir diesen Fehler irgendwie gegen die gesamte Flotte wenden“, argwöhnte Garon, der Turinische Officer des C-Sec-Trupps, den Bailey ihnen mitgegeben hatte.

Shepard sah auf die Anzeigetafel und auf die wenigen Etagen, die ihnen noch blieben bis sie die Ratskammer erreichten. „Ich habe so das Gefühl, dass wir unsere Antwort bald bekommen, Cerberus wird nicht auf der Citadel sein, um die Aussicht zu bewundern. Wir sollten uns bereit machen, es sind nur noch drei Etagen übrig.“

Major Coats und alle anderen im Fahrstuhl griffen nach ihren Waffen und machten Granaten und schwere Waffen bereit, während sie ihre Positionen einnahmen. Die Tür öffnete sich genau wie die der beiden anderen Fahrstühle neben ihnen, die Soldaten quollen aus den Türen wie Fische aus einem gerissenen Netz.

Die ersten gingen sofort in Deckung, während die zweite Reihe bereits einen Blick auf die Lage vor ihnen werfen konnte und über ihre Kameraden hinwegsetzte, um einem kläglichen Rest an Allianz-Soldaten den Rücken zu Decken, der sich hinter einige Barrikaden kauerte. Andersons stark geschrumpfter Trupp hatte sich hinter einer provisorischen Deckung verschanzt, die bereits an mehreren Stellen durchbrochen worden war, nicht mehr als fünf Soldaten standen noch, der Rest lag tot zwischen ihren Kameraden, die sich um Andersons schlaffen Körper scharten, wie als wollten sie ihn beschützen.

Coats Männer und der C-Sec-Trupp drängten die Cerberus-Soldaten hinter ihre Deckung zurück, setzten dann nach und trieben Cerberus aus den nahegelegenen Deckungen, so dass sie mehr Freiraum hatten. Einer der Kroganer stürmte mit einem toten Cerberus-Solaten vor sich direkt auf eine der Stellungen des Feindes zu, ignorierte den Beschuss der größtenteils von dem Toten absorbiert wurde und sprang über die feindliche Deckung.

Ein Cerberus-Soldat versuchte sofort zu entkommen, wurde jedoch von einem turianischen C-Sec-Officer niedergeschossen, bevor er mehr als drei Schritte tun konnte, die Soldaten rückten weiter vor und verschanzten sich, als Cerberus auf den plötzlichen Gegenangriff mit professionellem Wiederstand reagierte. Shepard und Coats waren die ersten, die bei Anderson eintrafen, während der Kampf um sie herum weiter andauerte.

„Lagebericht!“, forderte der Major von einem überlebenden Allianz-Soldaten, der daraufhin seinen gesprungenen Helm abnahm und kurz verschnaufte, bevor er antwortete, eine frische, blutende Narbe zog sich über seine Wange. „Cerberus hat uns aufgerieben, Admiral Anderson hat unseren Rückzug befohlen, aber bis eben waren die Aufzüge noch abgeschaltet, wie haben sie…“

„Wir haben sie repariert“, erklärte Shepard knapp und hob sacht Andersons Kinn an, während Gewehrfeuer krachend durch die Kammer hallte. Der Admiral reagierte nicht, die Wunde an seiner Seite hatte seine schwache Panzerung aufgerissen und das wenige Medigel, das man ihm aufgetragen hatte war kaum etwas wert, jedoch spürte Shepard einen schwachen Puls und eine schnelle Überprüfung ergab das es um Anderson zwar nicht gut stand, er aber noch lebte. Shepards Erleichterung war groß und er gab dem Admiral sofort eine angemessene Dosis Medigel. „Ashley! Zaeed!“ Die beiden Soldaten feuerten ein letztes Mal in die Richtung des Feindes und zogen sich auf seinen Befehl hin sofort zu ihm zurück.

„Ich brauche jemanden, der Anderson hier raus und zu Bailey schafft, ihn evakuieren zu lassen wäre zu schwierig und Bailey hat da unten einige gut ausgebildete Ärzte“, erklärte er den beiden und sah dabei Ashley an. Sie schüttelte nur heftig den Kopf und funkelte ihn an. „Ich habe gesagt, dass ich nicht von deiner Seite weichen werde.“ Zaeed seufzte halbherzig und rieb sich die Schulter. „Ich mach’s Shepard, unter der Bedingung, dass sie mir ein paar von den Schweinehunden übrig lassen.“

Shepard nickte mit einem Grinsen. „Wenn sich’s einrichten lässt kriegen sie eine ganze Cerberus-Kompanie.“ Einer der C-Sec-Beamten half Zaeed, als er Anderson wegtrug, der Söldner drehte sich ein letztes Mal zu Shepard um bevor die Tür des Aufzugs sich schloss. Anderson hing schlaff in den Armen der beiden und Zaeed konnte nur eine Hand heben, was ihn einen Moment zu ärgern schien, er improvisierte dann allerdings doch noch und zeigte den Cerberus Truppen auf der oberen Ebene der Ratskammer den Mittelfinger. Die Tür schloss sich und der Söldner war verschwunden, stattdessen kauerte sich Ashley neben Shepard und lud ihre Waffe durch. „Bereit Skipper?“, fragte sie kurz angebunden. Shepard ignorierte den plötzlichen Wunsch sie zu umarmen und nickte nur, kurz darauf gab Coats den Befehl zum Angriff.



---



Jacob trat dem Husk ans Knie, so dass er zur Seite stolperte, drückte ihm seine Shotgun auf die Brust und feuerte. Als er sich wieder hinter seine Deckung zurückzog, zeigte sein Killcounter 312 an. Grunt ließ sich krachend neben ihn fallen und schüttelte sich, wobei das Blut auch Jacob traf, der sich kaum daran störte. „Und?“, fragte Jacob mit gehobener Braue. „Exakt 300“, sagte Grunt mit einem breiten Grinsen.

„Ich hab bald aufgeholt!“ lachte der Kroganer, bevor er sein Thermomagazin wechselte und sich erneut in den Kampf warf.
Etwas weiter am Verteidigungsring entlang gab Kirrahe den Befehl zum Rückzug hinter die Barrikaden, wobei Jacks Schüler die Biotischen-Barrieren aufrecht hielten und den Soldaten Deckung gaben, während Samara und Jack den Reapertruppen biotische Geschosse entgegen schleuderten, um ihren Vormarsch zu verzögerten.

Garrus erschoss einen weiteren Marauder mit seinem Scharfschützengewehr und rückte zur Seite als der Geth-Läufer sich drehte, um einen weiteren Schuss abzugeben während Liara gerade mit Tali von einer anderen Seite des Verteidigungsrings zurückkehrte. „Wie ist die Lage?“, fragte Garrus als er Liaras erschöpften Blick sah, die Mitte des Lagers um den Strahl herum war immer noch einigermaßen sicher, obwohl die Reaper ihre Angriffe langsam aber sicher immer weiter verstärkten, weshalb Garrus mit seinem verletzten Bein nur wenig von den größten Kämpfen mitbekam.

„Wir haben zwei Banshees abgewehrt, aber ein halbes Dutzend Männer dabei verloren, langsam werden wir ausgedünnt und laut den Funksprüchen gibt es bereits keinen Kontakt mehr zu den meisten der paar vorgeschobenen Posten die wir hatten, selbst die in der U-Bahn-Station haben Probleme sich zu halten.“

Garrus knurrte und schüttelte den Kopf während er nachlud. „Ich hoffe Shepard beeilt sich, sehr lange halten wir das hier schließlich nicht mehr durch“, meinte Tali während sie ihre Shotgun nachlud. Garrus wischte Talis Sorgen mit einem raschen Wink zur Seite. „Er hat uns bisher nie im Stich gelassen, da wird er jetzt nicht damit anfangen.“

James trat zu der kleinen Gruppe und nahm sich Thermomagazine für das Sperrgeschütz aus einer der Munitionskisten, als der Geth-Läufer neben Garrus einen Schuss abgab, der den Boden kurz erzittern ließ. „Ich sage er kann gar nicht verlieren, er ist schließlich schon mal gestorben oder? So jemanden kann man nicht aufhalten“, versuchte der Soldat den anderen mit einem Grinsen Mut zu machen. Garrus nickte und wollte ihm zustimmen, doch plötzlich hob er sein Gewehr an und sah durch das Fernrohr. „Verdammt!“, fluchte er und nahm sofort Verbindung zu Major Kirrahe auf.

Tali sah in beunruhigt an und tauschte einen Blick mit Liara, bevor Garrus sich mühsam aufrichtete.
„Major Kirrahe! Sechs Rohlinge sind auf direktem Weg zu unserem Lager, ungezählte Unterstützungseinheiten!“, rief der Turianer aufgebracht ins Komm. James schnappte sich die Munition und rannte ohne Zögern zu seinem Geschütz, während Kirrahe rasch seine Truppen neu formierte und weitere Stellungen warnte.

„Das ist nicht gut, er wird es nicht rechtzeitig zurück schaffen“, hauchte Garrus und zeigte auf Wrex, der mit einer Meute Kroganer außerhalb des Verteidigungsrings seine Stellung gehalten hatte, um die Angriffe der Reaper abzuschwächen. Liara blickte auf die Munitionskiste für Mörser-Granaten, die sie nicht benutzen konnten, weil der Mörser-Trupp den Angriff des Vorboten nicht überlebt hatte. „Tali! Komm mit, ich habe eine Idee. Garrus, versuche Wrex zu warnen. Schnell!“ Die beiden griffen nach der Munitionskiste und Garrus nahm Verbindung zu Wrex auf, während er mit seinem Scharfschützengewehr versuchte den feindlichen Trupp wieder aufzuspüren.

Wrex stand bereits auf einem toten Rohling, die ohne Kopf genauso tot waren wie alle anderen, und nutzte den Vorteil der Höhe, um sich einem Trio von Husks zu erwehren. Er zerstampfte gerade den Kopf des einen und schoss dem letzten mit seiner Calymore die Beine weg als Garrus Funkspruch ihn erreichte. „Was?! Was ist los Garrus? Du störst mich bei der Arbeit, komm her und Hilf mir wenn’s dir zu langsam geht.“ Routiniert erschoss der Kampfmeister einen weiteren Husk, als er die Sorge in Garrus Stimme wahrnahm. „… Sechs dieser großen Rohlinge, und so viele Husks, dass ich sie nicht zählen konnte! Setz dich in Bewegung Wrex! Ihr schafft das nicht alleine!“

Wrex lachte rau und hielt demonstrativ Ausschau nach dem kommenden Feind, doch selbst ihm war klar, dass er und sein Trupp es nicht mit einer ganzen Schar von Gegnern aufnehmen konnten, andererseits würden sie es wahrscheinlich auch nicht bis zu den Barrikaden schaffen, ohne auf dem Weg niedergemacht zu werden. Und ohnehin flohen Kroganer nicht in kopfloser Panik, wenn überhaupt rückten sie zum nächsten Sieg vor, oder hielten die Stellung. Oder zumindest erwartete das die Galaxie von ihnen.

Wrex grinste, wohl wissend das es Wahnsinn war, was er tat und seine Chancen den Angriff zu überleben gen Null gingen. Aber die Chancen hatten ihn schon früher nie wirklich interessiert und schließlich musste man als Anführer eines ganzen Volkes mit gutem Beispiel voran gehen, am besten einem das man sich später noch lange und breit in Geschichten erzählen konnte. „Hey ihr stolzen Idioten, hört zu!“ Das halbe Dutzend Kroganer, das sich um ihren Clanführer sammelte, senkte kaum ihre Aufmerksamkeit und richtete ihre Waffen unermüdlich auf die Ruinen Londons.

„Wie‘s aussieht ist ein ziemlicher Haufen Scheiße auf dem Weg zu uns, obwohl wir schon bis zum Kinn drin stecken, könnte sein das wir alle draufgehen. Die wollen, dass wir uns zurückziehen wie Vieh wenn der Dreschlund kommt!“, rief Wrex und zeigte mit seinem Daumen auf das Lager hinter sich.

„Ich aber sage wir bleiben und reißen dem Feind so richtig den Arsch auf! Wir bleiben! Und wir zeigen den Salarianern was es heißt die Stellung zu halten! Wir tun, was wir am besten können! Wir kämpfen! Bis zum Tod! Unserem oder dem unserer Feinde!“ Die Kroganer brüllten zustimmend und machten sich bereit während, Garrus verzweifelt versuchte Wrex zum Aufgeben zu überreden. „Denk doch einmal an deinen Clan! Dein gesamtes Volk! Wenn du fällst, drehen sie durch und es kommt zu den zweiten Kroganischen Rebellionen! Und diesmal können die Turianer sie nicht aufhalten. Wir brauchen…“

„Ach! Klappe, Vakarian! Nur weil du nicht mit machen kannst, musst du nicht gleich die Moralkeule schwingen. Eva ist auch ohne mich eine gute Anführerin.“ Er stoppte kurz und überlegte, während Garrus ihn weiterhin nicht aufgab. „Garrus! Klappe jetzt!“, herrschte er den Turianer schließlich an während der Boden unter seinen Füßen bebte, die Reaper-Truppen kamen näher.

„Richte Shepard meine Grüße aus, und ich muss sagen dass ich es Schade finde, dass mein Turianischer Freund jetzt nicht an meiner Seite kämpfen kann. Vielleicht benennt ja mal jemand seinen Sohn nach mir! Ha!“ Wrex lachte schallend und kappte die Verbindung zu Garrus. „Darg, nehm vor allem die großen Biester aufs Korn! Und lasst jetzt bloß den Kopf nicht hängen! Vielleicht macht ja einer der Salarianer ein Video von uns! Ha! Wär doch ein Jammer, wenn ihr dabei das Gesicht voller Scheiße habt!“ Und dann waren sie da. Die gewaltigen Gestalten der Rohlinge schossen wie Giganten um die nächste Biegung und warfen sich auf die wartenden Kroganer.

Der erste Rohling wurde von dem vereinten Beschuss der Kroganer zur Seite geschleudert und blieb zerfetzt liegen, doch der zweite sprang auf einen von Wrex Männern und begrub ihn unter seinen Klauen, der nächstbeste Krieger zielte mit seiner Revenant auf das Ungetüm, doch dieses schlug ihm mit einer einzigen schnellen Bewegung die Waffe aus der Hand und riss ihm dabei Panzerung und Bauch auf.

Als Drag den Rohling mit einem direkten Kopfschuss seiner Shotgun zu Boden schickte, warf ein halbes Dutzend Husks sich auf einen seiner Kameraden und begruben ihn unter sich, als Wrex die Husks von dem Krieger herunter zerrte, kam nur noch eine Leiche zum Vorschein. Der nächste Krieger fiel, als er sich einer weiteren Meute von Husks erwehrte, jedoch dadurch die drei Kannibalen nicht bemerkte, die sich seitlich von ihm positionierten, und obwohl der Kroganer neben ihm sofort reagierte und die Kannibalen mit starken Beschuss in Stücke riss, kurz nachdem sie das Feuer auf seinen Kameraden eröffneten, wurde dieser durch den heftigen Beschuss fast sofort zu Boden gerissen und von den Husks überwältigt.

Wrex brüllte und riss einen Husk von den Beinen, um damit einen weiteren zu Boden zu schlagen, das hässliche Geräusch war durch den ganzen Lärm kaum zu hören, als Wrex ihre Schädel mit zwei gezielten Tritten sprengte. Doch zwei weitere Rohlinge stießen auf den Kroganischen Widerstand, der mit nun nur noch drei Kriegern rapide zu bröckeln begann. Wrex stürmte auf einen von ihnen zu, während Drag es mit dem anderen aufnahm und der letzte Krieger ihnen Feuerschutz gab. Wrex‘ Gegner hielt kurz inne als er den stürmenden Korganischen-Kampfmeister sah, was Wrex genügte, um mit einem gewaltigen Sprung die Distanz zu überbrücken, ihm dabei das Bajonett seiner Claymore durch die Stirn zu rammen und abzudrücken.
Die Klauen des Feindes griffen in Todeszuckungen nach ihm, doch er duckte sich unter den Körper des Untiers und schob ihn dann seitlich von sich, bevor er zerquetschte wurde.

Gerade als Wrex zwei Husks niederwarf, die ihn angreifen wollten, traf der überlebende Rohling Drag, durchbohrte ihn und spießte ihn auf den Boden, Wrex brüllte erneut und stürmte in die Seite der Bestie, sie geriet ins Wanken und wollte sich gerade zu ihm umdrehen, als der Kampfmeister seine Hände hob und sie mit einem gewaltigen biotischen Schlag zur Seite und in einen alten Kiosks schleuderte, so dass die Zeitungen die Luft wie Schneeflocken füllte.

Drag stemmte sich blutend auf die Knie und wankte zu dem Rohling, um ihm sicher den Rest zu geben als Wrex sah, wie der letzte seiner Krieger von einer Horde Husks bedrängt wurde, er fällt mit jedem Schlag zwei und Wrex biotischer Warp riss seine übrigen Widersacher auseinander, doch ein weiterer Rohling brach aus den Ruinen eines nahen Hauses und erschlug auch den Kroganer ohne dass er sich rechtzeitig schützen konnte, während Drag seinen Gegner mit einem Kopfschuss erledigte und dann ebenfalls von einem neuen Rohling aufgeschlitzt wurde, während er seine Shotgun nachlud.

Wrex bleckte die Zähne und sah zwischen den beiden Rohlingen hin und her, die ihn eingekesselt hatten wie ein Vieh. Er stieg auf einen der bereits toten Rohlinge und brüllte seine Herausforderung so laut, dass Garrus hinter dem sicheren Verteidigungsring ein Schauer über den Rücken lief, er hatte bereits fünf Husks erledigt und schoss wann immer sich Gelegenheit bot, um die Bestien die seinen Freund angriffen wenigstens zu bremsen. Grunt und die Aralahk-Kompanie waren bereits unterwegs, um ihrem Anführer zu Hilfe zu eilen, doch sie würden es nicht rechtzeitig schaffen, obwohl sie bereits abgelehnt hatten sonst noch irgendwen mitzunehmen – sehr zu Jacobs Missfallen – da es die Kroganer nur bremsen würde. Major Kirrahe kaute nervös auf seinen Lippen, während die Soldaten überall im Verteidigungsring ihr Feuer auf die anrückenden Reaper-Truppen eröffneten, Garrus hörte kaum das Donnern von Vegas Sperrgeschütz als Wrex erneut eine Herausforderung gegen seine Feinde brüllte.

Diesmal sprang einer von ihnen sofort auf den Kampfmeister zu, der duckte sich einfach und nutzte seine Biotik um die Bestie über sich hinweg zu katapultieren. Er kam gerade rechtzeitig wieder in Stellung, als das zweite Biest ihn mit voller Wucht traf und fast von dem toten Rohling warf. Doch Wrex blieb standhaft, drehte sich halb, um die Wucht des Ansturms abzufangen und drehte sich wieder zurück, um den Kopf des Rohlings mit bloßen Händen zu packen und ihn mitsamt einer metallischen Wirbelsäule aus dem Hals zu reißen.

Als er sah wie der zweite Rohling sich wieder aufrappelte und auf ihn zustürmte drehte er sich, packte eine alte Londoner Straßenlaterne und brach das Eisen ab, um die Laterne wie eine Keule an seiner Seite zu halten. Kurz bevor der Rohling schließlich Wrex erreichte, warf dieser die Laterne wie einen Speer, die abgebrochene Kante durchbohrte die Schulter des Wesens und Wrex tat nicht mehr als dem nun stolpernden Ungetüm auszuweichen und ihm seine Calymore an den Kopf zu pressen, als es kurz vor ihm aufschlug. Als er abdrückte, fiel eine Last von ihm ab und er gönnte sich einen Moment der Unaufmerksamkeit, um seine Thermomagazine zu zählen und zu dem Schluss zu kommen, dass er alle aufgebraucht hatte.

Doch Wrex spürte bereits die Präsenz eines neuen Gegners in seinem Rücken. Als er sich umwandte, wartete dort ein weiterer Rohling, zwei weitere folgten ihm aus einem ruinierten Restaurant. Wrex straffe erneut die Schultern, knurrte und stieß einen Husk wieder von dem toten Rohling unter seinen Füßen.

So viel zu Garrus Einschätzung dachte der Kampfmeister knurrend. Dann stürmten die drei Rohlinge voran, und Wrex erwartete sie. Als sie nur noch einige Meter entfernt waren kletterte er plötzlich auf die Leiche des höchsten Rohlings und sprang von dort aus seinen verunsicherten Feinden entgegen, die Wirbelsäule mit dem Kopf des zuvor getöteten Feindes in beiden Händen, die Shotgun im Halfter. Er landete knapp auf dem Rücken des ersten Rohlings und packte die Wirbelsäule fester als er sie um den kurzen Hals seines Feindes legte. Es dauerte drei Sekunden bis er seinen Fehler bemerkte und die Wirbelsäule hob, um sie dem Feind, der doch gar keine Luft benötigte auf den Schädel zu donnern. Doch eines der anderen Biester riss ihm die Seite seines Beines auf und warf ihn zu Boden, für einen kurzen Moment sah Wrex Sterne, dann durchfuhr ihn gewaltiger Schmerz als die Bestie seinen Brustpanzer durchbrach und ihre Kralle durch den Bauch des Kroganers schlug.

Sein Herz wurde aufgerissen und seine komplette Seite lag offen, wie auf dem Seziertisch als der Rohling seine Klaue hob und auf den Kopf zielte, doch in einem letzten Verzweiflungsakt riss Wrex seine Calymore nach oben, stieß das Bayonett in den Kopf des viel zu nahen Monsters und drückte ab.

Es klickte. Dann ruckte der Kopf des Rohlings nach hinten und er fiel zur Seite um und begrub Wrex dabei halb unter sich als von seinem Gesicht nicht mehr als ein großes Loch blieb. Das letzte Thermomagazin der Calymore fiel aus der Munitionskammer und Wrex Augen wurden dunkel.

Er hörte noch, wie gewaltige Geschosse einschlugen, das überraschte Brummens eines Rohlings ob des Bombardements und eine Stimme. „Sein Kopf gehört mir!“, brüllte jemand während die Explosionen den Boden erbeben ließen, dann schloss Urdnot Wrex, Shepards Freund, Anführer und Befreier der Kroganer, Kampfmeister und Dreschlundtöter langsam die Augen.



Zum Inhaltsverzeichnis

Trennlinie Trennlinie

Freunden weitersagen auf: