Fanfiction - Ein alternatives Ende für Mass Effect 3 (4) 

Dies Irae

Grunt schob die Trage unbeholfen in das Shuttle und winkte seine Männer eilig zu sich.
„Machst gut alter Freund!“
Garrus ließ von der Trage, die Wrex leblosen Körper hielt, ab und trat aus dem Shuttle. „Kommt schon ihr Hunde! Rein! Da! Sofort!“, bellte Grunt. Die Überlebenden der Kompanie Aralahk folgten dem Befehl ihres Anführers mit einigem Murren, sie waren es nicht gewöhnt dem Feind den Rücken zuzuwenden, aber dennoch missachtete keiner von ihnen den Befehl. Als dass Shuttle restlos mit Kroganern gefüllt war, warf Grunt einem von ihnen den Schädel eines erschlagenen Rohlings zu.
„Das ist meiner! Pass drauf auf! Und sorgt dafür das Wrex nach Tuchanka kommt! Wäre eine Schande, wenn er woanders beerdigt wird.“ Der Kroganer nickte nur als Grunt an die Tür des Shuttles schlug und der Pilot sie kurz darauf schloss, um abzuheben.
In einigen Kilometern Entfernung schlug ein roter Strahl in den Boden ein und ließ ihn erbeben, während die laute Erschütterung selbst das Waffenfeuer überdeckte, das die Soldaten beim Rückzug zu den Shuttles abgaben.
An einem weiteren Shuttle drängte Jack den nächsten ihrer Schüler ins Innere. „Los rein da Rodriquez! Zum Henker nochmal! Steh nicht rum und pflück Blümchen! Brauchst du eine Extraeinladung!?“ Jack übernahm Rodriquez Stellung und hielt an ihrer Stelle die Barriere aufrecht, als ihre Schülerin sich zögerlich zum Shuttle absetzte. Ein weiterer Trupp Soldaten sprang auf den Transporter auf und Rodriquez schrie nach ihrer Lehrerin als sie bemerkte, dass das Shuttle niemanden mehr aufnehmen konnte und bereits drauf und dran war abzuheben. Die Soldaten und ihre Mitschüler hinderten sie noch rechtzeitig daran wieder auszusteigen, als das Shuttle schließlich ohne Jack an Bord abhob.
Weitere Husk-Horden hielten auf ihre stark schrumpfende Stellung zu und wurden zu Dutzenden niedergemäht, doch es kamen immer mehr nach - wie eine nie endende Flut aus Leibern. Vegas Geschütz war schon lange die Munition ausgegangen und nun half der Soldat einem anderen Verletzten zu den Shuttles. In weiter Ferne schlug erneut ein Strahl in den Boden Londons und verfehlte den Big Ben nur knapp während er andere Gebäude zerstörte als wären sie Kartenhäuser.
„Das Shuttle hat noch Platz!“, beharrte Major Kirrahe während sich genanntes weiter mit Salarianern füllte. Jacob schüttelte unwillig den Kopf. „Ich gehe mit der letzten Welle, sorgen sie einfach dafür, dass es meiner Frau gut geht, wenn unser Shuttle abgeschossen wird.“
Der Salarianer nickte: „Ich verspreche es. Es tut mir leid, dass wir die Stellung nicht bis zuletzt halten konnten.“ „Sie mussten die Stellung erst nach fünfzehn Minuten harten Wiederstands aufgeben, nachdem der Strahl erlosch und der Großangriff begann!“, bemerkte Samara mit respektvoller Haltung.
„Alle anderen Positionen wurden bereits überrannt oder evakuiert. Und selbst jetzt kämpfen wir noch und schaffen es bisher uns mit minimalen Verlusten zurück zu ziehen. Sie haben mehr als nur ihre Arbeit getan, Major.“
Kirrahe zeigte ein stolzes Grinsen und besetzte den letzten freien Platz des Transporters. „Ohne die Hilfe von ihnen allen wäre unsere Verteidigung schon lange zusammengebrochen“, erklärte er aufrichtig. „Viel Glück!“ wünschte der Salarianer ihnen noch, als sich die Tür des Shuttles schloss und dieses aufwärts gen Himmel verschwand. Die vorletzte Welle der Shuttles war verschwunden und die zurück gebliebenen sammelten sich in einem kleinen Kreis, um auf ihre Abholung zu warten. Für sie hieß es ausharren bis zuletzt oder auf einen schnellen Tod zu hoffen. Garrus lud sein Scharfschützengewehr nach und schüttelte den Kopf.
„Vergiss es Tali, sie sind weg. Ich hab dir gesagt, dass ich hier bleibe so lange es geht. Sie werden nicht wegen mir zurückkommen.“
Die Augen der Quarianerin funkelten unter ihrem Helm, doch sie sagte nichts und ließ von dem verletzten Turianer ab, der gelassen einen weiteren Husk erledigte. Liara warf mit Hilfe ihrer Biotik ein weitere der Mörser-Granaten, die Tali modifiziert hatte und traf einen weiteren Rohling, der sich ihrer Stellung hatte nähern wollen. „Lange halten wir das nicht mehr durch“, murmelte sie und erholte sich für einen Moment, während der Geth-Läufer einen Schuss abgab und eine Stellung voller Marauder-Husks ausradierte. „Diese Plattform wird kämpfen bis der Morgen graut“, erklärte der Geth-Läufer, sein bisheriges Schweigen plötzlich brechend. Tali war für einen Moment sprachlos, sie hatte fast angenommen, dass der Läufer über überhaupt keine Sprachausgabe verfügte und nun versuchte er ihnen sogar Mut zu machen. „Dann hast du noch fünf Minuten, Blechdose!“, meinte Jacob, während er einem der toten Soldaten seine Thermomagazine abnahm.
„Der Morgen dämmert bereits, und so wie es aussieht, sehen wir vielleicht sogar noch die Sonne am Horizont bevor wir abgeholt werden.“ „Oder alle drauf gehen“, bemerkte Jack finster, während sie sich auf ihre Barriere konzentrierte. Die Soldaten rückten immer weiter zusammen als ihre Anzahl langsam aber stetig abnahm. Jede Welle die sie abwehrten, forderte ihren Tribut und es war nur eine Frage der Zeit bis die Reaper-Truppen ihre Stellung überrannten.
Jacob und Grunt warfen sich immer wieder in den Nahkampf und erledigten ganze Husk-Horden, während Samara, Jack und Liara sich mit dem Aufrechthalten der Barrieren abwechselten, der Rest feuerte aus allen Rohren und brachte jeden Angreifer zu Fall, der ein sicheres Ziel bot. Doch selbst das konstante Feuer würde die Husks nicht ewig aufhalten können und bald schon würden sie in ihren Leichen ersticken. Vega lud seine Geth-Spitfire nach und verschnaufte kurz, als Garrus sich neben ihn sinken ließ und dasselbe tat.
„Uns gehen bald die Thermomagazine aus“, knurrte der Turianer und aktivierte eine neue Dosis Medigel um sein schmerzendes Bein ignorieren zu können. Tali nickte und sandte ihre Drohne erneut los. „Unsere Chancen stehen mal wieder denkbar schlecht“, stimmte sie ihm zu.
Vega rieb sich die angeschlagene Schulter, als einer der Allianz-Soldaten neben ihm von einem Marauder getroffen wurde und tot zu Boden sank. „Die schießen uns einfach die Leute weg und wir können mit den ganzen Husks, die sie auf uns Hetzen kaum das Feuer erwidern. Verdammte Bastarde!“, fluchte der Allianz-Marine und legte seine Spitfire auf eine neue, größere Gruppe Husks an.
Weiterhin erwehrten sich die Soldaten ihres Lebens, doch jede Minute, die sie auf die Evakuierung warteten, reduzierte den Trupp weiter. Fünf Allianz-Soldaten starben, als eine Granate ihre Stellung traf und zwei weitere sanken zu Boden, als ein Reaper-Strahl den Boden erschütterte und sie für einen kurzen Moment ihre Deckung aufgaben.
Garrus rammte das nächste Thermomagazin in sein Gewehr und überprüfte das seiner Pistole. Zwei Schuss waren noch übrig, genug für ihn und für einen der anderen. Der Turianer sah zu Tali, die die Reaper verfluchte und ihre Pistole auf die Husks abfeuerte, ihre Shotgun hatte sie längst weggeworfen, weil sie keine Munition mehr für sie fand. Es war nicht mehr viel was ihnen blieb, knapp zwei Dutzend Soldaten kauerten sich verletzt und angeschlagen hinter ihre Deckung und Samara und Jack schützten das Lager mit ihren Barrieren vor dem härtesten Beschuss, Grunt half Jacob über die Barrikaden und bereitet sich auf den kommenden Nahkampf vor, Vega versuchte einer angeschlagenen Liara Mut zu zusprechen und nahm einem Toten seine Waffe und Magazine ab.
Die Husks kamen immer näher und würden sie schon bald erreichen. Der einzige, der noch immer feuerte wie zu Beginn war der Geth-Läufer, der nun mit seinen schnellen Sekundärwaffen eine Schneise in die Huskwelle schnitt. Er war angeschlagen und würde trotz seines Reparaturprotokolls nicht mehr lange durchhalten und auch sein Feuer würde den Angriff nicht aufhalten können. Doch als der Boden mehrmals erbebte und ein Orbitalbombardement die Angriffsfläche der Reaper-Truppen erschütterte, kam der Angriff des Feindes ins Stocken, der Geth-Läufer bestärkte sein Feuer und löschte die verbliebenen mit schnellen Salven aus, so dass der Angriff komplett zurück geschlagen werden konnte und die Reaper ihre Truppen wieder in den nahen Gebäuden sammeln mussten. „Ich hoffe unsere Hilfe kam nicht zu spät. Mein Schiff hatte selbst Probleme die Reaper Drohnen auf Abstand zu halten“, verkündete Admiral Zaal’Koris über, Funk während die Gruppe sich einen Moment Ruhe gönnte und sich neu positionierte, als der Rauch des Bombardements sich verzog und das Beben nachließ. „Vielen Dank Admiral. Sie haben uns eben das Leben gerettet!“, erklärte Tali Zaal’Koris mit gedrückter Stimme. „Geben sie nicht auf! Die Transporter sind nur noch eine Minute von ihnen entfernt! Wir können ihnen leider nicht weiter helfen, die Reaper schließen zu uns auf. Machen sie, dass sie da weg kommen, bevor sie ihr Bombardement verstärken können! Viel Glück! Zaal’Koris Ende.“
Der Admiral unterbrach den Funk, sie waren wieder für sich alleine und warteten darauf, dass sich ihr Schicksal erfüllte. „Da kommen sie!“, rief Grunt und deutete auf vier blaue Allianz-Shuttles, die sich ihnen rasend schnell näherten, dicht hinter ihnen flog ein roter, bedrohlicher Punkt. Die Soldaten erhoben sich und der Trupp machte sich bereit die Stellung sofort zu verlassen, als eines der Shuttles vom Strahl einer Reaper-Drohne getroffen wurde, die den Transportern folgte, und damit das Shuttle senkrecht Richtung Erde schickte.
Tali hielt die Luft an und Garrus starrte mit offenem Mund in den Himmel, wo ein Shuttle einem zweiten Strahl nur knapp auswich. Eines der Shuttles verringerte seine Geschwindigkeit, so dass es sich hinter die Drohnen setzen konnte und eröffnete mit den schwerfälligen Waffen des Transporters das Feuer. Die Drohne ließ von dem Ziel ab, das sich vor ihr bot und wich dem Beschuss aus, verringerte ebenfalls die Geschwindigkeit und schoss auf das nun ausweichende Shuttle, das es gewagt hatte ihn anzugreifen.
Der Transporter fing Feuer und explodierte in der Luft, doch direkt im Anschluss darauf wurde die Drohne von der Sekundärwaffe des Geth-Läufers getroffen und in der Luft zerfetzt. Die beiden den Angriff überlebenden Shuttles hatten den Landeplatz fast erreicht, als eine weitere Drohne durch den Himmel schnitt und eines der Schiffe knapp verfehlte. Das angegriffene Shuttle lenkte ab und flog einen Bogen, als der Geth-Läufer das Feuer auf den neuen Feind eröffnete, doch das letzte Shuttle konnte landen und öffnete bereits die Seitentüren.
„Kommt schon! Beeilt euch!“, rief der Pilot über Funk und Liara winkte mit den Armen, um die Soldaten anzutreiben. Die Allianz-Soldaten zwängten sich mit ihren Verletzten in das Shuttle bis es voll war und nur noch zwei ihrer Kameraden den Boden der Erde berührten. Grunt trat zu ihnen, packte sie und warf sie in das Shuttle ohne sich darum zu kümmern, wie sie aufkamen oder ob noch Platz war.
„Tür schließen!“, rief Garrus dem Piloten zu und bevor noch einer der Soldaten wusste, was geschah hob das Shuttle ab. Es flog im Tiefflug zwischen die Häuserfont Londons und nahm Fahrt, auf bevor es in Richtung der Sterne davonflog. Jack sah dem Shuttle nach und registrierte erst jetzt das Shepards-Team als einziges noch die Füße auf der Erde hatte, Samara brach ebenfalls ihre Barriere ab, als das letzte Shuttle zum Sinkflug ansetzte und der Geth-Läufer den Oculus eine letzte Salve hinterher feuerte, als dieser tödlich getroffen in eines der nahen Gebäude Londons krachte. Die Tür des Shuttles öffnete sich und der Pilot brüllte etwas. Garrus konnte ihn nicht verstehen, denn eine neue Welle Husks stürmte rasend schnell auf sie zu und seine Kameraden eröffneten bereits zurückweichend das Feuer. Maraudere und Kannibalen erwiderten das Feuer und rückten vor, während ihre schweren Waffen den Boden erschütterten, Rohlinge und Banshees folgten direkt hinter den Husks. Garrus fing schwankend eine stolpernde Tali auf und feuerte die zwei letzten Schüsse aus seiner Pistole ab, um einen Husk zu töten, der Jacob fast erreicht hatte. Jack und Samara hielten ihre Barrieren aufrecht, während sie gleichzeitig versuchten die Gruppe mit ihnen zu schützen und zu dem Shuttle zu gelangen.
Liara warf einen Warp zu den übrigen Mörser-Granaten, die sie zurückgelassen hatten und an denen die Husks gerade vorbei zogen, wodurch die nachfolgende Explosion sie auseinandersprengte, aber nicht aufhalten konnte.
Garrus und Tali hatten das Shuttle fast erreicht, als sich der Turianer noch einmal kurz umwandte, die ersten Sonnenstrahlen stachen ihm ins Auge und er musste den Blick etwas senken. Der Geth-Läufer feuerte gerade seine letzte Salve ab und sprengte damit einem Rohling den Arm ab, nur um kurz darauf von einem weiteren zu Boden gerissen und systematisch auseinandergenommen zu werden, Grunt und Jacob erschossen die Husks, die dem Trupp zu nahe gekommen waren und Jack und Samara gaben ihnen Deckung, Vega stützte eine stolpernde Liara ab, während die Reaper-Husks wie die Legionen der Hölle dem Trupp nachsetzten.
Garrus trennten nur noch zehn Meter von dem Shuttle, als die hinteren Reihen der Reaper-Truppen begannen sich zurückzuziehen und dem Turianer ein Schauer über den Rücken lief.
Ein gewaltiger roter Strahl durchschnitt den dämmrigen Himmel und schlug nur einige hundert Meter von ihnen entfernt in den Boden ein. Die Husks wurden von der folgenden Explosion durch die Luft gewirbelt und Trümmer flogen durch die Luft, der Pilot des Shuttles trieb seine Maschinen an und hob ab bevor Garrus ihn erreichen konnte, wurde aber kurz darauf von einer Druckwelle der Detonation erfasst und schlug in einer Explosion wieder auf der Erde auf.
Als die Explosion Garrus erreicht warf er sich mit Tali zu Boden, er wusste dass es sie nicht schützen würde doch er hatte noch nie kampflos aufgegeben. Die Explosion breitete sich weiter über die Fläche aus und töte die Husks, die nicht schnell genug hatten fliehen können, genauso wie alle anderen lebenden Wesen.
In dem reinigenden Feuer waren sowohl die organischen Lebewesen wie auch die opferbereiten Reaper-Truppen gleich.
Am Ende war ein Feld von Trümmern, Asche und Toten alles was blieb.
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„Sie tun mir wirklich leid Shepard!“ Der Unbekannte stand von den beiden Reapern flankiert über dem Commander und sah enttäuscht auf ihn herab, während er seine Zigarette rauchte.
„So weit gekommen, den Tod überlistet, nur um letztlich zu scheitern.“
Shepard lag zusammengekauert in einem Eck des Aufzugs und rieb sich den Hals, während er die Zähne zusammenbiss und vergeblich versuchte die Schmerzen zu ignorieren, die wieder stärker in seinem Körper pochten. Er musste husten, weil er nicht richtig Luft bekam und hob langsam den Arm um eine weitere Dosis Medigel zu aktivieren.
„Aber ich kann ihnen einen Ausweg bieten“, bot der Unbekannte gutmütig an. Shepard atmete auf als die Schmerzen sich linderten und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen. „Wir wollen doch beide, dass die Menschheit überlebt. Ich will nur sicherstellen, dass sie mehr tut als nur überleben und dabei nicht einfach aus Furcht die nützlichsten Werkzeuge weggeworfen werden.“
Shepard blinzelte und schluckte, trotz der Schmerzmittel fiel es ihm schwer sich zu konzentrieren. Der grausame tote von Coats Männern steckte ihm noch immer in den Knochen, doch er hatte bereits schlimmeres gesehen und überlebt. Was ihn nicht los ließ war Ashleys Körper, der reglos auf dem Grund der Ratskammer lag, und das Glas das langsam auf sie herab prasselte.
Er schüttelte den Kopf, um das Bild los zu werden, doch stattdessen durchfuhren ihn plötzlich Kopfschmerzen. „Ich gebe ihnen eine Chance. Sie arbeiten mit mir zusammen, und wir operieren diesen Reaperkern aus ihnen heraus damit ich ihn zur Kontrolle der Reaper verwenden kann. Andernfalls hohle ich ihn mir mit Gewalt und sie sterben einfach.“
Shepard sah auf und blinzelte erneut, seine Gedanken drehten sich noch immer, aber er verstand zumindest was der Unbekannte sagte.
„Der einzige Grund warum ich ihnen überhaupt eine Wahl lasse, ist der Respekt, den ich vor ihnen habe. Sie haben etwas erreicht, das niemand vor ihnen geschafft hat, sie sind ein Symbol, und ihr Tod wäre ein Verlust für die gesamte Menschheit. Kommen sie schon, geben sie sich einen Ruck, ich bin nicht der Teufel für den sie mich halten. Unsere Ziele sind doch letztlich dieselben.“ Der Commander sah dem Unbekannten in seine blauen, emotionslosen Augen und blinzelte erneut, als er wieder Ashleys Gesicht geisterhaft vor sich sah. „Sie haben mir alles genommen…“, hustete der Commander und hob eine Hand über seine Augen, um das grelle Licht des Aufzugs abzuschwächen, „…was wollen sie noch? Nehmen sie sich doch, was sie brauchen. Ich glaube nicht, dass ich sie davon abhalten kann.“
Der Unbekannte überraschte Shepard als er sich zu ihm nach unten beugte und seinen Blickkontakt suchte. „Um ihre Freundin tut es mir leid Shepard, ich wünschte es wäre anders verlaufen, aber sie hat die Waffe auf mich gerichtet und ich habe mich meiner Haut erwehrt. Ich weiß wie es ist Menschen zu verlieren, die einem nahe stehen, aber man überlebt es. Und sie werden es auch überleben.“ Der Unbekannte legte Shepard beruhigend eine Hand auf die Schulter, wobei dieser leicht zusammenzuckte. „Doch wenn wir die Reaper erst einmal kontrollieren, wird ihr Wissen uns helfen. Projekt Lazarus war ein großer Schritt, doch was glauben sie könnten wir noch alles von ihnen erfahren? Eine Fülle an Wissen. Wir könnten vielleicht Krankheiten heilen, die zuvor Tausenden das Leben gekostet haben und einem weiteren Lazarus Projekt stünde ebenfalls nichts mehr im Weg.“ Shepard verstand den Wink, den der Unbekannte ihm gab und dacht an Ashley. Würde sie es wollen, dass Shepard sie wieder zu sich holte? Dass der Unbekannte der Menschheit zu ihrem gerechten Platz zwischen den Sternen verhalf?
Er dachte an sie und alle anderen, die ihr Leben gelassen hatten, um die Galaxie vor den Reapern zu schützen. Kaidan bei Sarens Basis, Presley an Bord der ersten Normandy, Mordin als er die Genophage heilte, Thane im Kampf gegen Kai Leng, Legion als er das Update für die Geth hoch lud, Miranda die ihnen den Weg zur Basis des Unbekannten gewiesen hatte und Shepards Team auf der Erde.
Sie alle und noch ungezählte mehr hatten ihr Leben gegeben, um die Galaxie zu retten, und nun zählte auch Ashley zu ihnen. Doch vielleicht war der Unbekannte tatsächlich ihre einzige Option, um zu überleben. Er schien einen Weg zu kennen, um die Reaper aufzuhalten, er wollte dabei nicht die gesamten Lebewesen in der Galaxis auslöschen und bat gleichzeitig gewaltiges Wissen an.
Bei der Wahl zwischen den Reapern und Cerberus war der Unbekannte wohl das weniger große Übel. Und letztlich hatte Shepard keine andere Wahl, wenn er Leben wollte. Doch er wusste, dass Ashley nie gewollt hätte, das er diesem Monster half.
Nicht nur sie, alles was Cerberus den Menschen und Aliens angetan hatte, würde zu einer unwichtigen Fußnote in der Geschichte der Galaxie, die von da an die Geschichte der Menschheit sein würde. Sein Team, das auf Akuze in einen Hinterhalt von Cerberus gelockt worden war, als die Dreschlunde angriffen, Admiral Kahoku und viele andere unmenschliche Experimente und Anschläge würden in Vergessenheit geraten. Und der Unbekannte würde für die Menschheit sprechen. Ein Monster ohne Reue oder Moral. Er würde nicht für die Menschheit sprechen. Die Menschheit, so wie Shepard sie kannte würde es nicht mehr geben. Und letztendlich wusste Shepard, dass er zum Sterben verdammt war. Etwas tief in ihm wusste, dass er, wenn er das nächste Mal die Augen schloss, sie wohl nicht wieder öffnen würde. „Sie können sagen, was sie wollen. Ich sterbe. Und wenn ich eine Möglichkeit sehe sie mit in die Hölle zu zerren, werde ich sie nicht verpassen.“ Der Unbekannte schüttelte bedauernd den Kopf und stand wieder auf. „Wissen sie eigentlich, dass ihr gesamter Angriff eigentlich eine Falle der Reaper war?“
Shepard sah gequält auf. Eigentlich interessierte es ihn nicht mehr was der Unbekannte sagte, doch er lebte noch, und so hatte er wenigstens jemanden, der ihn unterhalten konnte, ganz egal wie wichtig der Unbekannte seine eigenen Ausführungen hielt. „Was meinen sie, warum die Reaper nicht einfach die Massen-Portale deaktiviert haben, als sie sich durch mich die Kontrolle über die Citadel gesichert hatten? Warum sie bei der Erde einfach auf ihren Angriff gewartet haben?“ Der Unbekannte machte eine Kunstpause und wartete darauf, dass Shepard etwas sagte, doch dieser blieb schweigend in seiner Ecke des langsam dahin schleichenden Aufzugs liegen, rührte sich nicht und sah wieder zu Boden.
Sollte der Mann doch seinen Sieg auskosten, er hatte dem Unbekannten nichts mehr entgegen zu setzen. „Die Reaper wussten, dass ihre vereinten Flotten sie nicht besiegen können. Selbst mit den Thanix-Waffen und den anderen Techniken die sie von der Sovereigen stahlen oder eigens gegen die Reaper entwickelten, gaben ihnen doch nur die Chance, um sich überhaupt in den Kampf zu werfen. Noch mit alten und konventionellen Waffen hätten die Reaper sie ohnehin kaum ernst genommen. Dennoch warteten die Reaper auf ihren Angriff, wäre alles nach Plan verlaufen hätte mein Trupp ungefähr jetzt, da der Großteil der Flotte im Sol-System ist das Charon-Portal abgestellt und es damit den Reapern ermöglicht, ihre stärkste Flotte mit einem Schlag zu zerstören, was nicht nur den nervigen Wiederstand zerschlagen hätte, sondern auch jede andere Spezies, die noch daran geglaubt hätte Wiederstand leisten zu können alle Hoffnung genommen. Außerdem hätten die Reaper so erneut bewiesen, dass sie ihren Feinden immer überlegen sind, egal wie vereint, vorgewarnt oder mutig sie je sein konnten. Sehen sie nun was ich alles für sie und ihre Flotte getan habe Shepard?
Ohne mich hätten die Reaper schließlich ihre eigenen Truppen mit der Aufgabe die Citadel zu entern vertraut, und ihre Flotte wäre in diesem System dem Tode geweiht. Nicht nur das, wenn ich die beiden ältesten Reaper nicht unter meine Kontrolle gestellt hätte, wäre ihre Flotte mit ihrer Leistung und ohne das Zögern der anderen schon unlängst in Stücke gerissen worden. Und dann noch die Sache, dass der Strahl als einzige Verbindung zur Citadel noch stand. Was hielt die Reaper davon ab ihn einfach abzustellen und die Sicherheit ihrer Achillesferse zu gewährleisten? Oder wenigstens mit gebührenden Truppen zu schützen?
Ich will es ihnen sagen: Ich war der Grund.“
Erneut machte der Unbekannte eine Pause und wartete einen Moment. Diesmal reagierte Shepard trotzig.
„Wollen sie, dass ich ihnen danke? Dass ich mich ihnen zu Füßen werfe?“, fragte er ohne aufzusehen. Der Unbekannte schüttelte den Kopf, obwohl Shepard dies gar nicht sehen konnte, da er immer noch abweisend zu Boden blickte. „Nein. Ich will nur, dass sie wissen, dass ich ihnen keineswegs nur Stöcke zwischen die Beine geworfen habe. Die Reaper wollten eigentlich nicht erneut das Risiko eingehen sie am Leben zu lassen, obwohl sie den Reaper-Kern ebenso gerne wieder besitzen würden und eine Entfernung aus ihrer Leiche ihnen wahrscheinlich nichts nutzen würde, da der Kern einen zweiten Tod wohl nicht intakt überstehen würde.
Ich konnte die Reaper davon überzeugen, dass der ehrenwerte Commander Shepard eine solche Gelegenheit wie diesen Strahl nicht einfach ignorieren könnte und sich selbst auf den Weg zur Citadel machen würde, schon um die Arme wieder zu öffnen, um den verzweifelten Angriff ihrer Flotte voranzutreiben, der mit einer geschlossenen Citadel letztendlich doch keinen Sinn hatte und erst gar nicht stattfinden würde, nicht wahr?“
Der Unbekannte lächelte kühl und berechnend.
„Ich versicherte den Reapern also, dass meine Männer sie betäuben könnten und lebendig an sie ausliefern würden, sobald sie auftauchten, was schließlich nur eine Frage der Zeit war und letztlich ja auch so passierte. Der Vorbote hat sogar ihre Truppen etwas dezimiert damit sie keinen Verdacht schöpfen würden und meine Einheiten mit ihrem Angriff fertig werden konnten. Und seien sie froh, dass er sie rechtzeitig wahrgenommen hat, hätte er sie ernsthaft pulverisieren wollen, hätten sie nicht die leiseste Chance gehabt zu überleben. Wie sie also sehen: Ich habe viel für sie getan.“
Der Unbekannte nahm einen Zug aus seiner Zigarre und warf einen ärgerlichen Blick auf die Stockwerkanzeige, die sich für seinen Geschmack viel zu langsam bewegte.
„Letztlich jedoch war der Tiegel an sich die beste Falle von allen. Obwohl, eher keine Falle, sondern ein Weg seine Feinde zu benutzen.“ Diesmal sah Shepard auf und versuchte ernsthaft zu verstehen was der Unbekannte sagte. „Was? Was ist mit dem Tiegel?“, fragte der Commander, verwirrt. Geschlagen und ohne Hoffnung brach zum ersten Mal seine Abwehr aus Gleichgültigkeit.
Der Tiegel war ihre einzige Waffe, er hatte sie in die Hände der Flotte gegeben, welchen Fehler hatte er diesmal begangen?
„Wussten sie, dass die Reaper die Baupläne für den Tiegel zurück ließen falls tatsächlich das schlecht möglichste Szenario eintrat und sie die Citadel nicht sofort erobern konnten? Nein? Oder, dass die Reaper genau wussten, wo sie den Tiegel bauten? Nein?
Sie waren schließlich nicht dumm, sie gaben den Völkern eine wertvoll aussehende Waffe, sogar mit leicht verständlichen Bauplänen und Hinweisen auf eine Reaper-Vernichtungswaffe, wenn jemand ihnen tatsächlich eine Zeit lang Widerstand leisten konnte, hatten sie so etwas an das sie sich klammern würden anstatt nach anderen, effektiveren Möglichkeiten zu suchen, so wie ich es tat. Und würden die Reaper den Tiegel erst einmal in ihren Besitz bringen, wäre der Verlust an Moral bei ihren Feinden enorm. Sie können es ruhig zugeben, sie hatten keine Ahnung was der Tiegel überhaupt bewirken würde oder wie man ihn aktivieren könnte. Sie bauten einfach in der Hoffnung, dass am Ende eine große Waffe raus kommt, die ihnen den Sieg über die Reaper geben kann. Wie kleine Kinder mit der Waffe des Vaters.“
Der Unbekannte lächelte nachsichtig als er Shepards Verwirrung bemerkte.
„Dabei sollte doch jeder wissen, dass man nicht mit Waffen spielt, die man nicht vollständig versteht, vor allem nicht wenn sie so perfekt zu sein scheinen und aus alten Archiven mit unverlässlichem Quellenverzeichnis stammen. Der einzige Grund, warum die Forschungsstation auf dem Mars überhaupt noch völlig unbeschadet, und nicht einmal der Versuch einer Vernichtung zu sehen war, war, dass die Baupläne des Tiegels dort gespeichert waren. Die Reaper hatte sie verschont, oder vielleicht sogar selbst die Daten dort hochgeladen.
Und die Reaper wussten bereits früh zu Beginn der Invasion davon, dass sie den Teigel bauten, und durch Indoktrination, Geiselnahme, dem Lesen der abgefangenen Geheimberichte oder Infiltrieren der STG und weiterer Geheimdienste, sowie dem Verfolgen der Routen der Massen an Schiffe die den Tiegel belieferten, wussten sie auch, wo dieser gebaut wurde. Es wäre nie ein Problem für sie gewesen diese “Waffe“ zu vernichten.“
Der Unbekannte sah einem erstarrten Commander Shepard in die Augen und bemerkte die aufkeimende Verzweiflung in ihnen. „Doch sie taten es nicht. Warum? Weil der Tiegel natürlich noch einen Nutzen für sie hatte. Und weil sie ihnen die langwierige Arbeit abgenommen haben ihn selbst zu bauen. Nicht wahr?“Die Frage war diesmal nicht an Shepard gerichtet, der Unbekannte sah dem Vorboten direkt an und schien eine Antwort zu erwarten.
Und er erhielt sie.
Shepard zuckte zurück als eine tiefe, für jedes organische Wesen furchteinflößende Stimme durch den Aufzug hallte.„Die Wahrheit gibt es nicht, der Sieger schreibt die Geschichte und nach seinem Gutdünken entsteht das, was sie Wahrheit nennen.“ Seine Nackenhaare hatten sich aufgestellt und sein Magen sich für einen kurzen Momente zusammengezogen, als die Stimme des Vorboten an Shepards Ohr gedrungen war; die Reaper wussten, wie man seinen Feind manipulierte.
Der Unbekannte schien nur halb so beeindruckt zu sein wie Shepard und sah den Vorboten leicht grinsend an. „Nun, natürlich sind sie noch immer etwas störrisch, aber letztlich werden sie keine andere Wahl haben, als mir zu gehorchen. Bis dahin hören sie einfach genau hin und versuchen meine Befehle miss zu verstehen. Natürlich könnte ich sie zwingen die richtige Antwort zu geben, aber das wird mit der Zeit immer lästiger.“ Der Unbekannte atmete durch und überlegte bevor er sich dieses Mal zu Luzifer drehte. „Ist der Tiegel eine Waffe, die Reaper töten kann? Und hat der Tiegel einen Nutzen für die Reaper?“ Die Kontrolleinheit mit den bläulichen Schnittstellen drehte nur kurz den Kopf, als sie ihre integrierten Lautsprecher aktivierte.
Diese Stimme war etwas anders als die des Vorboten, etwas höher, aber dennoch war sie nicht minder furchteinflößend und beeindruckend, als die Schutzscheibe des Aufzugs vibrierte. „Der Tiegel ist keine Waffe, die einen Reaper töten könnte. Der Tiegel ist für die Reaper von Nutzen, aber schlussendlich entbehrlich.“
Der Unbekannte nickte und lächelte stolz als die Aufzugtür sich öffnete. Sie stiegen aus und aus den beiden Aufzügen neben ihnen sprangen weitere Cerberus-Soldaten, um einen Trupp zu formen.
Der Trupp setzte sich in Richtung des immer noch aktiven Miniatur-Massenportals in Bewegung und Shepard blieb nichts anderes übrig als ihnen zu folgen und die vier Soldaten zu ignorieren, die den Schatten eines Commanders, der einst bereit gewesen war die Galaxie zu retten, zwischen sich nahmen. „Sie fragen sich gewiss…“, bemerkte der Unbekannte, als sie den Mako-Panzer passiert hatten und nur noch wenige Meter vom Portal entfernt waren, „was der Nutzen des Tiegels eigentlich ist, wenn die Reaper ihn grundsätzlich für entbehrlich halten, wohl weil sie ihn auch einfach selbst bauen könnten und ihn nicht nur dafür einsetzen falsche Hoffnungen zu streuen.“ Shepards Mine blieb unberührt. Weiter vor ihnen passierten mehrere Cerberus-Soldaten das Miniatur-Portal und verschwanden in dem üblichen blauen Strahl.
„Wir haben das Portal auf ein anderes Ziel eingestellt, um unser Ziel zu erreichen und damit diese Frage für sie zu beantworten. Folgen sie mir, dann führe ich sie in die Hölle selbst, und vielleicht treffen sie dort sogar einen alten, tot geglaubten Freund wieder, wer weiß?“
Der Unbekannte warf grinsend seine Zigarette weg und deutet Shepard ihm zu folgen, der Vorbote und Luzifer folgten ihnen dicht auf. „Keine Angst Shepard, das Portal wurde so eingestellt, dass selbst organische Wesen die Reise sicher überleben können, und mein Team auf der anderen Seite hat die Umgebung bereits gesichert. Lassen wir sie nicht weiter warten.“
Shepard meinte zu wissen, wohin ihn der Unbekannte entführte. Wenn ihn nicht alles täuschte, mussten die Reaper in den dunklen Lücken zwischen den Galaxien, im Orkusnebel, ihre eigene Basis haben, die der Citadel gleichen musste, damit zwei Portale miteinander verbunden waren und es einen Ort gab, an den sie sich zurückziehen konnten. Der Unbekannte wollte ihm das Zuhause der Reaper zeigen, wörtlich die Hölle selbst. Shepard trat einen Schritt nach vorn und berührte das Portal. Die Umgebung verzerrte sich und letztlich sah er nichts mehr.
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Snipes ließ seinen Jäger immer wieder Rollen durchführen und legte weitere Energie auf seine hinteren Schilde. Erneut verfehlte ihn der Strahl eines Oculus und er korrigierte seine Flugbahn, um nicht in den eines zweiten Jägers hinein zu fliegen. Die Schlacht dauerte schon viel zu lange. Die Reaper-Drohnen flogen ohne Pause, ohne Unterlass und ohne spürbare Verluste einzustecken. Aber auch die wenigen noch lebenden Piloten der Flotten, die am Leben bleiben konnten und nicht wie die Rekruten verheizt wurden, würden früher oder später Fehler begehen. Und Snipes wusste, dass er keine Maschine war und kurz vor diesem fatalen Fehler stand. Er kitzelte erneut die Reserven aus seinen Nachbrennern und flog mit seinem Jäger gefährlich nahe an den Triebwerken der SSV Kochi vorbei um dann direkt an ihrer Seite entlang zu fliegen.
Der Plan ging auf.
Als der Kreuzer das Feuer mit seinen Gardian-Lasern eröffnete wurden fast alle der Oculus getroffen und was von ihnen noch übrig blieb, zerfetzen die autonomen Geschütze mit einigen gezielten Schüssen. Snipes glich seine Geschwindigkeit der des Kreuzers an und machte einige schnell Checks an seinem Jäger, während er die Energie für die Schilde mal wieder auf Maximum stellte. Laut den Diagnoseprogrammen war sein Radar leicht angeschlagen und der Kern hatte Probleme volle Energie zu liefern. Das eigentliche Problem war jedoch sein Schutzanzug, der langsam den Geist aufgab, wodurch schleppend die medizinische Überwachung und Stimuli-Zufuhr ausfiel, was das Fliegen um einiges Schwieriger machte.
Der Jäger selbst flog zwar noch gut, war aber trotzdem arg mitgenommen. Auf der Universität hatte man ihnen im Geschichtsunterricht erklärt, wie die Prototypen-Jäger noch Probleme ohne Schilde gehabt hatten und wie Kämpfe mit ihnen zu einem kurzen Massaker auf beiden Seiten verkommen wären. Eetwas, was Snipes nicht bestreiten konnte. Ohne Schilde wäre dieser Kampf für ihn schon bestimmt ein Dutzend Mal zu Ende gewesen, aber...
„Pilot! Verschwinden sie von hier! Sofort!“ Snipes hörte verdutzt zu, als eine Komm-Offizierin der SSV Kochi ihn plötzlich über Funk harsch anfuhr und ihn aus seinen Gedanken riss. Kein Zweifel, dass der Kapitän des Kreuzers seine Gardian-Laser bei vollständiger Leistung halten wollte, aber er hatte ihm soeben ermöglich mehrere Dutzend feindliche Drohnen auszuschalten. War das vielleicht nichts?
„Moment! Halten sie die Luft an!“, begann der Pilot einigermaßen aufgebracht.
„Ihr Schiff hat mir mein gottverdammtes Leben gerettet! Ich habe nichts anderes getan als mein unnützes Leben zu retten! Und solange ihr auf euren stolzen Schiffen auf eure Panzerung vertraut, könntet ihr bitte wenigstens so tun, als wären wir Piloten kein Kanonenfutter?!“ Der Komm-Kanal blieb still und keine Antwortet kam zurück. „Danke! Dieser Streit ist sowieso unsinnig!“
Kaum hatte Snipes seinen Satz beendet, schlug ein roter Strahl vor ihm durch die Wand des Schiffes und zerlegte den Kreuzer fast vollständig in zwei Teile.
Snipes verfluchte zum ungezählten Mal, dass er nie eine ruhige Minute bekam, die offenbar fast unnütze Panzerung ihrer Kreuzer, sowie alle höheren Instanzen, die ihm einfielen; dann erhöhte wieder seine Geschwindigkeit und tauchte mit seinem Jäger unter den zerberstenden Rumpf der SSV Kochi durch.
Der Reaper, der den Kreuzer beim Vorbeifliegen durchbohrt hatte, steuerte ungestört weiter auf den Konvoi der Flotte zu, während Snipes seinen Radar prüfte und zur Normandy aufschloss, die mit drei weiteren Fregatten und der Alpha-Staffel auf die Spitze des Allianz-Konvois zuhielt, der den Tiegel schützte, an dem die Kämpfe am heftigsten waren.
„Hey Snipes! Du lebst ja noch! Ich hab gerade eben erst mit dem Turianer gewettet, dass du nicht tot wärst! Schon wieder zwanzig Credits gewonnen, Mann!“ Ein abgehackter russischer Fluch folgte durch den Funk, als Snipes seinen Jäger wieder in die Staffel eingliederte, wo Zero gerade die Spitze für seinen Staffelführer frei räumte. „Als würde ich dich hängen lassen Zero! Wie sieht es aus? Wie weit sind wir noch von unserem Treffpunkt entfernt?“ Der zweite der beiden überlebenden Piloten aus der ursprünglichen Alpha-Staffel brauchte eine Weile bis er antwortete. „Nicht mehr sehr weit, kaum mehr als acht Minuten Flugzeit. Aber wir fliegen jetzt direkt an die Spitze des Konvois, die Chancen stehen gut, dass ich meine zwanzig Credits am Ende gar nicht mehr bekomme.“ „Das könnte bei ihrem Flugstyle durchaus möglich sein, Mensch!“, bemerkte der turianische Pilot weiter hinten im Geschwader.
„Fahren sie ihre Gespräche herunter und konzentrieren sie sich auf ihre Mission!“, mahnte der Komm-Offizier der SSV Leipzig, eine der Fregatten im Rudel der Normandy. „Halten sie die Klappe, Matrose!“, schoss Snipes direkt zurück und ging den Radar nach näher kommenden Feinden durch. „Ich bin der Anführer dieser Staffel und sie hören auf meine Befehle. Versuchen sie nicht uns einen Maulkorb anzubinden und kümmern sie sich um ihren Kram. Snipes Ende!“Das Geschwader bejubelte seinen Anführer und setzte den nicht autorisierten Smalltalk fort, als es seinem Tod entgegenschoss.
Weiter hinter ihnen im Konvoi feuerte die SSV Everest ein weiteres Mal sein Hauptgeschütz ab und Admiral Hackett hörte, wie das Schiff zu jedem abgegebenen Schuss zu singen schien. Mitten im Getümmel und während drei Reaper-Formationen ihren Konvoi angriffen, feuerte die Everest nun mit fast allen Geschützen, um die Reaper zurückzuschlagen und ihre Drohnen vom Tiegel fern zu halten. Das Metall des Schlachtschiffs sang mit jedem abgefeuerten Schuss und mit jedem Treffer, den die Panzerung einstecken musste. Viele neue Rekruten an Bord hielten diesen Gesang meist für ein einziges Durcheinander und schrille, quietschende Schreie, die ihnen in den Ohren klangen und von den Metallwänden widerhallten. Admiral Hackett befehligte dieses Schiff jedoch lange genug, wenn das Schiff jemals schreien würde, hatten alle an Bord Grund besorgt zu sein, aber im Moment schien es sich eher freudig in dem Chaos der Schlacht zu baden.
„Admiral! Ein Soldat von Shepards Trupp ist am Funk! Er will sie sofort sprechen!“ Hackett nickte Nathan bestätigend zu und aktivierte den Link, der auf dem Holo-Tisch vor ihm erschien. „Admiral! Was auch immer sie tun! Ziehen sie den Tiegel von der Citadel zurück!“ Hackett runzelte die Stirn und rief die Verbindungsdaten des Funkspruchs auf. Er kam direkt aus der Ratskammer, kein Zweifel. Dennoch konnte es sich auch um einen verzweifelten Trick der Reaper oder von Cerberus handeln, da sie ihrem Ziel bereits so nahe gekommen waren.
„Beruhigen sie sich Soldat! Was ist los? Wo ist Shepard? Wie lautet ihre Dienstnumm…“ „Dafür ist keine Zeit Admiral!“, rief der Soldat hörbar aufgebracht. „Cerberus hat Shepard gefangen genommen und meinen Trupp niedergemetzelt! Sie wollen irgendetwas mit dem Tiegel anstellen! Ich wage zu bezweifeln, dass sie die Citadel geöffnet haben damit wir den Tiegel aktivieren können. Bringen sie ihn da weg, wenn sie Cerberus nicht in die Hände spielen wollen!“ Hackett ließ sich die Daten der Schlacht auf der Holo-Tafel anzeigen und überlegte angespannt. „Was sie da sagen ist komplett unmöglich mein Junge! Wie hat Cerberus Shepard überhaupt gefangen nehmen können? Und selbst wenn, wir können den Angriff nicht einfach so abbrechen, das hier ist unsere einzige Chance. Wir müssen die Reaper besiegen oder werden auf dem Rückzug niedergemetzelt.“
Hackett beschlich immer mehr der Verdacht, dass der Soldat ihn anlog, so kurz wie sie vor dem Ziel standen. „Admiral? Hier spricht C-Sec-Officer Garon“, meldete sich eine neue, erschöpfte Stimme am Funk. „Was der Mann sagt ist wahr. Stoppen sie den Tiegel. Cerberus kontrolliert einige der Reaper, sie wollen auch den Rest. Wollen sie, dass sie ihr Ziel erreichen?“ Hackett meinte den Namen des Mannes schon einmal in den Nachrichten von der Citadel gehört zu haben und er hatte eindeutig eine turianische Aussprache. Doch selbst da er diesem Mann nun mehr Glauben schenkte, wusste er nicht sofort was er tun sollte. Er musste diese Schlacht beenden bevor sie noch größere Teile der Flotte verschlang, Cerberus‘ Sieg wäre eine Höllenvision, doch die der Reaper war schlimmer, egal was Cerberus plante. Er brauchte Zeit, um zu überlege. Diese Situation hatte er nie erwartete, niemand in der Flotte hatte sie erwartet.
„Nathan! Geben Sie Befehl den Tiegel zu stoppen! Garon! Erzählen sie mir genau, was passiert ist! Und sorgen sie für mehr Truppen, Nathan, wir müssen den Tiegel schützen oder uns vielleicht sogar zurückziehen. Machen sie schon!“ Der erste Offizier reagierte ohne Nachfrage oder Zögern und gab einige Befehle weiter, während er selbst versuchte den Tiegel zu erreichen und die Holo-Karte beobachtete. „Admiral!“, rief Nathan plötzlich und zeigte auf einen vergrößerten Punkt auf der Karte.
Hackett sah besorgt zu, wie die Schiffe, die den Tiegel in Position bringen sollten, von mehreren Zerstörern beschossen wurden und größtenteils bereits vernichtet waren. Das Symbol der Normandy und seiner Begleitschiffe näherte sich einem der Zerstörer, der kurz darauf von der Karte verschwand. Doch was auch immer diese Schiffe taten, würde nicht ausreichen. „Ich glaube für einen Stopp sorgen die Reaper selbst!“, meinte Nathan und zeigte auf einige neue Symbole. Hackett ging zum Observationsfenster und öffnete die Panzerung um eine visuelle Bestätigung zu bekommen. Doch die Holo-Karte behielt Recht, vier Reaper näherten sich dem Tiegel mit unzähligen Begleitschiffen in ihrem Fahrwasser.
Die SSV Everest erbebte erneut und ein 20kg Eisen-Projektil verließ mit mehr als 4000km/s das Hauptgeschütz des Schlachtschiffes. Es schoss an zwei Kreuzern vorbei, die einen Zerstörer niederrangen, verfehlte einen weiteren nur knapp, erlebte den Untergang der SSV Rom und schoss an einer Gruppe Rettungskapseln vorbei deren Insassen um ihr Leben bangten, bevor es mit voller Wucht in die Tentakeln eines Reapers einschlug. Zwei der Tentakel lösten sich brachial von dem Großkampfschiff und beraubten den Reaper eines Teils seiner Kampfkraft.
Die SSV Normandy zog an einem zerberstenden Kreuzer vorbei und erwehrte sich mit ihren Gradian-Lasern einiger Reaper-Drohnen bis die Alpha-Staffel, die angeschlagene SSV Leipzig gesichert hatte, und dann die Normandy von ihren ungeliebten Begleitern befreite. Doch trotz aller Bemühungen wurde die SSV Stalingrad von einem weiteren Angriff zu schwer getroffen und kurz darauf von einer inneren Explosion zerrissen.
„Verdammt! Damit wären wir nur noch drei!“, fluchte Joker und schoss auf einen Zerstörer der einen Kreuzer bedrängte, bevor er wieder abdrehte und sich einen neuen Gegner suchte. Auch der Pilot der Normandy blieb von der ständigen Schlacht nicht unberührt, seit Kirrahe die Nachricht überbracht hatte, dass das Team am Boden ausgelöscht worden war, stellte EDI an ihm einen erhöhten Herzschlag und Anzeichen von starkem Stress fest. EDI fing ein neues Ziel auf und legte es auf Jokers Konsole, der Pilot nahm dankend an und das Fregatten-Rudel senkte sich auf einen Zerstörer herab, der das letzte batarianische Schlachtschiff bedrängte dessen Namen nur mit „Zorn“ übersetzt werden konnte.
Die Fregatten feuerten, eine traf das Auge des Zerstörers wurde aber von dem Gegenschlag getroffen und zerfetzt. Nur noch die bereits angeschlagene SSV Leipzig und die SSV Normandy gingen zu einem neuen Angriff über, wobei nur die Normandy eine ernsthafte Gefahr für den Zerstörer darstellte. Der Zerstörer kam zu demselben Ergebnis und feuerte auf die Fregatte, doch die Normandy vollführte eine seitliche Drehung so dass der Strahl zuerst an ihr vorbei schoss und sie so noch genug Zeit hatte, um das Auge des Feindes anzuvisieren.
Die Thanix-Kanone traf das Auge mit nur einem Versuch direkt. Der Zerstörer brach den Beschuss ab und wollte seine Panzerung schließen, doch wie bei so vielen Angriffen zuvor schossen auch nun die Jäger der Alpha-Staffel heran und feuerten auf kürzeste Entfernung ihre Torpedos und Raketen ab. Der salarianische Pilot und die Asari Pilotin landeten die wichtigen Schläge, um die Panzerung am vollständigen Schließen zu hindern und machten den Weg frei für einen dualen Schlag der Thanix-Kanonen der beiden Fregatten. Der Zerstörer sank zurück und wurde von den Bordgeschützen des batarianischen Schlachtschiffs hinter sich in weitere Teile zerlegt. Das Schlachtschiff feuerte wie viele andere Schiffe auf einen der Reaper, der die Begleitschiffe des Tiegels weiter dezimierte und ignorierte dabei den Reaper, der seitlich auf die „Zorn“ zukam.
Der Reaper im Visier wurde schließlich von dem vereinten Beschuss der Everest, einem Trio an Kreuzern und dem batarianischen Schlachtschiff in Stücke geschlagen, so dass er wehrlos im All hing, doch den Batarianern wurde ihre ungeschützte Flanke zum Verhängnis. Der zweite Reaper traf die „Zorn“ seitlich, ignorierte den Beschuss der Bordkanonen und einiger nervigen Fregatten und schälte aus nächster Nähe die Panzerung von dem Schiff. Doch der Reaper unterschätzte den Starrsinn der Batarianer.
Die Zorn wandte sich dem Angriff zu, und obwohl es schwierig war in der Enge des Nahkampfes irgendwie zu manövrieren, geschweige denn zu schießen, feuerte das Schlachtschiff mit seinem Hauptgeschütz auf seinen Gegner. Ohne zu zögern erhöhten die Batarianer ihre Geschwindigkeit und steuerten immer noch feuernd direkt auf den Reaper zu. Der Reaper verstand, was vor sich ging und versuchte von dem Schiff weg zu kommen, doch er war in dem Nahkampf genauso gefangen wie sein Gegner und schoss stattdessen weiter auf das Schiff in der Hoffnung es aufzuhalten.
Doch nichts konnte ihn mehr retten, die Zorn rammte sich unaufhaltsam in den Bauch des Reapers und obwohl der Rammangriff selbst kaum Schaden an der Hülle des gewaltigen Raumschiffs bewirkte, zerfetze die nachfolgenden Explosionen der Überladung des Massenkerns und weiteren improvisierten Überladungs-Explosionen, sowie der hunderten Sprengköpfe die die Batarianer vorsorglich an Bord gebracht hatten nicht nur das Schlachtschiff selbst, sondern auch den Reaper, der es hatte vernichten wollen.
„Verdammte vieläugige Hund!“ rief Joker mit einer Mischung aus vielen verschiedenen Emotionen, die von Staunen bis Bewunderung und Freunde reichten. „Hast du das gesehen EDI? Hast du das gesehen?! Was für Teufelskerle! Wow!“ Joker löschte aufgebracht ein Rudel Reaper-Drohnen aus, das ein gutes Ziel bot, während EDI stumm den Zustand des Konvois untersuchte und Joker sich weiterhin über den plötzlichen Heldenmut der Batarianer ausließ.
Inzwischen hatten die Reaper trotz heftiger Gegenwehr, die einen weiteren Reaper zerstört hatte, alle direkten Begleitschiffe des Tiegels ausgelöscht und griffen nun den Rest des Konvois an. Der Tiegel flog selbständig weiter und war bereits außer Reichweite. Sie würden ihn nicht mehr rechtzeitig erreichen, vor allem jetzt da sich aus dem Präsidiumsring der Citadel zwei eingelassene Ringe her vorschoben und in der Mitte der Citadel zu einer Art Massenportal überlappten.
Die Citadel drehte sich seitlich und der Tiegel folgte der Bewegung, bald schon würde er das fremdartige Portal erreicht haben und darin verschwinden, es gab keine Chance mehr ihn zu retten.Doch EDI nahm einen neuen Funkspruch wahr und hört ihn ab, kurz darauf wandte sie sich an die SSV Leipzig und die Alpha-Staffel und erklärte die Auflösung des Rudels, die Alpha-Staffel sollte die angeschlagene Leipzig beim Rückzug decken und sich dann neue Befehle hohlen.
„Was zum Teufel machst du da EDI?!“, fragte Joker ohne seine Verwirrung zu verbergen. „Wir haben einen Notruf erhalten, Jeff.“ „Und? Sollen wir den Tiegel einfach mal ab düsen lassen? Nach Nirwana oder wo auch immer dieses Portal hinführt?“ „Nein Joker. Der Notruf kam von Garrus. Er bitte um Abholung auf der Erde. Und unsere Chancen den Tiegel zu erreichen stehen…“
Sie brach ab, denn die Normandy befand sich längst auf Sinkflug Richtung Erde. Die SSV Everest rief sie über Funk und Staffelführer Snipes forderte Antworten, aber EDI ignorierte sie alle. Sie mochten alle Befehle missachten und am Ende der Schlacht vor einem Kriegsgericht gestellt werden, das sie zum Tode verurteilte, doch sie wussten, dass sie das richtige taten.
Wenn die Reaper gewannen, würde das alles ohnehin kaum mehr eine Rolle spielen.
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