Fanfiction - Ein alternatives Ende für Mass Effect 3 (6)

Datum: 21.08.2012
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In mortis est gloriam


Alles um ihn herum war hell und weiß, es gab keinen Orientierungspunkt. Doch es schien eine Art Boden zu geben, denn seine Füße berührten diesen und er stand aufrecht. Aufrecht aber verwirrt und wie als hätte er eben einen erneuten Sprung durch ein Massenportal gemacht. Shepard bemerkte, dass er seine Verletzungen kaum mehr wahrnahm und versuchte ein Ende am Horizont des blendend weißen Raums zu erkennen. Doch dort war nicht als weiteres Weiß, ohne die Ecken und Kanten eines normalen Raums, und wären die Schmerzen nicht gewesen, die er immer noch leicht fühlte, hätte er daran gedacht den Ort mit dem Jenseits zu vergleichen.
Allerdings wurde das Jenseits in keiner Glaubensrichtung, die er kannte als unendliches Weiß dargestellt, und er hatte noch nie gehört, dass ein Toter Schmerzen fühlen konnte. Es musste einen anderen Grund für die Existenz dieses Ortes geben, an dem er sich plötzlich befand, das letzte an das er sich erinnerte, war, dass er reflexhaft seine Hand nach Luzifers Arm ausgestreckt hatte um nicht nach vorn zu fallen…

„Hallo Commander!“

Shepard drehte sich um seine eigene Achse und machte sofort zwei Schritte rückwärts, als er die Person sah, der die Stimme gehörte. Seine Augen weiteten sich, was er sah, konnte nicht stimmen, konnte nicht wahr sein. Kaidan Alenko sah den Commander mit einem verschmitzten Lächeln an und hob beschwichtigend die Hände, als der Commander vor seiner durchscheinenden Gestalt zurückwich.

„Entschuldigen sie Shepard“, bat der einstige Allianz-Soldat den Shepard einst auf Virmire hatte zurücklassen müssen, während seine Gestalt an Farbe und Festigkeit gewann. Shepard hielt immer noch Abstand von seinem früheren Offizier, der bei der Explosion einer Atombombe ums Leben gekommen war, während er versuchte eine Logik in dem zu erkennen, was er vor sich sah, eine Logik, die im bestätigte, dass er sich nicht in einem Vorzimmer zum Jenseits befand.
„Was ist los Shepard?“, fragte Kaidan, inzwischen war sein Körper vollständig zu sehen, „dachten sie, vielleicht sie würden ewig leben?“ Shepard hörte auf vor Kaidan zurückzuweichen und versuchte klar zu denken, die leichten Schmerzen und seine Erinnerung an die letzten Minuten zuvor halfen ihm dabei. „Wer sind sie?“, fragte Shepard mit einer leichten Vorahnung. Kaidan hob überrascht eine Braue. „Sie sind schnell Shepard, nicht viele sehen sofort durch diesen netten Trick.“

„Sie sind ein Reaper“, erkannte Shepard fast schon erleichtert. „Sie sind Luzifer!“, stellte er fest, nur so ergab dieser Wahnsinn irgendeinen Sinn. „Schade Shepard, organische Wesen reagieren meist sehr interessant, wenn sie an einen Ort kommen, der ihrem Jenseits gleichen könnte und sie mit einem Toten aus ihrer Vergangenheit konfrontiert werden“, bemerket Luzifer scheinbar sogar leicht amüsiert.

„Was ist das für ein Ort?“, fragte Shepard gepresst und ignorierte dabei den das Gefühl in einer Falle zu stecken. „Dieser Ort bin ich“, erklärte Luzifer und machte dabei mit Kaidans Form eine alles um sich herum einschließende Geste. „Sie befinden sich so gesagt mitten in meinem Bewusstsein. Ich stelle ihrem Bewusstsein eine Möglichkeit zur Verfügung mit mir zu kommunizieren, ohne sich an die Regeln der realen Welt halten zu müssen. Dieser Ort hier ist rein virtuell.“
„Wir befinden uns in einem virtuell erzeugten Ort? Wie der Geth-Konsens? Ich kann mich nicht daran erinnern, mich an irgendwelche Geräte angeschlossen zu haben“, hielt Shepard der Erklärung der Reapers entgegen.

„Ich habe ihre Implantate mit meiner mechanischen Kontrolleinheit synchronisiert und ihnen zu mir geholfen. Was mit ihren schützenden Implantaten nicht gerade einfach war, dazu brauchte ich sogar direkten Körper Kontakt. Aber es hat letztlich auch durch die schlechte Verfassung funktioniert in der sie sich befinden und dadurch auch wenig Widerstand leisteten. Wie auch immer fühlen sie sich willkommen.“

Kaidan Alenkos Körper beschrieb eine Verbeugung, wie als würde er Shepard zum Eintreten auffordern.Auf den unsichtbaren Befehl des Reapers hin gewann der Raum etwas an Festigkeit, so dass sich zwar in geringer Entfernung Kanten zogen und der Raum realer zu werden schien, als Wände zu erkennen waren, aber das kahle Weiß des Raums blieb.

Shepard war selbst für diese kleine Orientierungshilfe dankbar. „Warum können sie das tun? Der Unbekannte hat sie doch in die…“ Kaidan unterbrach seinen ehemaligen Commander mit einer knappen Handbewegung. „Jack Harper ist nicht der einzige, der seinen Feinden glauben machen kann, dass sie ihn unter Kontrolle haben. Tatsächlich hat dieser Mann es weiter geschafft als viele andere vor ihm und zwei der ältesten unserer Art mit einem fast unlösbaren Griff unter seine Kontrolle gebracht. Nur bei mir war er für einen Moment etwas nachlässig und als er mich in meinen neuen Körper zwang, war ich immer noch frei und befolge seitdem jeden seiner Befehle, um eine Gelegenheit für einen Befreiungsschlag meiner Brüder zu bekommen.“

„Was wollen sie von mir?“, fragte Shepard, als der Reaper seinen Monolog beendet hatte. „Die Frage ist wohl eher: Was wollen sie von uns?“ Kaidan winkte kurz und der einst so weiße Raum wurde im selben Moment Schwarz. Langsam füllten Sterne die Dunkelheit um sie herum und Shepard versuchte das beklemmende Gefühl abzuschütteln, dass ihn daran erinnerte, wie er ohne Sauerstoff im All schwebte und machtlos die Zerstörung der ersten Normandy beobachten musste, als endlos viele Sterne an ihnen vorbei zogen.

„Sie haben die pathetischen Ausführungen Jack Harpers gehört Shepard, er mag in vielen Bereichen Recht haben und in ebenso vielen seine Vermutungen als Fakten ansehen, doch er hat in einem Punkt Recht. Wir sind die Wächter der Evolution und damit die Wächter ihres Universums.“
Erneut vollführte Kaidans Form eine allumfassende Geste, was die Sterne und Systeme der Milchstraße miteinschloss, die sie umkreisten.

„Wir stellen sicher, dass sie voranschreitet und letztlich vollendet wird, ohne uns wären sie und viele andere Völker der Galaxis nie aus ihren Planeten erwachsen, sondern schon bei der Kolonisierung durch weit ältere Völker zurückgestutzt worden und hätten niemals ihr volles Potential erreichen können. Selbst die Protheaner, die sie vom Mars aus beobachteten, hätten früher oder später in die Entwicklung der Menschen eingegriffen, wenn wir nicht gekommen wären, um sie davon abzuhalten, wie wir es bereits seit Äonen tun, um die Galaxie im Gleichgewicht zu halten. Daher wäre die Frage doch eher: Warum wollen sie diese Ordnung der Galaxis zerstören, Shepard?“

Der Commander runzelte die Stirn, als Kaidan ihm diese Frage stellte, er hatte nicht erwartet, dass die Reaper seine Motive hinterfragen würden und der Anblick seines alten Offiziers verwirrte ihn.
„Ihre so genannte Ordnung vernichtet Leben, Leben das vielleicht noch nicht einmal die Spitze seiner Evolution erreicht hat. Ihre Ordnung ist nichts weiter als ein Vorwand damit sie einen Grund haben, uns Abzuernten und weiter zu existieren, und damit wir uns nicht gegen sie zur Wehr setzen können, wenn wir zu lange überleben würden. Ihr Ansatz ist schwachsinnig.“
Shepard hoffte, dass der Reaper seine aufkommende Unsicherheit in seinen losen Worten nicht bemerkte, als Kaidan nur den Kopf schüttelte und zu einer Gegenantwort ansetzte. „Sie haben nichts begriffen, Shepard, unsere Ordnung schütz sie vor dem Chaos. Ohne uns hätte ihr Planet sie nie geboren und andere Rassen hätten der Galaxis und den Generationen vor ihnen weit übler mitgespielt als wir es je könnten.

Nehmen sie die Kroganer als ein weiteres Beispiel, dadurch, dass die Salarianer sie in ihrer Überheblichkeit förderten, konnten die Kroganer ihre Probleme nicht aus eigenem Antrieb beenden und sich auch nicht vollständig entwickeln bevor sie ein Teil der Galaktischen Gemeinschaft wurden. Wodurch sie nie lernten ihre Aggression einzustellen und auch weitere nötige Entwicklungen einfach übersprungen wurden, was letztlich zu den Rebellionen führte und dem unseligen Eingriff durch die Genophage. Und nun stellen sie sich vor welche Schäden die organischen Wesen in ihrer Emotionalität und Unwissenheit noch anrichten würden, wären sie erst einmal in der Lage alle Galaxien zu erkunden oder andere Geheimnisse des Universums zu analysieren. Die Protheaner zerstörten Hunderte Planeten, um eine Rasse auszulöschen und eine weitere vor ihnen zerstörte drei Sonnen vor ihrer Zeit aus ähnlichen Gründen.

Wir hingegen überlassen ihnen gezielt Ruinen alter Rassen damit sie in die Galaktische Gemeinschaft aufgenommen werden können, ohne dass sie sich zuvor zu sehr gegenseitig massakrieren. Unsere hinterlassenen Informationen sind nicht mehr als eine Hilfe damit sie die Galaxis so weit wie möglich verstehen, und sei es auch nur aus dem Blickwinkel den wir vorgeben. Und durch unser Abernten der Zivilisationen bewahren wir das Wissen ihrer Völker für immer. Nein Shepard, unsere Ordnung schützt sie vor ihrer eigenen Natur und gibt ihnen auch noch die Möglichkeit ihr Wissen und ihre Existenz für alle Ewigkeit zu bewahren, und schlussendlich ihren Teil dazu bei zu tragen die Geheimnisse des Universums zu lüften.“

Shepard atmete tief durch, die Erklärungen des Reapers entzogen sich nicht einer gewissen Logik. Eine kalte und berechnenden Logik, aber dennoch eine Logik, die nicht von der Hand zu weisen war. Die Galaxie war für sie wie ein Garten der überwuchert war und beschnitten werden musste, damit neue und schönere Pflanzen erblühen konnten. Um sie herum zogen Sterne und Systeme ihre Bahnen, als Shepard der Form seines ehemaligen Offiziers seine Antwort gab.

„Wer sagt, dass wir nicht in der Lage sind selbst Ordnung in unsere Existenz zu bringen? Wir wollen nicht in bewahrt werden, wir sollen so leben wie wir sind, wer gibt ihnen überhaupt das Recht sich in unsere Evolution einzumischen? Wir wollen nichts weiter als unser eigenes Leben führen, mit unseren Freunden und denen, die wir lieben.“ Kaidas Form nickte bedächtig, wie als hätte er eine ähnliche Antwort erwarte, und schien über die Worte des Commanders nachzudenken, während sich ihre Umgebung erneut veränderte und ein noch nicht lange vergangenes Ereignis wiedergab.
Er sah sich selbst. Er stand zusammen mit Ashley vor dem Unbekannten in der Ratskammer und Ashley griff nach seiner Waffe.

Erneut sah Shepard wie seine Shotgun dem Vorboten keinen ernsthaften Schaden zufügen konnte und wie ihre Soldaten niedergemetzelt wurden. Der Blickwinkel veränderte sich kurz, als Luzifer Coats niederstreckte und dann den angreifenden Kroganer tötete, doch der Reaper war rechtzeitig wieder auf den Beinen, um die Szene einzufangen in der der Vorbote Ashley durch das Glasdach warf und Shepard sah, wie er selbst erstarrte.

Die Szene gefror und machte erneut Platz für die Dunkelheit des Alls. Shepard schüttelte den Kopf und versuchte sich wieder auf den Reaper zu konzentrieren. „Es ist unbestreitbar, dass der Tod dieser Person sie stark berührt hat, Shepard“, bemerkte Luzifer. Shepard fand es fast schon ironisch, das er ausgerechnet Kaidans Gestalt gewählt hatte, er musste sie im Extra-Net gefunden haben, die Geschichte von Virmire war fast schon ein offenes Geheimnis. Er hatte Kaidan auf Virmire zurückgelassen, und nun sprach er mit ihm über Ashleys Tod, die er an seiner statt gerettet hatte.

„Das, was ihr organische Wesen Liebe nennt, ist etwas das weder ihr, noch wir selbst vollkommen verstehen Shepard. Man könnte das gesamte Universum durch ein noch so feines Sieb filtern, aber es würde kein Körnchen der Moral, der Freundschaft, von Gut oder Böse, geschweige denn der Liebe zurückbleiben.“ Der Reaper legte eine längere Pause ein, um seine Worte wirken zu lassen während immer weniger Sterne sie umgaben und ihre Umgebung sich immer weiter von der Milchstraße entfernte und den Bereich der weit voneinander entfernten Halo-Sterne erreichte, erst dann fuhr er unvermittelt fort.

„Ich hoffe sie wissen, dass Jack Harper nicht vorhat ihnen zu helfen, um das Lazarus-Programm erneut zu aktivieren. Doch wir könnten ihnen hingegen wirklich helfen, Shepard.“ Kaidans Blick wirkte offen, mitfühlend und sein Angebot ehrlich. Luzifer musste wissen, wie man menschliche Gefühle nachahmte, und er wusste auch wie man den einen gegen den anderen ausspielt. Shepard wusste, dass er wahrscheinlich nur bluffte und dass der Unbekannte mit hoher Wahrscheinlichkeit sein Wort halten würde, doch er entschied sich dafür das Spiel mitzuspielen.

„Sie wollen nichts weiter als unseren Tod. Warum sollte ich ihnen trauen?“ „Unser Ziel ist nicht ihr Tod, Shepard, unser Endziel ist es eine Spezies zu finden, die weitsichtig und offen genug ist, um diese Galaxie ohne unsere Hilfe zu behüten. Die Spitze der Evolution, die sich letztlich…“
„So eine Spezies gibt es nicht“, unterbrach Shepard den Reaper. „Wir sind von Natur aus chaotisch und mit Fehlern behaftet, wir sind nicht dafür gemacht…“

„Lassen sie mich aussprechen“, bat der Reaper in Kaidans Form höflich. „Eine Möglichkeit wäre, dass sie ihr Schicksal akzeptieren und sich uns Anschließen, etwas das auch der Vorbote und Sovereigen als einzigen Weg sehen würden. Doch ich wäre bereit anders zu handeln.“ Noch bevor Shepard protestieren konnte hob Kaidan eine Hand und fuhr fort. „Die Möglichkeit, die ich ihnen gegen den Rat meiner Geschwister vorschlage ist der, dass wir der Menschheit eine Möglichkeit des Neubeginns geben. Wie gesagt ist es unser gesetztes Ziel der perfekt entwickelten Rasse die Pflege der Galaxis zu übertragen, ihr Menschen mögt nicht perfekt sein, doch euer Potential ist erstaunlich groß. Wir würden euch die Möglichkeit geben sich fast von Grund auf neu zu entwickeln und so vielleicht den Platz dieser perfekt entwickelten Rasse einzunehmen, um als Spitze der Evolution die Galaxie zu überwachen.“

„Was würde mit meiner Crew geschehen?“, fragte Shepard nachdem er eine Weile schweigend nachgedacht hatte. „Ihre Crew würde mit ihnen überleben, aber keine weitere Rasse würde die Möglichkeit bekommen auf einem unberührten Planeten einen Neuanfang zu wagen. Höchstens einige tausend Menschen die wir als würdig ansehen würden ihr Schicksal teilen.“
Shepard wusste, dass er sowieso kaum eine Chance hatte diesen Kampf zu gewinnen und er selbst mit diesem Angebot immer noch den Worten des Reapers vertrauen musste, doch selbst das Überleben einiger weniger war am Ende ein Sieg.
„Was muss ich tun?“

Kaidan hob erstaunt eine Augenbraue, scheinbar hatte der Reaper nicht wirklich erwartet, dass Shepard so einfach einlenken würde. „Ich brauche ihre Hilfe, um Jack Harper auszuschalten. Ich könnte es selbst tun, doch es ist risikoreich und mit ihrer Hilfe viel erfolgsversprechender. Sie müssen den Unbekannten soweit betäuben, dass meine Brüder sich komplett von seiner Kontrolle befreien können. Dadurch, dass sie die Kollektoren-Basis zerstört haben konnte er seine, mit unserer Technologie aus gestatten Soldaten, nicht vollständig schützen und ich werde mit seinem Kontrollverlust die letzten Hürden seiner Sicherheits-Programmierung umgehen können, um so diese Soldaten auf unsere Seite zu bringen.“

Shepard nickte seinem einstigen Offizier schicksalsergeben zu. „Was ist mit Ashley?“, fragte er zögernd. „Wir werden das Lazarus Projekt erneut durchführen.“ Shepard atmete tief durch und Kaidans Form löste sich langsam aber sicher auf. „Vergessen sie nicht, dass Jack Harper durch unsere Technologie einen Schild besitzt, der ihn durch Fernwaffen schützt. Versuchen sie in seine Reichweite zu kommen und ihn von Nahem niederzustrecken. Viel Glück, Commander.“ Shepard sah, wie Kaidans Form sich endgültig verlor und auch die virtuellen Halo-Sterne um sie herum erloschen bis er selbst ein Kribbeln fühlte und kurz darauf seine realen Augen wieder öffnete.



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Er blinzelte, versuchte sich zu orientieren und spürte, wie Hände nach ihm griffen. Zwei Cerberus-Soldaten halfen dem Commander grob auf die Beine, als er wieder zu sich kam. Seine Wunden schmerzten hart und einer der Soldaten gab ihm eine neue Dosis Medigel, als sie ihn zum Unbekannten in der Mitte des Raums führten. Der Raum hatte sich inzwischen selbst in Position gebracht, zwei Tentakel des halb fertig gestellten Reapers waren in der Nähe der offenen Wand zu sehen die immer noch einen freien Blick auf das gewaltige Megakonstrukt der Reaper frei gab, während in der Mitte des Raums ein gewaltiger, heller Strahl von dem Loch im Boden bis zu dem in der Decke reichte, ein sicheres Zeichen das sie ihren Bestimmungsort erreicht hatten.

Um diesen Strahl herum hatte sich durch mechanische Verschiebungen eine Art tiefer gelegter Kreis gebildet, in dem die Cerberus-Wissenschaftler ihre Geräte aufgebaut hatten und der Unbekannte einige Männer gerade anwies einen notdürftigen Operationstisch aufzubauen und alles Nötige vorzubereiten. Shepard wusste, was ihm bevor stand. Er hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Entweder der Unbekannte oder die Reaper würden an diesem Tag den Sieg erringen, er selbst hatte kaum noch Chancen. Doch nichtsdestotrotz hatte er nichts eingewendet, als Luzifer seinem Namen alle Ehre gemacht hatte und einfach behauptete, dass der Unbekannte nicht vorhatte wegen Ashley ein neues Lazarus-Programm zu starten, um sie gegeneinander auszuspielen. Shepard wusste, dass dies nichts weiter als ein Spiel war, um ihn auf die eine oder andere Seite zu ziehen, und doch war Shepard so weit gegangen auch noch nach Ashley zu fragen, um sicher zu gehen.
Er hatte das Angebot eines zweiten Lazarus Projekts im ersten Impuls abgelehnt und wusste, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, nun überraschte es ihn umso mehr, dass er diesen Weg tatsächlich in Betracht zog. Er würde dieses Mal nicht gewinnen, er konnte nur entscheiden wer an seiner Stelle den Sieg erringen würde. Die kalte aber vernünftige Logik der Reaper die alles in einer makabren Balance zu halten schien, oder die große Vision eines machtgierigen Mannes, der die Menschheit über alles stellte, aber durch den wenigstens die Zivilisationen überleben würden.
Egal wie er es drehte und wendete, keinen der beiden Wege wollte er beschreiten, doch letztlich blieb ihm keine andere Wahl. „Kommen sie näher Shepard! Die Operation beginnt bald und der Sieg über die Reaper wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.“ Die beiden Soldaten rückten von ihm ab, als der Unbekannte ihnen mit einem Wink den Befehl dazu gab. Der Anführer der Cerberus-Organisation sah nur kurz auf bevor er sich wieder auf die Konsole vor sich konzentrierte und Shepard gar nicht wahrzunehmen schien, als dieser sich an einer anderen fast schon erschöpft abstützte.

Er war nicht weit vom Unbekannten entfernt und die wenigen Wissenschaftler in der Nähe waren damit beschäftigt die Notoperation vorzubereiten, Shepard wusste, dass jetzt die einzige Gelegenheit war, um loszuschlagen. Natürlich konnte er ihn auch warnen damit die Reaper endgültig unter Cerberus Kontrolle fielen und dem Schrecken ein für alle Mal ein Ende bereiten.
Doch der Commander verwarf diesen Gedanken.

Stattdessen viel sein Blick auf eines der noch ungeschützten Starkstromkabel, das die Wissenschaftler noch nicht an den nötigen Maschinen angebracht hatten und die in dem erschöpften und scheinbar geschlagenen Commander auch keine große Gefahr sahen. Nur einer der Männer sah kurz auf, sah zwischen dem Kabel und Shepard hin und her und entschied sich zu einer der Konsolen zu gehen, um den Strom vorsorglich abzuschalten. Doch er beeilte sich nicht und wurde unterwegs von einem seiner Kollegen aufgehalten.

„Dieses Konstrukt bietet eine Menge Möglichkeiten Shepard“, bemerkte der Unbekannte immer noch von den Daten der Konsole fasziniert. Shepard überlegte kurz ihn einfach mit einem Handkantenschlag an die Schläfe auszuschalten.

Doch der Commander verwarf auch diesen Gedanken.

„Rein theoretisch dürfte es mit der Verbindung zu diesem fast fertig gestellten Reaper sogar möglich sein mit einer Überladung in drei verschiedenen Punkten und durch ihren Reaper-Kern einen Dominoeffekt auszulösen und einen zweiten… Ja, durchaus möglich.“ Der Unbekannte schien zu sich selbst zu sprechen, als der Wissenschaftler seinen Kollegen abwimmelte. „Glauben sie mir Shepard, wenn ihre Operation überstanden ist, wird dieser Alptraum vorüber sein und ein neuer Tag für die Menschheit anbrechen! Ein wundervoller, ehrwürdiger Tag.“

Der Unbekannte sah auf und blinzelte versonnen in den gigantischen Strahl, der den Raum erhellte. Der Wissenschaftler war nicht mehr weit von der Konsole entfernt, als Shepard nach dem isolierten Teil des Kabels griff. Mit zwei schnellen Schritten überwand Shepard die Distanz zu seinem Ziel und drückte dem Unbekannten das Starkstromkabel in den Rücken. Sein Schrei war quälend und panisch, und der Wissenschaftler war wie alle seiner Kollegen so erschrocken, dass er einige Momente brauchte, um zu reagieren.

Der Strom reagierte auf die Implantate des Unbekannten und schmorte wie von Shepard erwartet einen Großteil von ihnen, während der Unbekannte selbst zappelte und schrie, doch noch nicht in die Knie ging. Der Commander musste sich selbst zwingen das Kabel weiter auf seinen Rücken zu pressen, denn die Schreie seines Opfers waren unmenschlich und Shepard war sich fast sicher, dass er sie in seinem kurzen Leben nicht mehr vergessen würde. Nach acht quälend langen Sekunden kappte der Wissenschaftler schließlich den Strom des Kabels und Waffen wurden auf Shepard angelegt. Zeitgleich mit dem Unbekannten ließ Shepard sich zu Boden fallen, Schüsse flogen über seinen Kopf hinweg und Schreie wurden laut.

Doch bereits nach wenigen Sekunden erstarb das Feuer wieder.

Mit einem vorsichtigen Blick über die Konsole, die ihm als Deckung diente, konnte Shepard sehen, was vor sich ging. Die drei einstigen Kontrolleinheiten der Reaper lösten sich aus ihrer Starre, einer der Cerberus-Centurios hing zappelnd in den Klauen des Vorboten, während sich die beiden anderen Reaper demonstrativ neben ihm positionierten. Die Metallhülsen die ihnen als Körper dienten, erlaubten es ihnen nicht einfach wieder in ihre eigentlichen Körper zurück zu kehren, doch ohne die kontrollierenden Implantate des Unbekannten waren sie nun Herren dieser Metallkörper.
Shepard spürte keine Reue.

„Menschen!“, hallte die ehrfurchtgebietende Stimme des Vorboten durch die plötzlich viel zu kleine Halle. Keiner der Soldaten wagte es das Feuer zu eröffnen, geschweige denn sich zu rühren. „Ihr hattet eure Chance und ihr habt sie vertan. Legt eure Waffen nieder und ihr sollt eure Möglichkeit des Aufstiegs bekommen.“ Der Vorbote schien tatsächlich abzuwarten während die Soldaten sich immer noch in einer Schockstarre befanden. Es war wohl ein Versuch den Kampf schnell und ohne großen Wiederstand zu beenden.

Doch der Vorbote konnte nicht wirklich hoffen, dass die Elite-Truppe des Unbekannten sich einfach so seinem Schicksal ergeben würde. Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten. „Bis zum letzten Mann! Bis zum letzten Atemzug!“, befahl einer der Centurios seinen Männern, bevor er krachend seine Mattock abfeuerte. Das war alles, was die Cerberus-Soldaten brauchten. Mit einem Mal war die Luft erfüllt von Gewehrsalven die jeden normalen Gegner in Stücke gerissen hätten.
Doch selbst die gesamte Feuerkraft der Soldaten die sich auf den Vorboten konzentrierte, brachte diesen nicht ins Wanken. Ähnlich wie der Unbekannte in der Ratskammer zuvor absorbierte ein Schild den gesamten Beschuss, dennoch wich der Reaper den Raketen der nun ebenfalls feuernden Atlas-Mechs aus und winkte seinen Brüdern zu.

„Löscht sie aus“, donnerte die Stimme des Vorboten durch den Raum. Während Luzifer und Sovereign nach vorne stürmten und sich plötzlich der kleine Teil der implantierten Cerberus-Soldaten gegen ihre Kameraden wandte, nutzte der Vorbote die Deckung und stürmte auf das Massenportal zu, das zurück zur Citadel führte. Nur einige Augenblicke später war er verschwunden und das komplette Chaos brach aus.

Cerberus kämpfte gegen Cerberus und die beiden übrigen Reaper konzentrierten sich auf die Atlas-Mechs, von denen einer bereits mit gesprungenem Cockpit und ohne Piloten am Boden lag. Shepard nutzte das Chaos, raffte sich auf und nahm einem toten Soldaten seine Carnifex-Pistole ab, während der Kampf um ihn herum weiter ging. Die Elite-Einheit des Unbekannten bekämpfte ihre einstigen Kameraden mit militärischer Effizienz und es dauerte nicht lange bis der letzte Cerberus-Soldat unter Reaper-Kontrolle fiel, doch der Verrat hatte bereits große Lücken in die total überrumpelte Einheit geschlagen. Und obwohl bereits ein weiterer Atlas-Mech mit heraus gerissenen Turbinen am Boden lag, kämpfte der Cerberus-Trupp verbissen weiter. Die Centurios verteilten EMP-Granaten und die Soldaten wechselten ihre Munition zu panzerbrechender, während andere nach schweren Waffen griffen.

Doch die beiden Reaper waren nicht aufzuhalten, immer wieder fuhr Luzifer unter die Soldaten und erschlug ganze Gruppen von ihnen mit seinen blanken Klauen, während ein Atlas-Mech mit seinem Greifarm Sovereigns Arm umklammert hielt. Die Kontrolleinheit des Reapers schlug mehrmals auf den Arm des Läufers ein bis dieser abbrach und er ihm denselben durch das Panzerglas rammte.
Der Pilot wurde vom Arm seines eigenen Mechs aufgespießt, doch er hatte seine Zeit genutzt und seinen zweiten Arm mit dem Geschütz so nahe wie möglich an den Reaper heran gebracht, sodass ihn sein Schirm nicht schützen konnte. Mehrere Schüsse aus nächster Nähe trafen den Reaper und faustgroße Stücke wurden aus seiner Panzerung gerissen, doch auch das hielt den Reaper kaum auf. Vier Atlas-Mechs standen noch als Shepard von einem der wenigen, noch lebenden Phantome bemerkt wurde.

Der Commander kauerte hinter dem umgekippten Operationstisch und ignorierte die Leichen der niedergemähten Wissenschaftler, während er nach einer neuen Dosis Medigel suchte. Seine Wunden schrien nach einem Arzt, oder zumindest nach einem Schmerzmittel, das ihn noch etwas durchhalten ließ. Doch das Phantom interessierte das nicht, es wusste nur, dass sie Shepard brauchten, um die Reaper wieder unter Kontrolle zu bringen. Tot oder lebendig, und lebendig hatte er bisher zu viel Schaden angerichtet. Als Shepard sah, wie das Phantom über einen toten Kameraden auf ihn zustürmte, hob er instinktiv seine Pistole und feuerte. Drei Schüsse und die Barriere des fast schon zu nahen Cerberus-Agenten fielen gen null, ein vierter Schuss traf das Visier und tötet ihn sofort. Selbst dieser kleine Erfolg brachte Shepard nur weiter in Gefahr, er schaffte es gerade so sich aufzuraffen, das Schwert des Phantoms zu packen und hinter eine weitere Deckung zu humpeln, als einer der Cerberus-Soldaten das Feuer auf ihn eröffnete.

Zwei weitere Atlas-Mechs schlugen auf den Boden auf, während das letzte lebende Phantom auf Sovereigns Rücken sprang und eine EMP-Granate aus nächster Nähe zündete. Jede andere Maschine wäre mit diesem Schlag besiegt gewesen, doch wie auch immer der Reaper sich schützte, er verbrachte nur einige Sekunden desorientiert und unter heftigem Beschuss, ohne von seinem Schild geschützt zu werden, bevor er das Phantom von sich schleuderte und das Schild wieder hochfuhr. Lutzifer schlug einem weiteren Atlas-Mech eines seiner Beine ab bevor er den blind feuernden Arm auf eine Gruppe Cerberus-Soldaten richtete und dann den Piloten des Läufers ausschaltete, indem er mit seinen Klauen durch das Panzerglas schlug ,das brach wie als wäre es aus dünnem Eis.

Er drehte sich in Shepards Richtung, als er sah wie der Cerberus-Soldat weiter zu dem Commander vorrückte, während Shepard hinter einer Konsole in der Nähe des leuchtenden Strahls in der Mitte des Raums Deckung suchte. Erneut verfluchte dieser seine Verletzungen, die er zuvor zu leicht genommen zu hatte und ignorierte den Schmerz, den sie ihm nun bereiteten, als der Cerberus Soldat im richtigen Winkel stand. Shepard warf das Schwert des Panthoms und zielte dabei dicht an die Seite des Soldaten, dieser musste einen Satz zur Seite machen, um der Waffe auszuweichen und trat dabei direkt in Shepards Schussfeld. Der Commander leerte fast sein gesamtes Magazin, als der Soldat zu spät versuchte das Feuer zu erwidern.

Der Kampflärm legte sich langsam, als Luzifer mit schweren Schritten auf Shepard zu kam und Sovereign die letzten verbleibenden Feind-Truppen angriff. „Shepard!“, echote die Stimme des blau leuchtenden Reapers durch den Raum, „Sie haben unsere Vereinbarung eingehalten.“ Shepard nickte, als der Reaper sich vor ihm aufbaute und humpelte um ihn herum. „Meine Brüder waren nicht sehr erfreut über das Angebot, das ich ihnen gemacht habe“, erklärte Luzifer, während er dem Strahl direkt hinter sich den Rücken zu wand, um Shepard nicht aus den Augen zu verlieren, als dieser die Leiche des toten Cerberus-Soldaten erreichte und ihn nach Medigel durchsuchte.
„Aber wir halten ebenfalls unseren Teil der Vereinbarung. Sie werden Ihre Chance für einen Neuanfang bekommen.“ Shepard nickte erneut und sah auf, als er bei dem Toten kein Medigel fand. „Danke!“, keuchte er angeschlagen, der Reaper stand zwischen ihm und den Strahl, sodass er aussah wie die Figur eines göttlichen Gemäldes, das Licht umspielte seine Konturen meisterhaft. „Danke für die Gelegenheit, die sei mir bieten.“ Shepard neigte den Kopf und legte eine Hand auf die Leiche des Cerberus-Soldaten, um sich abzustützen, er fühlte das er wohl jeden Moment zusammenbrachen würde.

„Sie haben nur eines nicht verstanden“, erklärte Shepard mit erhobenem Blick. „Moral oder Gut und Böse mag es für sie nicht geben, diese Dinge gibt es alleine durch uns. Wir Organische schaffen uns diese Ideale, alleine durch unsere Existenz und dem Glauben, dass es so etwas wie Liebe oder Gut und Böse überhaupt gibt. Während sie alleine ihre eiskalte Logik als richtig ansehen, sind wir ihnen mit diesen unnützen Gefühlen dennoch überlegen. Diese Dinge existieren alleine dadurch, dass wir an sie glauben, wir selbst wären die Spuren von Moral, Liebe und Gnade, die sie finden würden, wenn sie sich tatsächlich einmal die Mühe machen würden die Galaxis tatsächlich durch ein Sieb zu sieben.“

Luzifer rührte sich kaum als er Shepards Worte vernahm, doch egal ob er wirklich über sie nachdachte, er hatte kaum Zeit seine Gedanken zu Ende zu führen. Shepard klinkte die EMP-Granate aus dem Gürtel des toten Cerberus-Soldaten und warf sie dem Reaper vor die Füße.
Sovereign tötete gerade den Piloten des letzten Atlas-Mechs und durchbohrte einen der wenigen überlebenden Cerberus-Soldaten, als die Granate hochging und Luzifer für einige Sekunden seiner Orientierung und seines Schilds beraubte.

Shepard zögerte keine Sekunde und nutzte seine einzige Chance. Es brauchte nur wenig, um den Reaper auszuschalten, er stand genau dort wo Shepard ihn haben wollte, doch für den erschöpften Commander war es ein Kraftakt.

Trotz allem ignorierte er seine Wunden und seine Schmerzen, als er auf Luzifers größere Kontrolleinheit zustürmte und ihn mit der vollen Wucht seines gesamten Körpers traf. Der Reaper wankte, bereits durch die Explosion der Granate rückwärts, als Shepard ihn traf und fiel in demselben Moment, in dem sie zusammenstießen. Shepard stemmte weiter beide Hände gegen die zu leicht gebaute Kontrolleinheit des Reapers, als dieser bereits den Halt verloren hatte. Luzifer kam zu sich, nachdem Shepard von ihm abließ und erkannte die Gefahr, doch er war an seinen Körper und die Schwerkraft gebunden und konnte nichts mehr tun, als sein Schicksal zu akzeptieren.

Es war nicht das Schicksal, das er erwartet hatte.

Luzifer fiel in den hellen Strahl der den Raum vertikal durchquerte, sein Kopf berührte den Strahl als erstes und fing plötzlich an sich aufzulösen. Sein für eine Maschine panischer Schrei endete fast schon bevor er begonnen hatte, als der Fall in den Strahl seine Lautsprecher am Kopf sofort zersetzte. In nur wenigen Augenblicken fiel auch der Torso der Kontrolleinheit in den Abgrund, aus dem der Strahl hervorging und nur wenige Momente später folgten die langsam kippenden Beine mitsamt dem letzten Rest der von Luzifers Bewusstsein noch übrig sein konnte. Shepard fiel erschöpft auf die Knie, als die letzten Teile der Kontrolleinheit in dem Strahl verblassten wie Papier, das sich im Feuer auflöste.

Er wusste nicht was er getan hatte oder ob er überhaupt etwas geändert hatte, doch er hatte nicht kampflos aufgegeben, wenigstens etwas mit dem er zufrieden sein konnte. Er atmete tief durch und hielt sich die Seite, seine Wunden waren schmerzhaft und er bedauerte es fast die Warnung des Arztes auf der Erde ignoriert zu haben, jedoch nur fast. Doch alle seine Schmerzen verblassten, als kalter Stahl sich brutal und schmerzhaft durch seine Schulter bohrte und ihn vom Boden hoch zerrte. Shepard schrie und zappelte schwach mit seinen Füßen als Sovereign seine Klaue drehte, so dass der Commander hilflos in derselben lag und er seinen Feind direkt ansehen konnte.

„Insekt!“, zischte der Reaper verärgert, fast schon verwirrt, er ignorierte den kläglichen Beschuss der letzten verblieben Cerberus-Soldaten auf seine angeschlagene Kontrolleinheit und durchbohrte Shepard mit einem eiskalten Blick. „Es ist nur eine Frage der Zeit bis mein Bruder sein Bewusstsein wieder geordnet hat, um wiederzukehren. Dieser Strahl hat nur seinen nutzlosen Körper zerstört, nicht seinen Geist“, erklärte Sovereign wie um Shepards Torheit zu unterstreichen.
Der Commander keuchte und verzog das Gesicht trotz der gewaltigen Schmerzen, die ihn fast in die Ohnmacht trieben zu einem makabren Grinsen. „Mir scheißegal…“, keucht er. „Ich wollte euch nur ein letztes Mal ans Bein pinkeln, in der Hoffnung dass ihr dran verrostet.“ Sovereign legte den Kopf schief als Shepard keuchend zu lachen anfing und hob seine zweite Klaue um den Helden der Galaxis ein für alle Mal zu erledigen.

Er zielte direkt auf sein Herz und es gab keine Möglichkeit es zu verfehlen.



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Admiral Hackett runzelte besorgt die Stirn und stütze nachdenklich seine Hände auf die Holo-Karte.

Die Schlacht lief denkbar schlecht und obwohl das Charon-Portal erst vor kurzem die restlichen Teile ihrer Verstärkung in das System gebracht trieb bereits fast die Hälfte der vereinten Flotten als leblose Wracks im All. Unzählbare Crewmitglieder, Piloten und nicht einmal eingesetzte Bodentruppen waren in dieser Schlacht im Minutentakt gefallen, während die Reaper vergleichsweise wenige ihrer Schiffe verloren hatten.

Bis vor kurzem waren die Angriffe der Reaper zwar heftig aber ohne große gemeinsame Taktik auf sie zu grollt, und sie hatten einige ihrer Schiffe mit ausgeklügelten Manövern abschießen können und ihnen damit wenigstens eine blutige Nase verpasst. Doch nun war einer der großen, zuvor inaktiven Reaper wieder erwacht. Der Vorbote selbst schickte die Armada der Reaper nun mit kalter Präzession und unter einer gemeinsamen Führung in die Schlacht. Ihre Schiffe konterten die Vorstöße der Flotten nun gekonnt und verwandelten gut geplante Hinterhalte in ein Massaker für die Völker.

Die SSV Everest hatte seit dem Verlust des Tiegels ihre Stellung gehalten und wich auch nicht zurück als die Front immer weiter auf ihre Position zurollte, als Beispiel eines unnachgiebigen Verteidigers hatte das Schlachtschiff allen Angriffen standgehalten um zu verhindern das der Verlust des Tiegels ihre Flotte in kopfloser Panik fliehen ließ.

Mit dem Verlust des einzigen großen Hoffnungssymbols waren sie schon nahe daran gewesen die Schlacht in einem einzigen Moment zu verlieren. Doch keiner der Kapitäne der Flotte hatte es gewagt, sein eigenes Schiff zu retten und zu fliehen, und als einige wenige von ihnen damit begonnen hatten ihre Mannschaften über Funk neu zu motivieren und direkte befehle zu erteilen war dies wie eine Welle auf die restliche Flotte übergeschwappt und hatte die Flotte im Kampf gehalten.

Weder Turianer, noch Asari, noch Menschen, noch sonst eine Rasse hatte den Kampf aufgegeben, und das obwohl jeder wusste das diese Schlacht nur noch einen einzigen Sinn hatte, und zwar so viel Schaden wie möglich auszuteilen bevor sie untergingen. „Unsere letzten Rettungskapseln und Shuttles sind in sicherer Entfernung. Der Teil der SSV Everest-Crew der nicht dringend benötigt wurde sollte somit in Sicherheit sein und bald das Charon-Portal erreichen.“ Sagte Nathan und deutete auf mehrere kleine Punkte die sich auf der Holo-Karte schnell von der Front entfernten.
Hacketts erster Offizier skizzierte weitere Ereignisse auf der Holo-Karte während der Admiral die Nachrichten analysierte.

„Die Erd-Flanke wird immer weiter zurück gedrängt und die Mars gewandte Flanke musste ihre Gegenangriffe stoppen da die Turianer und die Geth zu viele Verluste erleiden. Uns selbst wird bald die Hauptmacht des Keilangriffs treffen, der Großteil unserer Flotte zieht sich zurück und formiert sich in zwei Klicks Entfernung neu, wie befohlen. Die SSV Aconcagua und unsere Begleitschiffe schützen mit uns ihren Rückzug bis die Flotte in Position ist, aber inzwischen…“
Der Offizier brach ab, starrte verloren auf die Holo-Karte und lies den Satz unausgesprochen.
Hackett nickte schicksalsergeben, er war zu demselben Ergebnis gekommen, es kam wie es kommen musste.

Nathan fand seine Stimme wieder, als ein neuer Funkspruch eintraf und gab ihn an seinen Admiral weiter. „Die SSV Benjamin Davis bittet um Erlaubnis denn Rückzug antreten zu dürfen, sie hat ihren gesamten Vorrat an Jägern und Piloten sowie Munition aufgebraucht.“
„Genehmigung erteilt, der Träger soll so viele Rettungskapseln wie möglich aufsammeln bevor er das System verlässt und sich dann in Sicherheit bringen. Wo immer das auch sein mag.“
Der erste Offizier nickte und gab den Befehl weiter während der Admiral einen der zurückgebliebenen Komm-Offiziere um einen sicheren Kanal zur Idomitable bat, dem Flaggschiff von Primarch Victus, während er selbst eine Reihe von Daten auswählte und eine besondere Videodatei aufrief.

Das Video zeigte den letzten Funkspruch des letzten batariansichen Schlachtschiffs an die Everest, bevor die Zorn sich aufopferungsvoll in einen der Reaper gerammt hatte.
„Hier spricht Kapitän Balak!“ erklärte der Batarianer auf dem leicht gestörten Bild das sich auf der Holo-Karte bildete. „Die Zorn wird in einigen Momenten aufhören zu existieren.“ Der in den Registern der Allianz als Terrorist eingetragene Batarianer klang ruhig und gefasst, doch er hatte trotzdem einige Probleme sich zu verständigen, denn hinter ihm begann die Brückencrew plötzlich zu singen, und stellenweise sogar Arm in Arm zu schunkeln wie als feierten sie ihren Untergang.
Doch der Kapitän übertönte einfach den langsam lauter werdenden Totengesang.
„Ich habe nur ein Anliegen Admiral!“ erklärte Balak grimmig.

„Rächt uns!“

Dann riss die Video Aufzeichnung ab, nur einige Sekunden später hatte die Zorn den Reaper gerammt und mit einer gewaltigen Explosion ihr Leben und das ihres Feindes ausgelöscht.
Hackett gönnte sich einen Moment der Stille als die Everest erbebte und das Feuer auf die anrückenden Feinde eröffnete. „Admiral Hackett! Was gibt es?! Was sind das für Daten das sie auf unser Schiff übermitteln? Mein Offizier hat mir gerade durchgegeben das sie…“
„Hören sie mir einfach zu Primarch!“ befahl Hackett über Funk bevor Victus seine Zeit vergeuden konnte. „Ich übermittle ihnen einen Großteil der wichtigsten strategischen Daten, und einige wichtige Stücke aus den Archiven der Everest, sowie eine Aufzeichnung von der Zorn. Und jetzt hören sie mir genau zu…“

Ein Beben ging durch das Schlachtschiff als seine Schilde sich mühten einen direkten Treffer durch einen Reaper-Zerstörer zu kompensieren.

Nathan glich die Holo-Karte dem Schlachtfeld an und konzentrierte sich auf die Front wo die geballte Macht der Reaper auf eine mickrige, vorgezogene Verteidigungslinie der Flotte stieß.
Ihre einzige Aufgabe war es der Mutterflott Zeit zum neu formieren zu schaffen, und sie erfüllten ihre Pflicht. Zwei der vordersten Reaper wurden von dem Beschuss der Verteidigungslinie und den restlichen Schlachtschiffen die sich noch in sicherer Entfernung befanden in Stücke geschlagen und Fünf der feindlichen Zerstörer ereilte dasselbe Schicksal. Doch obwohl der massierte Beschuss die Reaper stark traf und sie teilweise zu Ausweichmanövern zwang war der Gegenschlag gewaltig.
Drei der turianischen Kreuzer wurden von den Reapern zerfetzt und drei weitere Kreuzer der Menschen zahlten denselben Preis während die wenigen überlebenden Jäger und einige Fregatten einfach von dem aufkommenden Chaos verschluckt wurden.

„Das ist mein letztes Wort Victus. Rückzug ist keine Option.“ „Ich stimme ihnen zu aber…“ „Damit ist es besiegelt, ich trete hiermit das Oberkommando über die Flotte an sie ab. Tun sie ihr möglichstes. Hackett Ende.“ Ein weiterer Reaper wand sich in seinen Todeszuckungen während die schwache Verteidigungslinie unvermeidlich überrannt wurde. Der Vorbote selbst nahm mit seiner Eskorte Kurs auf die SSV Aconcagua während die SSV Everest ihre Position änderte, zwei Zerstörer in einen Nahkampf verwickelte und gleichzeitig ihren Bug auf den Vorboten ausrichtete um ihr Hauptgeschütz abfeuern zu können. Wieder klang ein metallische Kreischen und Seufzen durch die so gut wie menschenleeren Gänge der Everest. Der zweite angreifende Zerstörer fiel kurz nach dem ersten durch den Dauerbeschuss der Bordgeschütze als der Vorbote im selben Moment der SSV Aconcagua aus nächster Nähe den Todesstoß versetzte.

Die Anspannung auf der Brücke war greifbar und Entsetzen breitet sich aus als das stolze Schlachtschiff mit Halo förmigen Explosionen ihre letzten Lichter in die Dunkelheit des Alls schickte. Eine Arbeit von mehreren Jahren und die Heimat von fast zehntausend Marines, Matrosen und Offizieren war innerhalb von wenigen Minuten einfach so ausgelöscht worden.
Und obwohl die wenigen überlebenden Kreuzer und die Everest den Kampf nicht aufgaben waren ihre Chancen kaum noch erwähnenswert. „Feuert! Aus allen Rohren!“, befahl Admiral Hackett mit grimmigem Blick. Weiter schloss die Everest zu dem gewaltigen Schlachtschiff des Vorboten auf während die Geschütze der Everest Drohnen zerfetzten, Zerstörer bedrängten und gewaltige, tödliche Muster ins All malten.

Sie selbst lag unter dauerhaftem, schwerem Beschuss von allem Seiten und ihre Panzerung stöhnte und seufzte metallisch, Hackett lief es kalt über den Rücken.Er hatte bisher nur selten erlebt dass ein Schiff unter seinem Befehl anfing zu schreien, und noch nie während er mit seinen Füßen auf der Brücke eines Schlachtschiffs stand. Es war ein gequälter, verzweifelter Schrei der den baldigen Tod des Schiffes ankündigte. Hackett versicherte sich erneut, dass seine Männer ihre Arbeit geleistet hatten und gab den Aktivierungscode bis auf die letzte Nummer ein bevor er aufsah.
Die Holo-Karte zeigte wie der Vorbote dem Schlachtschiff immer näher kam, auf dem Weg nebenbei zwei Kreuzer zerlegte und die Everest nur knapp verfehlte.

Der Reaper kam immer näher um sei Opfer aus nächster Nähe zu zerreißen wie er es schon bei der SSV Aconcagua getan hatte, doch auch die Everest hielt ihre Geschwindigkeit bei.
Vielleicht wollte er aber auch von nahem mit einem Cyberangriff die Datenbanken des Flaggschiffes kapern und somit die letzten Pläne der Flotte in Erfahrung bringen.
„Sofort alle Register und Archive löschen! Neueste zuerst!“ befahl Hackett steif und Nathan machte sich an die Arbeit.

„Countdown bis zur optimalen Reichweite einrichten!“

Das Schiff erzitterte als ein Strahl ihre Steuerbordseite aufriss und eine Wunde in das Schiff schlug, die Everest korrigierte schreiend und blutend ihren Kurs während das Hauptgeschütz erneut feuerte. „Deck vier und fünf sind aufgerissen, Abschottung und Schadensbegrenzung wird durchgeführt.“ Meldete Nathan knapp und konzentriert wie immer. Die Holo-Karte zeigte den geforderten Countdown an und zählte die letzte paar Minuten ab, während Hackett finster den Aktivierungscode komplettierte und den Countdown der Überladung des Schiffskerns und der Detonation allen vorhandenen Sprengstoffs mit dem Countdown bis zur optimalen Reichweite synchronisierte. „Geben sie mir eine neue Verbindung zu Primarch Victus und den Kapitänen der übrigen Schlachtschiffe. Ignorieren sie ihre einkommenden Funksprüche.“ Befahl Hackett einem der Komm-Offiziere bestimmt.

Inzwischen war die Everest das letzte überlebende Schiff der einstigen Verteidigungslinie, und ihre Crew hoffte der Flotte genug Zeit verschafft zu haben um sich wenigstens grob neu zu formieren. Die Everest streifte ein weiterer Strahl und verlor einen weiteren Teil ihrer Panzerung als Hackett auf den Countdown blickte, den Komm-Kanal aktivierte und seinen Befehl an die Schlachtschiffe weiter gab. „Hier spricht Admiral Hackett von der SSV Everest! An alle die diesen Funkspruch erhalten und sich in günstiger Position befinden, synchronisieren sie ihr Feuer mit meinem angegebenen Countdown und richten Sie ihr Feuer auf den Vorboten. Gute Jagt!“ Nathan nickte seinem Admiral zu, stellte die Verbindung ab und erstellte unaufgefordert eine neue für einen Rundspruch an das gesamte im Schiff verbliebene personal und seine fliehenden Rettungskapseln.

Admiral Hackett stand stramm und verschränkt die Arme hinter dem Rücken als der Countdown nur noch eine Minute anzeigte. „Hier spricht Admiral Steven Hackett. Männer und Frauen der SSV Everest, es war mir eine Ehre dieses Schiff zu kommandieren und an ihrer Seite zu dienen.“ Er legte eine kurze Pause ein um noch einmal Atem zu hohlen während die Brückencrew, nun nur noch aus einem Dutzend Mutiger bestehend, sich einer nach dem anderen von ihren Posten erhob.
„Möge Gott uns alle beschützen. Hackett Ende.“ Als der Admiral seinen letzten Funkspruch getan hatte nickte sein erster Offizier ihm nur kurz zu und der Kapitän erwiderte es bevor er seine Hand zum Salut an den Kopf hob. Wie ein Mann folgte die Brückencrew seinem Beispiel, stand stramm und salutierte.

Der Countdown erreichte seinen Nullpunkt.

Letztlich hatte der Vorbote die Lage erkannt, doch kam seine Reaktion dennoch zu spät.
Die SSV Everest explodierte und schickte ringartige Explosionen ins All als ihr Kern überlud und der gesammelte Sprengstoff detonierte. Das Schlachtschiff des Vorboten war stärker gepanzert als die meisten Reaper und nicht der gleichen, gewaltigen Explosion ausgesetzt wie die Zorn sie mit weit mehr Sprengstoff zuvor erzeugt hatte, und erlitt nur oberflächlichen Schaden. Doch seine Schilde wurden von der Explosion fast komplett hinweg gefegt. Ohne die schützenden Schilde war es ein Leichtes für die Schiffe der Flotte den Reaper unter ein effektives Dauerfeuer zu setzen.

Mehrere gebündelte Salven der Idomitable, der Destiny Ascension, der SSV Logan, der Kwunu und vieler weiterer Schiffe trafen den Reaper und durchschlugen die Panzerung des Vorboten in einem gewaltigen Kraftakt. Noch als der Reaper bereits in mehreren Teilen im All trieb feuerten einige der Flottenschiffe auf das Wrack, das sich mit Teilen der SSV Everest vermischte. In den letzten Sekunden seines Lebens empfand Admiral Steven Hackett weder Reue oder Bedauern noch Zweifel. Er starb zusammen mit dem Rest seiner Crew als die Explosion sie erreichte und sofort tötete. Steven Hackett starb wie er gelebt hatte. Aufrecht stehend am Steuer seines Schiffes.



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