Fanfiction - Ein alternatives Ende für Mass Effect 3 (7) 

Exitus

Es passierte viel zu schnell, als dass Shepard komplett verstehen konnte, was vor sich ging.Einer der Cerberus-Soldaten hatte einen geladenen Raketenwerfer erreicht und ihn gerade noch rechtzeitig auf Sovereign abgeschossen, sodass dieser kurz wankte, als seine Schilde Probleme hatten den Aufprall zu absorbieren. Und obwohl der Reaper einen Moment brauchte, um sich zu sammeln, konnte Shepard sich nicht aus seinen Klauen befreien, seine Schulter wurde immer noch von einem metallischen, kantigen Finger durchbohrt und jede Bewegung löste unmenschliche Schmerzen aus.
Selbst als er reflexartig nach seiner gehalfterten Carnifex griff und den Rest seiner Munition auf den Kopf des Reapers abfeuerte, brachte ihn dies nur ein paar weitere Sekunden aus dem Konzept und durchflutete Shepard dafür mit umso Schmerzen, sodass er nicht mehr sehen konnte als verschwommene Dunkelheit, plötzlich durchbrochen von einem pulsierenden Blau, als ihm die Waffe aus der Hand fiel.
Er wusste nicht was passierte, als sich das Miniatur-Massenportal in der Halle aktivierte und innerhalb von Sekunden ein Mako-Panzer aus selbigem sprang. Als ein C-Sec-Trupp durch das Portal den Raum erreichte, hatte der Mako bereits sein Ziel anvisiert und feuerte mit allen Geschützen. Sovereigns geschwächte Schilde wurden von mehreren Salven des Bordgeschützes niedergerissen und die Hauptwaffe des Panzers traf den Reaper direkt an einer angeschlagenen Stelle seiner Kontrolleinheit und durchbrach seine Panzerung. Ein zweiter Schuss riss ihn von den Füßen, bevor er sich überhaupt seinem Feind zuwenden konnte und er schlug krachend auf dem Boden auf, auf dem er mit einem weiteren Treffer krachend in drei Teile zerbrach. Der Commander schrie auf als die Klaue sich mit einem Ruck aus seiner Wunde riss und er durch die Luft geschleudert wurde. Er konnte nicht sehen, wie die letzten Cerberus-Soldaten in einem verzweifelten Aufbäumen versuchten den C-Sec-Trupp abzuwehren und vier der Männer töteten. Er konnte auch nicht sehen, wie der Mako mit seinem Geschütz die Cerberus-Elitesoldaten niedermähte und erst aufhörte zu schießen, als die letzten beiden Soldaten ihre Waffen wegwarfen, ihre Hände hinter dem Kopf verschränkten und auf die Knie fielen bevor sie von C-Sec brutal in Gewahrsam genommen wurden.
Das einzige, was Shepard spürte, war ein gewaltiger Schmerz in seiner Schulter, der sogar die seiner alten Wunden überdeckte. Für ihn schien es wie eine Ewigkeit der Stille als die Crew des Makos ausstieg und zu ihm eilte. „Dreht ihn um! Medigel! Sofort!“ Shepards Herz machte einen Sprung als er die Stimme erkannte und er versuchte mit einem Blinzeln seinen verschwommenen Blick zu verbessern. Eine große Erleichterung überkam ihn, als jemand das Medigel aktivierte und seine Schulterwunde provisorisch verschloss. Doch diese Erleichterung war nichts im Vergleich zu der, die er empfand, als jemand mit sanften Händen seine tränenden Augen säuberte. Es war das zweite Mal in dieser Schlacht, dass Shepard beim Anblick von Ashleys Augen glaubte, dass sein Herz stehen bleiben würde. Er war erstaunt, dass es noch schlug. Sie fuhr ihm über das kurz geschorene Haar und drückte ihre Stirn stumm an seine. Beiden war die enorme Erleichterung anzusehen, als sie sich vorsichtig umarmten, er konnte ihre Angst riechen und spürte jede Schramme, die das Glas auf ihrer Rüstung hinterlassen hatte, während sie den metallischen Geschmack von Blut in ihrer Nase hatte und ihn ganz vorsichtig mit einer Hand abstütze.
Für diesen kleinen Augenblick war das Universum in Ordnung und Shepard hoffte, dass es einfach stillstand damit dieser Moment für immer andauerte. „Hierher!“ Eine Stimme zerriss plötzlich und brutal diesen glücklichen Frieden. Zaeed und Commander Bailey waren froh nicht diejenigen zu sein, die das Paar aus seiner wohl verdienten Umarmung riss und Bailey machte sich sofort auf den Weg, um zu seinem Trupp zu eilen, der eine am Boden kauernde Gestalt umkreist hatte. „Macht sicher, dass das Ding tot ist und schmeißt die Reste der Maschine in diesen Strahl“, befahl er dreien seiner Männer mit Blick auf die immer noch rot leuchtenden Überreste des Reapers, während Zaeed vorsichtig einen Schritt auf Ashley und den Commander zu trat.
„Komm schon Soldat…“, hauchte Ashley leise und mit wankender Stimme, „bringen wir dich von hier weg.“ Ashley half Shepard vorsichtig auf die Beine, sodass sie und Zaeed ihn in ihre Mitte nehmen und ihn abstützen konnten, während sie sich auf Baileys Trupp zu bewegten.
„Tut mir leid Shepard, wir wären schon früher gekommen“ erklärte der Söldner, als hinter ihnen die C-Sec-Officers die Überester des Reapers unter Zuhilfenahme einer langen Eisenstange in den Strahl schoben. „Aber einer dieser Reaper kam vor kurzem durch unser Portal zurück.“ Shepard nickte kaum merklich und versuchte so viel Gewicht wie möglich mitzutragen. „Der Vorbote, er ist entkommen, als hier das Chaos losbrach und die Reaper und Cerberus sich gegenseitig abgeschlachteten.“ „Wir haben ihn bis zu einer Funkstation verfolgt“, berichtete Ashley, als sie weiter auf die C-Sec-Gruppe zuhielten. „Als der Reaper im Inneren verschwunden war und Jentus ihn mit einigen Leuten verfolgte, konnten wir mit unserem Mako nicht mehr viel ausrichten und sind zum Glück umgekehrt.“ „Ja, ein paar Sekunden später und das Ganze hätte ein hässliches Ende genommen“ bemerkte Zaeed unerbittlich nüchtern.
„Der turianische Spectre hat es sogar geschafft dieses Ding mit einigen Sprengladungen in die Luft zu jagen, aber wie es schien hatte der Reaper da leider schon seine Kontrolleinheit über einen Up-Link verlassen. Aber keine Sorge Shepard, wir erwischen noch jeden Einzelnen von den Biestern. Früher oder später.“ Shepard wusste, dass der Söldner nur versuchte ihm Mut zu machen, aber er wusste auch dass die Reaper unter dem unangefochtenen Befehl des Vorboten eine noch größere Gefahr für die Flotten darstellen würden. Egal was sie letztlich hofften oder glaubten, die Chance dass die Reaper bereits ihre Flotte vernichtet hatten, war nicht gerade gering. Doch Shepard blieb kaum Zeit in düsteren Grübeleien zu versinken, denn sie erreichten den Kreis der C-Sec-Officers, der sich um etwas am Bodengebildet hatte.
Die Gestalt am Boden vor Bailey lachte keuchend, als sie den angeschlagenen Commander auf sich zukommen sah. „Sie haben wirklich unglaubliches Glück. Das muss man ihnen lassen.“ Das Gesicht und der Körper des Unbekannten waren an vielen Stellen aufgerissen und die rauchenden Reaper-Implantate unter seiner Haut waren nun gut zu erkennen. „Ich wusste schon immer, dass sie etwas Besonderes sind Shepard.“ Der Unbekannte lachte abermals, während er gequält seinen Arm bewegte, um einen Zug aus seiner Zigarette zu nehmen, die man ihm angezündet hatte. Eigentlich hätte ihn der Stromschlag töten sollen, doch irgendwie hatten er es geschafft zu überleben, seine unmenschlich blauen Augen durchbohrten Shepard wie eh und je mit ihrem Blick. Nur sein Keuchen, seine aufgerissene Haut und der schlechte Zustand seines geliebten Anzugs wiesen darauf hin, dass er mehr tot als lebendig war und die wenigen, noch nicht geschmorten Reaper-Implantate ihn am Leben erhielten.
„Sie sind ein verdammter Bastard! Haben sie einen Pakt mit dem Teufel geschmiedet oder wie können sie diese Wunden überleben?“, wollte Bailey wissen und gab gleichzeitig einen Großteil seiner Leute einen Wink die Umgebung zu durchsuchen. „So was in der Art“, gab der Unbekannte sarkastisch zu und blies einen Ring in die Luft bevor er von einem Hustenanfall heimgesucht wurde.
„Shepard. Kommen sie näher“, bat der Unbekannte und obwohl Ashley ihn erst zurückhalten wollte, trat er schließlich mit ihrer Hilfe so nah wie möglich an den Unbekannten heran und bückte sich zu ihm nach unten. „Sie haben es verdammt weit geschafft, was Shepard?“ Der Unbekannte lachte gespenstisch und schnippte seine fertig gerauchte Zigarette weg. „Zeit zu sterben, Shepard!“ Der Unbekannte sah dem Commander direkt und offen in die Augen, während Shepard nur nickte.
„Darauf bin ich bereits selbst gekommen“, bekannte er grimmig. „Von was sprichst du? Was geht hier vor?“, wollte Ashley mit besorgter Stimme wissen; sie sah skeptisch zwischen dem Unbekannten und Shepard hin und her.
Shepard nahm ihre Hand und drückte sie sanft, um sie zu beruhigen, wandte sich nach einem kurzen Blick zu ihr aber wieder an den Unbekannten. „Sie haben einen Weg. Habe ich Recht? Einen Plan B.“
„Natürlich Shepard. Für wen halten sie mich? Es gibt immer einen Rückfallplan, und seit der Raum direkt mit dem halb fertig gestellten Reaper in Verbindung stand, hatte ich trotz ihres "Unfalls“ Zeit meine Kalkulationen zu überprüfen. Wir brauchen dafür allerdings immer noch den Reaper-Kern der in ihnen steckt…“
Der Unbekannte wurde von einem Husten unterbrochen und griff dabei nach einem kleinen, rohrartigen Objekt direkt neben sich. Er drückte es dem Commander in die Hand und nickte ihm ernst zu. „Setzen sie dieses Gerät an ihre linke Seite, es wird den Kern aufspüren und sie werden dort wo er implantiert wurde ein Ziehen spüren. Versuchen sie so nahe wie möglich an den Kern heran zu kommen, die Nano-Bots des Geräts werden ihn nun leider gewaltsam aus ihnen heraus hohlen müssen.“ Der Unbekannte aktivierte sein immer noch funktionsfähiges Universalwerkzeug und gab mühsam einige Befehle ein. „Gehen sie nach der Anleitung und den Daten vor, die ich ihnen jetzt übermittle und werfen sie den Kern danach zusammen mit dem Gerät in den Strahl, damit sich der Plan richtig auf die Station auswirkt. Wir wissen nicht genau, wie oder ob es die Reaper beeinflussen wird, aber ich denke sie wissen was für Auswirkungen es auf sie selbst haben wird?“
„Was soll das! Worüber sprechen Sie!?“ Die wachsende Sorge in Ashleys Stimme wurde von Verärgerung überdeckt, als sie sich direkt an den Unbekannten wandte. Als klar war, dass Shepard nicht antworten wollte und den Blick abwandte, sah der Unbekannte keinen Grund sich zurück zu halten. „Sie benötigen den Kern in Shepards Brust, um dieses eigentlich viel zu wertvolle Konstrukt zur Hölle zu schicken und die Reaper zu schwächen. Doch ohne den Kern werden seine Implantate ausfallen, mit seinen Wunden und ohne ein Expertenteam, das ich ihm hätte geben können, wird er sterben. Und das nicht nur weil das Portal hier als erstes deaktiviert wird und er die Zerstörung der Station so gezwungenermaßen direkt miterleben wird. Außerdem glaube ich nicht, dass Shepard einfach mit ihnen fliehen wird, wenn er die Chance hat diesen Ort zu zerstören und den Reapern ihres gesammelten Wissens zu berauben.“
Der Unbekannte lächelte nur schwach und beinahe mitleidig, als er Ashleys entsetztes Gesicht sah. Doch Zaeed war distanziert genug, um sofort einen neuen Vorschlag zu unterbreiten.
„Bailey! Besorgen sie Sprengstoff. In den Hangars der Citadel dürfen noch alte Schiffskerne herumstehen, nehmen sie Verbindung mit Major Kirrahe auf und…“
„Das wird nichts bringen“, erklärte Shepard dem Söldner, der nur die Stirn runzelte und Shepard ernst ansah. „Selbst mehrere Atombomben würden wahrscheinlich nicht genügen, um diese Station zu zerstören, geschweige denn sich auf die Reaper auswirken. Dafür ist sie zu groß und zu gut gebaut.“ Zaeed wandte kopfschüttelnd seinen Blick ab und Bailey winkte seine Männer zu sich, während der Unbekannte umständlich und mit einer Hand seine letzte Zigarette aus seiner Schachtel zog und sich abmühte sie anzuzünden. Shepard überwand seinen Ekel vor dem Mann, der ihn mit kalten Berechnungen ins Leben zurück geholt hatte und half ihm sein Feuerzeug zu aktivieren. Mit einem leichten Lächeln und einem tiefen Zug mühte der Unbekannte sich ab, um seine Brust über den Boden zu stemmen. „Ich denke es ist Zeit, dass ich mich von ihnen verabschiede, was Shepard?“
Erst glaubte der Commander, das der Kopf der zerschlagenen Terrorgruppe sich über ihn amüsierte, da er hoffte Bailey würde ihn einfach nur gefangen nehmen und er somit davon kommen konnte. Doch als er sah, auf was der Unbekannte mit einer Hand mühsam hinwies, wusste er, dass er garantiert nicht vorhatte sein Leben in einer Zelle zu verbringen. Shepard griff nach der Pistole, die nur ein kleines Stück außer Reichweite des Unbekannten lag und überprüfte das Magazin. Es war voll. „Kommen sie schon, Shepard. Ich hab ihnen ihre Missionen versaut und bin mitschuldig am Tod von Thane, Miranda, Anderson und so vielen anderen. Ihr eigenes Team auf Akuze ist wegen unseren Experimenten abgeschlachtet worden, erzählen sie mir nicht das sie nicht derjenige sein wollten, der mich zur Strecke bringt.“ Shepard nickte nur stumm und hob die Waffe an, der Unbekannte schloss zufrieden die Augen und die C-Sec-Beamten machten mit ihrer Körpersprache klar, dass sie nichts mit diesem Mann zu tun hatten. Ashley wandte ebenfalls das Gesicht ab, als die Pistole ruckte, ein lautes Krachen ertönte, der Kopf des Unbekannten zurück fiel und das Leuchten der mechanisch blauen Augen für immer erstarb.
Der Schuss hallte noch durch die Halle, als Bailey mit den Achseln zuckte und die Zigarette über den Boden rollte. „Selbstmord“, meinte er fast bedauernd. „Einfach Selbstmord. Niemand legt sich mit Shepard an, es sein denn er will Selbstmord begehen.“
Shepard hielt sich mühsam die Seite, als er schließlich versuchte aufzustehen und Ashley ihm dabei half. „Du wirst das nicht tun“, erklärte sie unvermittelt und komplett ernst. „Ashley…“, versuchte es der Commander mit gedrückter Stimme, „es gibt keine andere Möglichkeit, wir haben bereits alle anderen vertan und diese…“ „Es gibt immer eine andere Möglichkeit!“, zischte sie zornig, doch Shepard sah hinter ihrer Wut die unendliche Angst ihn ein weiteres Mal zu verlieren, und das nach dem sie erst so kurz wieder mit ihm vereint war. „Ich hasse es zu sagen, Ashley, aber es gibt keine andere Möglichkeit“, stellte er mit plötzlichen Tränen in den Augen fest. Zaeed und Bailey verstanden den Wink den Shepard ihnen hinter Ashleys Rücken gab und sie traten vorsichtig auf Ashley zu.
Doch die Allianz-Soldatin sah, wie Shepards Pupillen sich kurz bewegten, als die beiden sie fast erreicht hatten und durchschaute die Falle, die man ihr zu stellen versuchte. Sie wirbelte herum und zog dabei ihre Pistole. „Ausschalten! Sofort!“, fauchte sie Bailey an, er deaktivierte den geladenen Betäubungsschlag an seinem Universalwerkzeug und hob leicht die Hände, Zaeed verschränkte demonstrativ seine Arme, blieb aber ebenfalls stehen. „Machen sie keinen Unsinn, Williams. Mir gefällt der Plan auch nicht, aber er ist der einzige, den wir haben, um unsere traurigen Ärsche aus der Scheiße zu ziehen“, ersuchte der Söldner die aufgebrachte Soldatin zu überzeugen. „Sie wissen nicht, wie das ist oder? Wie es sich anfühlt einen geliebten Menschen zu verlieren, zu trauern und ihn dann wieder zu finden, nur um ihn ein zweites Mal zu verlieren! Nein?“ Ihre Stimme war schneidend und kalt wie Eis, während sie sich widerstrebend einen Schritt von Shepard entfernte, der sich mühsam an einer Konsole abstützte. Zaeed blieb stumm und blickte zu Boden, er war froh dieses Gefühl nicht zu kennen. Aber er wusste, was sie meinte.
„Sie gehen. Ich bleibe hier“, stellte die Soldatin todesernst und ohne Zögern fest. Shepard machte plötzlich einen Schritt auf Ashley zu, um ihr die Pistole aus der Hand zu reißen, doch seine Beine gaben nach, als er von einem plötzlichen Schmerz überrascht wurde. Ashley war sofort bei ihm und fing ihn auf bevor er zu Boden fiel. „Bitte, tu… das nicht…“, hauchte der Commander erschöpft, als Ashley ihm half sich auf den Boden zu setzen. Sie schüttelte nur den Kopf und blinzelte eine einzelne Träne weg. „Ich werde dich nicht noch einmal verlieren. Ich folge dir selbst durch die Tore der Hölle. Wenn wir schon sterben müssen dann können wir es auch gemeinsam tun.“ Shepard schloss die Augen, als sie ihn auf die Wange küsste und akzeptierte sein Schicksal. Es gab keine Möglichkeit sie zur Aufgabe zu überreden, und er hatte das Gefühl, dass er diesen letzten Schritt ohnehin nicht alleine machen konnte.
„Bailey, sammeln sie ihre Männer! Zaeed, sobald ihr durch das Portal zurückkehrt, funken sie Joker an, er solle mit der Normandy den Rat von der Citadel evakuieren, solange es noch möglich ist. Wir werden diesen Teil alleine zu Ende bringen.“ Ashley erteilte den beiden Männern ihre Befehle, während Shepard nichts anderes übrig blieb, als erschöpft am Boden zu kauern. Als der Mako sich wieder in Bewegung setzte, das Portal erneut durchschritt und der C-Sec-Trupp sich sammelte, kniete Bailey sich zu Shepard nach unten und klopfte ihm leicht auf seine unverletzte Schulter. „Scheint so, als ob das in die Kategorie: Legendenstatus und verdammt viele Status fällt, was Shepard?“
Der Commander nickte mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen. „Versprechen sie einfach nur, dass mir niemand Superkräfte und unendliche Weisheit andichtet oder seinen Sohn nach mir benennt.“ Der C-Sec-Commander hob nur entschuldigend die Schultern.
„Sorry, aber ich werde wohl nicht verhindern können, dass man auf sie im Extranet mit diesen uralten Chuck Norris Witzen vergleichen wird.“ Shepard schüttelte vorsichtig lachend Baileys Hand, bevor der Mann zu seinem Trupp zurückkehrte der einen Großteil der nützlichsten Daten der Cerberus-Konsolen kopiert hatte und bereit war das Portal zu durchschreiten. „Mann Shepard, man bezahlt ihnen einfach nicht genug für diesen Job.“ Shepard sah Zaeed fragend an, als dieser sich seufzend neben ihn kniete. „Ich meine, sie sind schon mal für diese Galaxis gestorben und haben sich in jeder Hinsicht den Arsch für sie aufgerissen und dann beißen sie nochmal für sie ins Gras. Und dabei werden sie noch nicht einmal anständig bezahlt.“ „Nun ja, ich nehme mir meist, was ich kriegen kann“, erklärte Shepard mit einem schiefen Grinsen. „Ich sag’s doch, sie sind verdammt nochmal unterbezahlt“, Stellte Zaeed kopfschüttelnd fest. „Aber vielleicht spricht man sie ja heilig…“, scherzte der Söldner und sah kurz zu Ashley auf, „…sie beide. Sie wissen schon, neue Religion und den ganzen Blödsinn.“ Ashley schenkte Zaeed einen kritischen Blick, als er Shepards Hand schüttelte, aufstand und sich dann an sie wandte. „Miss Wiliams“, sagte der Söldner, ohne zu wissen, wie er sich von der Allianz-Soldatin verabschieden sollte, die er doch kaum kannte. „Zaeed Massani.“ Sie gab ihm eine ähnlich kurze Antwort, bevor sie sich dazu durchrang ihre letzte Gelegenheit zu ergreifen. „Sagen sie meinen Schwestern, dass ich sie liebe, und meiner Mutter, dass es mir Leid tut“, bat sie mit einem Blinzeln. „Und grüßen sie uns die Crew der Normandy“, setzte Shepard schwach hinzu. Zaeed nickte Ashley und dem Commander steif zu, bevor er sich wiederstrebend zu dem Portal zurückzog. Nur einige Momente später verschwanden die winkenden Gestalten von Bailey und Zaeed zusammen mit ihrem Trupp und den beiden gefangenen Cerberus-Soldaten.
Shepard übertrug wortlos die Daten, die der Unbekannte ihm gegeben hatte auf Ashleys Universalwerkzeug, als sie sich neben ihn setzte. Sie nickte kurz, als sie sich alles durch gelesen hatte, stand wieder auf, half Shepard auf die Füße und führte ihn zu einer der Konsolen, die nahe der Mitte des Raums lag, und damit auch in der Nähe des Strahls. Sie half ihm sich neben eine Konsole zu setzen und übertrug das veränderte Programm auf dieselbe. Als sich ihr Universalwerkzeug mit der Konsole synchronisiert hatte, setzte sie sich wieder neben Shepard und überprüfte von dort aus den Fortschritt des Programms.
„Wir haben noch ein paar Minuten Zeit, bevor das Programm und die Daten des Unbekannten soweit sind“, bemerkte sie als Shepard sein Universalwerkzeug mit ihrem synchronisierte. Für eine Weile saßen sie nur nebeneinander, hinter sich den leuchtenden Strahl und vor sich die geöffnete Wand, die den Blick auf das Megakonstrukt der Reaper und der Dunkelheit des Alls freigab. „Irgendwo in dieser Dunkelheit liegt unsere Galaxis, eine von vielen“, sagte Shepard melancholisch, während er das Gerät des Unbekannten in seinen Händen drehte. Ashley küsste ihn auf die Wange und legte ihren Kopf auf seine Schulter in dem Versuch die Anspannung abzuschütteln. „Es mag nur eine von vielen sein, aber sie ist unser und jedes Opfer wert. Zumindest fast jedes.“
Der Commander nickte und ließ seinen Kopf an ihren sinken. „Ich wünschte ich hätte mehr Zeit mit dir verbringen können“, sagte Shepard und Kummer schwang in seiner Stimme mit. „Ich wünschte ich hätte dir sofort vertraut, als du auf Horizon plötzlich vor mir standst. Und dass ich niemals die Waffe auf dich gerichtet hätte“, bekannte sie leise. Er lächelte nur über ihre Sorgen. „Du hast nur getan, was du für richtig gehalten hast, ich hätte wahrscheinlich ähnlich gehandelt. Und ich glaube nicht, dass du geschossen hättest.“ Eine kurze Pause entstand in der beide einfach nur die Stille genossen, die nur vom Summen des Strahls hinter ihnen unterbrochen wurde. „Danke. Aber ich glaube ich hätte geschossen… und meilenweit dein Knie verfehlt.“ „Sagt die Soldatin, die mir auf hundert Meter Entfernung zwischen die Augen schießen könnte.“ Ashley griff nach Shepards Hand und umklammerte sie ungeachtet des Bluts das an ihr klebte. „Dieser Ort ist ungezählte Lichtjahre von der Erde entfernt“, bemerkte Shepard, als er ihren Händedruck erwiderte. „Ist es ist nicht egal, wo wir sind?“, fragte Ashley scheinbar nachdenklich. Sie ergänzte nicht das Offensichtliche; also tat Shepard es für sie. „Solange wir zusammen sind.“
Eine Weile lang taten sie nichts anderes als sich aneinander zu schmiegen und sich gegenseitig Trost und Wärme zu spenden, während sie die Dunkelheit des Alls beobachteten.
„Was würdest du tun?“, fragte Shepard schließlich langsam und zögernd, „Wenn wir das hier überstehen würden?“
Ashley überlegte einen Moment, während sie gedankenverloren einen Blick auf das gigantische, blau leuchtende Massenportal in der Mitte des Megakonstrukts warf, das den Tiegel hierher gebracht hatte. „Was ich tun würde? Ich weiß es nicht… käme auf dich an“, er lächelte, als sie lächelte und nahm ihre kurze Freude in sich auf. „Dann wohl: Was würden wir tun?“, fragte er leise in den verlassenen, kalten Raum. Sie nickte nur und schmiegte sich weiter an ihn, um seine Nähe zu spüren.
„Wir könnten ein Haus bauen, ein hübsches kleines Haus mit Garten, in dem wir unsere Kinder großziehen könnten. Weit ab vom den Intrigen und Machtspielen der Galaxis auf einem schönen Planeten, der…“ „Und Onkel Garrus besucht die Kinder wann immer er Zeit hat“, schmunzelte Ashley, als sie Shepard unterbrach. „Meinst du man würde uns einfach gehen lassen? Die ersten beiden Spectre der Menschheit, in die man doch so viele Hoffnungen gesetzt hatte? Und würdest du ohne die Normandy auskommen, ohne eine Mission? Könnte ich das?“
Shepard machte eine verneinende Handbewegung, um seinen Kopf nicht zu bewegen. „Die Galaxie hat mehr als genug Helden, die ihre Herausforderung suchen, wir beide haben genug für sie getan, als das wir uns weiter den Kopf über ihre Probleme zerbrechen müssten. Oder willst du, dass wir die Normandy behalten und uns zusammen zu den Rächern der Enterbten und Waisen erklären?“
„John Shepard und Ashley Williams, Spectres im Doppelpack”, Ashley konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Wenn dann noch Liara als unsere Informantin an Bord kommt und Garrus und Tali auf unsere Kinder aufpassen, sollte doch nichts schiefgehen“, bemerkte sie fast schon lachend.
Als wieder einige Momente stumm vergangen waren und das Programm auf der Konsole zur Hälfte durchgeführt war, brach Ashley wieder das Schweigen. „Nun… da du das Erlebnis ja schon einmal aus erster Hand erfahren durftest…“ Shepard merkte, wie sie sich vorsichtig an das Thema herantastete, als sie eine weitere Dosis Medigel aktivierte, um seine wiederkehrenden Schmerzen zu bändigen.
„Sag, was du sagen willst, Ash, ein später werden wir nur haben wenn es wirklich einen Himmel gibt.“
Sie schloss kurz die Augen, bevor sie fortfuhr und atmete tief durch. „Wie war dein Tod?“ Stille kehrte in die leere Kammer und wurde nur von dem Knistern des Strahls und dem Summen des kleinen Massenportals unterbrochen. „Tut mir leid, ich meine…“
Shepard drückte sanft ihre Schulter, als sie sich versteifte und versuchte sich zu rechtfertigen.
„Keine Sorge, ich nehme dir nichts übel, ich brauchte nur einen Moment zum Nachdenken. Du bist die erste, die mir diese Frage stellt.“ Ashley blinzelte etwas überrascht und entspannte sich wieder.
„Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht an viel erinnern. Ich weiß noch wie mir die Luft ausging und ich anfing zu ersticken, als ich aus der Normandy geschleudert wurde. Doch danach ist dort nichts mehr. Kein helles Licht wenn du das meinst, das einzige Licht war das des Cerebrus-Labors, in dem ich schließlich wieder aufwachte.“ Sie seufzte, als Shepard leicht den Kopf wandte, um ihr direkt in die Augen sehen zu können. „Und ich dachte ich könnte die Info-Quelle für das Jenseits anzapfen. Schade.“ Sie zog einen so sehr gespielten Schmollmund das er fast lachen musste. „Aber vielleicht hast du nur nichts gesehen, weil du nur auf deine Wiederkehr gewartet hast“, scherzte Ashley.
Shepard brummte nur ein leichtes „Hmm“, während das Programm auf seinem Universalwerkzeug eine Bereitschafft von 80% anzeigte und er langsam wieder nach dem Gerät des Unbekannten an seiner Seite griff.
„Eine Katze.“ Shepards Hand stoppte, bevor sie das Gerät erreichte, als Ashley fortfuhr. „Ich glaube ich würde mir eine Katze nehmen, wenn ich das hier überstehen würde.“ „Eine Katze?“, fragte Shepard interessiert. „Meine Schwester, Abby, hat gemeint ich sollte mir eine zulegen, nachdem du…“, sie stockte kurz und Shepard fuhr sanft durch ihr ramponiertes Haar. „Nach der Zerstörung der Normandy und deinem Tod wollte sie mich unbedingt überreden, eine dieser niedlichen kleinen Kätzchen aus dem Tierheim zu holen.“ Sie legte erneut eine Pause ein, sie brauchte ihm nicht zu erzählen, dass ihre Schwester ihr aus Sorge zu einem Haustier geraten hatte. „Damals war das einfach unmöglich, ich hatte viel zu viel Arbeit, die ich erledigen wollte. Doch jetzt? Wenn all das vorbei wäre?“
Shepard sah wie sie eine Träne wegblinzelte und schloss ebenfalls die Augen, als sie ihn plötzlich umarmte. Er erwiderte die sanfte Umarmung und drückte seine Stirn an ihre, als sie sich gegenseitig in den Armen hielten. Sie konnte seine Anspannung spüren und küsste ihn sanft und leicht, eine halbe Ewigkeit schien zu vergehen, als sie sich umklammert hielten und stumm aneinander schmiegten, sie nahmen den Duft und die Wärme des anderen in sich auf, während das Programm des Unbekannten unbarmherzig volle Bereitschafft erreichte. Ashley fuhr leicht erschrocken zurück, als ihr Universalwerkzeug lautstark Warnungen ausstieß. Sie schaltete den Alarm ab und überprüfte widerwillig die Daten des Unbekannten, während Shepard sich die weitere Anleitung des Unbekannten durchlas. Shepard schaltete sein Universalwerkzeug auf Standby, nahm das rohrartige Gerät fest in beide Hände, aktivierte es und drückte es an seine linke Seite.
Als er glaubte das Ziehen zu spüren von dem der Unbekannte gesprochen hatte, versuchte er mit dem Gerät so nahe wie möglich an selbiges heran zu kommen und aktivierte den zweiten Mechanismus, bevor er sich anders entscheiden konnte. Das Gerät summte und ein weiterer stechender Schmerz gesellte sich zu Shepards geschundenem Körper als die Nano-Bots sich in seine Seite bohrten und den winzigen Reaper-Kern mit Gewalt aus seiner Seite zogen. Ahsley blieb nichts anderes übrig als Shepards Schmerzen wortlos zu ertragen, als er ihr das nun mit einem Reaper-Kern ausgestattet Gerät reichte. Sie nickte nur als er den letzten Rest seiner Schmerzmittel aktivierte und sich zu Boden kauerte, während sie das Gerät mit den vorbereiteten Daten aus der Konsole fütterte.
Innerhalb weniger Sekunden war das Gerät konfiguriert und funktionsfähig, keinen Moment später eilte Ashley auf den Strahl zu und warf es mitsamt dem manipulierten Reaper-Kern in seinem Inneren hinein.
Shepard keuchte bereits, als sie zu ihm zurückkehrte und versuchte seine Wunde zu versorgen. Wie der Unbekannte vorausgesagt hatte, erlosch das Miniatur-Massenportal im Raum als erstes und sie hatten Glück, dass die kinetische Barriere die sie vor dem All schützte noch standhielt und ihren Tod verzögerte, während das Gerät des Unbekannten seine Arbeit aufnahm. Die veränderten Daten des Reaper-Kerns flossen in die unzähligen Schnittstellen die dem Tiegel so ähnlich waren und führten zur Überladung ihrer Kerne. Die Energie, die das Megakonstrukt ansonsten bewältigte war erstaunlich, doch auch sie konnte der gewaltigen Energie der plötzlich überladenden Schnittstellen nicht standhalten. Weiter draußen in den unsichtbaren Tiefen des Alls zerbarsten die ersten Streben des Konstrukts in scheinbar kleinen Explosionen, als die Zerstörung sich von außen nach innen fraß.
Ashley hielt einen zitternden und wankenden Commander Shepard in den Armen, als sie vergeblich versuchte ihm zu helfen.
„Du erinnerst dich…“, stammelte sie, als sie bemerkte wie sinnlos ihre Versuche waren und stattdessen eine weitere Dosis ihres Medigels aktivierte, um ihm wenigstens den Schmerz zu nehmen. „Du erinnerst dich an unsere letzte Nacht vor Ilos? An… an mein Versprechen?“
Shepard hustete und versuchte gleichzeitig zu Lächeln, als er ihr besorgtes Gesicht sah. Die Explosionen kamen näher zum Kern der Station, als die Heimat der Reaper von innen heraus zerstört wurde und Shepard nickte. „Ich wollte dir etwas Wichtiges sagen bevor…“ ihre Stimme versagte und in der Ferne zierten lautlose Explosionen das All als Shepard sie keuchend unterbrach. „Aber hast du das nicht schon?“, fragte er leise, worauf hin ihn Ashley mit Tränen in den Augen umarmte.
Sie hielten sich noch eine Weile in den Armen und Shepard begann leise vor sich hin zu summen bis Ashley den simplen Gesang mit aufnahm. Unter zerstörerischen Explosionen und Lichtjahre von seiner Heimat entfernt, löste Shepard nach einer gefühlten Ewigkeit unwillentlich die Umarmung, während Ashley ihn weiterhin summend umklammerte und wie im Schock erst einige Momente später bemerkte, dass Shepards melodisches Summen fehlte.
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Leutnant Commander Snipes setzte die Geschwindigkeit seines stark angeschlagenen Jägers etwas weiter herab, um den Kern seiner Maschine zu entlasten, die sich dicht neben dem salarianischen Kreuzer hielt. Seine Alpha-Staffel sollte die Nebtuu verteidigen, der Kreuzer hatte in der Schlacht schwere Schäden erlitten und war nur noch für einen Kampf auf großer Distanz zu gebrauchen. Bis der Kreuzer diese Distanz erreicht hatte, würde Snipes Staffel für seine Sicherheit sorgen, und das obwohl die Alpha-Staffel selbst nur noch flog, weil noch keiner der drei verbliebenen Piloten in seinem Jäger geniest hatte.
Ihre Anzahl war wieder weit gesunken, als sie mit zwei anderen Staffeln das Hauptgeschütz eines großen Reapers angegriffen hatten, um die Streitkräfte zu entlasten und die Enteraktion mehrerer Kroganischer Transporter zu decken. Der Angriff war trotz hoher Verluste ein voller Erfolg gewesen und die Kroganer hatten es geschafft ihre Atombomben an Bord zu bringen und sie tief im Inneren hoch zu jagen, sodass aus dem Reaper ein einfaches Ziel für die Flotte wurde. Von den eingesetzten Jägern hatten nur sehr wenige überlebt und die Transporter waren bis auf einen alle komplett vernichtet worden. Zwei Jäger seiner eigenen Staffel wurden Snipes auf seinen Anzeigen in Gelb als MIA angezeigt und hatten mit etwas Glück vielleicht den Angriff überlebt und Snipes angeschlagene Sensoren nahmen sie nur nicht wahr. Der Turianer und Zero flogen, wie auch er, dicht neben der Nebtuu; die restlichen vier Jäger der Staffel waren hingegen bei dem Angriff auf den Reaper abgeschossen worden. Snipes blinzelte frustriert, als weiter Schweißperlen über seine Wange liefen, die er sich wegen des Helms nicht wegwischen konnte. Die Schlacht zehrte sie alle aus, ihren Körper, ihren Geist, und auch ihre Schiffe.
Snipes wunderte sich, dass sein Jäger überhaupt noch flog, und noch mehr wie Zero es schaffte komplett ohne Sensoren zu fliegen. Snipes eigener Radar war nur noch auf kurze Entfernung zu gebrauchen, aber wenigstens musste er nicht nach Augenmaß fliegen, so wie Zero es tat. Der einzige Hoffnungsschimmer war, dass Admiral Hackett durch die Opferung der SSV Everest und seines Lebens einen der großen Reaper erledigt hatte – der irgend so eine Art Anführer für den Feind gewesen sein sollte – und den Flotten wenigstens wieder etwas Kontrolle über die Lage gegeben hatte. In der kurzen Zeit die dieser Reaper aktiv gewesen war, hatte er seine Kollegen tödlich gut koordiniert und harte Schläge gegen die Flotte geführt, wobei die Reaper selbst so gut wie keine Verluste erlitten hatten. Nun war eigentlich fast alles wieder wie zuvor, die Reaper traten ihnen immer noch in den Arsch, aber manchmal holten ein paar von ihnen zu viel Schwung und die Flotte konnte die übermütigen isolieren und vernichten. Trotz ihrer kleinen Erfolge und der an den Trümmern inzwischen sichtbaren Dezimierung der Reaperflotte konnten sie jedoch wie erwartet keinen Sieg erringen.
Und selbst Hacketts Opfer hatte seine Schattenseiten, die Reaper mochten sich nicht mehr so stark koordinieren wie zuvor, aber ihre Angriffe wurden mit dem Tod ihres Anführers immer unberechenbarer und wütender. So überraschte es Snipes nicht sehr, dass sein turinaischer Kollege einen weiteren Drohnenangriff ankündigte. Die verbliebenen Geschütze der Nebtuu drehten sich in eine günstige Position, als ihr Begleitschutz abdrehte und der neuen Bedrohung entgegen raste.
Verschiedene Warnsignale blinkten auf Snipes Armaturen auf, als er direkt auf die vier feindlichen Drohnen zuhielt. „Waffen bereit machen, so schnell wie möglich zum Feind aufschließen, alle verbliebenen Raketen abfeuern, sobald die optimale Reichweite erreicht wurde.“
„Negativ“, teilte Zero auf Snipes Befehl hin über Funk mit. „Ich muss leider mitteilen: der Raketenvorrat des Piloten Zero liegt bei… Zero.“ Snipes konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, während der turinische Pilot nur ein konzentriertes Knurren von sich gab. Der Turianer verstand nicht wie Zero in dieser ernsten Lage immer noch schlechte Witze von sich geben konnte, für Snipes hingegen war sein Flügelmann eine kleine Spur der Hoffnung. Wenigstens einer von ihnen glaubte, dass man nach dieser Schlacht noch Witze über sie machen konnte. Snipes schaltete mit einem raschen Knopfdruck den Großteil der Warnlampen ab und schaltete auch seine kaum noch zu gebrauchende VI ab, die ihm das Zielen erleichtern sollte, nur einige Momente später zuckten der geschrumpften Alpha-Staffel vier rote Strahlen entgegen. Beinahe gleichzeitig aktivierten die Piloten ihre Nachbrenner und flogen weiterhin direkt auf die Drohnen zu. Auf Höchstgeschwindigkeit vollzog Snipes Jäger mehrere knappe Drehungen, um den Fokus eines Strahls herum und schaffte es so der ersten Salve auszuweichen. Die zweite Salve war schwieriger vorauszusehen, doch die Jäger schafften es erneut den Strahlen auszuweichen, lediglich der Turianer wurde von einem Strahl gestreift, da zwei Drohnen ihn gelichzeitig bedrängten.
Als Antwort feuerte der Turianer als einziger eine Salve Raketen ab. Die anvisierte Drohne schien den Angriff nicht erwartet zu haben, denn sie kam nicht einmal dazu Gegenmaßnahmen einzuleiten und wurde mit einem direkten Treffer in ihre Feuerkammer zerfetzt. Gleichzeitig schoss Snipes knapp seitlich an seinem Gegner und seinem Strahl vorbei, als er seinen Jäger abrupt abbremste, um sich zu seinem Feind umzuwenden, sein Jäger protestierte gegen die rasche Wendung, als Funken aus den Armaturen schlugen und die Maschine ungewöhnlich vibrierte. Zero war unterdessen das Risiko eingegangen seine Geschwindigkeit zu verringern, als er noch im Visier seines Gegners war, und schoss ihm eine geladene Salve in den Rachen gerade als dessen Waffe sich wiederauflud. Die Drohne überstand die Rückkopplung des Angriffs nicht. Es dauerte nur wenige Minuten bis die Alpha-Staffel ihre letzten beiden Kontrahenten mit gekonnten Manövern ausgeschaltete hatte und sich durch Trümmerteile wieder auf den Rückweg zur Nebtuu machte.
Sie waren am Rand der Schlacht und der Erde sehr nahe, man konnte ihre verehrte Oberfläche fast ohne Wrackteile im Blickfeld in Augenschein nehmen. „Das ist der Planet für den wir kämpfen?“, fragte der Turianer als er einen Blick aus seinem Cockpit warf. „Es scheint ihn noch schwerer getroffen zu haben als Palavan. Er wird wie meine Heimat nie mehr derselbe sein wie zuvor.“
Für eine kurze Zeit herrschte Stille im Komm-Kanal der Alpha-Staffel, als Zero und Snipes ebenfalls einen Blick aus ihrem Cockpit warfen und sich an ihre einst so wunderbare Heimat erinnerten. Snipes bedauerte es, dass er mit seiner Frau nie eine Weltreise unternommen hatte wie sie es schon so oft vorgehabt hatten, der Dienst beim Militär hatte ihn stets davon abgehalten.
Und nun war es zu spät, aus dem Orbit sah es fast so aus als hätten die Reaper alles Grün auf dem blauen Planeten in Asche verwandelt. Es würde Generationen dauern bis der Planet wieder besiedelbar sein würde. Falls er je wieder ihnen gehören würde. „Auch wenn wir rein technisch gesehen nicht um die Erde kämpfen…“, unterbrach Zero unsicher die Stille des Komm-Kanals. „…sondern vor allem gegen die Reaper in ihrem Orbit, hat sich der Kampf bereits gelohnt, wenn nur noch ein armer Teufel dort unten lebt, den wir retten können.“
„Vergessen sie es, Mensch“, meinte der Turianer beinahe tröstend. „Es wird nicht mehr viele geben, die sie retten können, selbst wenn wir diese Schlacht durch irgendeinen Glücksfall gewinnen können.“ „Unsere Leute waren schon immer sehr einfallsreich, und in meiner Heimatstadt gab es außerdem die tiefste Met…“
„An jede einzelne Einheiten der Flotte!“, die harsche Stimme eines fremden Turianers unterbrach die Unterhaltung der Staffel, die bereits wieder zur Nebtuu aufgeholt hatte. „Das ist Primarch Victus!“, rief der turianische Pilot, was Snipes sofort dazu veranlasste seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Komm-Kanal des neuen Flottenkommandanten zu richten. „Danken sie ihren Göttern! Die Reaper sind geschwächt und verwundbar. Jedes einzelne Schiff, jeder Transporter, jeder Jäger, jedes Boot, alles was Zähne hat, soll sofort Angriffskurs auf die feindlichen Linien nehmen. Dies ist ein Befehl höchster Priorität!“ Snipes wendete seinen Jäger so dass er direkten Sichtkontakt zur Front hatte, seine Skepsis wandelte sich endgültig in Erstaunen als er es mit eigenen Augen sehen konnte.
Die gesamte Reaper-Flotte schien wie leblos im All zu hängen, nur vereinzelt schossen noch rote Strahlen durch das Vakuum des Alls, während die Geschosse der vereinten Flotten die Reaper wie Früchte zu zerpflücken schienen. Die Zerstörung des unvorstellbar weit entfernten Megakonstrukts hatte den Reapern schwer zugesetzt, mit einem Schlag waren sie ihres gesammelten Wissens beraubt worden. Und die Verbindung die sie immer mit ihrer Heimat aufrecht gehalten hatten raubte ihnen nicht nur dieses Wissen, sondern sendete durch den korrumpierten Reaper-Kern aus Shepards Körper ein vernichtendes Signal. Die Kerne einzelner Reaper überlasteten auf den erzwungenen Befehl hin vollständig und explodierten in deren Innerem, was sie in vielen Fällen komplett zerriss, sodass sie in gewaltigen Explosionen einfach aufhörten zu existieren. Der Großteil der restlichen Reaper schaffte es die einkommenden Signale so abzuschwächen, dass ihre Hüllen intakt blieben, doch sie erlebten ein ähnliches Schicksal wie die Sovereign bei der Schlacht um die Citadel, sie waren nicht in der Lage alle Signale zu kontrollieren.
Sie verloren allesamt ihre Schilde und ein Großteil ihrer gewaltigen Systeme wurde inaktiv, um eine Überlastung oder Zerstörung zu verhindern, sodass gewaltige Teile der Reaper inaktiv im All schwebten und nur langsam versuchen konnten ihre Systeme und ihren Körper wieder zu aktivieren, während sie gelichzeitig mit den immer noch eindringenden Signalen kämpften, die ihre sterbende Heimat ausstrahlte. Nur ein kleiner Rest der Reaper hatte es geschafft rechtzeitig seine Verbindung zu dem Megakonstrukt zu kappen und die Signale abzuwürgen, doch auch sie hatten durch diese ihre Schilde und vor allem ihren Zusammenhalt verloren.
„Die Schilde der Reaper sind unten!“, meldete einer der salariansichen Komm-Offiziere der Nebtuu auf einem offenen Kanal. „Nicht nur das. Unsere Sensoren melden sogar das fast 90% der Reaper inaktiv sind, der Rest scheint ebenfalls Probleme zu haben mit Navigation, Schilden, Anvisierung…“
Snipes lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Stimme des turianischen Primarchen, als dieser erneut zu der gesamten Flotte sprach. „Eine Infiltrationseinheit unter Commander Shepard hat es trotz hoher Verluste geschafft die Heimat der Reaper erfolgreich aufzuspüren und zu sabotieren. Ihre Schilde sind unten, ihr Zusammenhalt geschwächt, dies ist unser Moment!“
Snipes war Zeuge wie ein gewaltiger Reaper nicht weit von ihnen entfernt in einem letzten Aufbäumen zusammen mit einem kleineren Zerstörer ihre vorrückende Frontlinie durchbrach und aus allen Rohren feuerte. Einige seiner Strahlen verfehlten ihre Ziele, doch Snipes konnte sehen das die grimmig kämpfenden Kreuzer ihm gewaltigen Schaden zufügten, ohne dass seine Schilde ihn schützen konnten. „Wir sind so weit gekommen…“, rauschte die Stimme des Primarchen durch die den Komm-Kanal, während viele weitere Kanäle aufgeregt Nachrichten hin und her schickten,
„…doch unsere Feinde geben nicht auf, wir werden dies ebenso wenig tun! Formieren und angreifen so lange sie verwundbar sind! Diese Schlacht ist noch lange nicht vorbei!“
Snipes schaltete den Großteil der Komm-Kanäle ab, als dem Aufruf des Primarchen unaufhörlich Jubel und Bestätigungen folgten, während die Flotte unerbittlich vorrückte. Sein Rücken kribbelte ungewöhnlich und seine Hände zitterten als sich die stundenlange Anspannung ein klein wenig löste, erst als Zeros Stimme durch den Komm hallte, bemerkte er das seine Augen gefährlich feucht waren.
Er blinzelte mehrmals und schüttelte den Kopf bevor er zu einer Antwort ansetzte. „Wir bringen die Nebtuu zu den angegebenen Koordinaten, dann finden wir so schnell wie möglich ein Trägerschiff, das noch fliegt und uns mit neuen Jägern und Raketen versorgen kann. Ich will diesen Bastarden mit dem besten in den Arsch treten, was wir haben.“
„Yeah! Endlich gibt’s mal für uns ne‘ Möglichkeit ein paar Ärsche zu treten. Obwohl, ihr werdet Probleme haben mich sofort wieder von dem Träger…“ „Ich möchte lieber ein paar Köpfe abreißen als in Ärsche treten“, warf der Turianer ein, als sie sich mit der Nebtuu im Schlepptau der Bastion, einem Kreuzer der Turianer näherten. „Das Problem ist aber dass die Dinger keine Köpfe haben“, nemerkte Zero schnippisch. „So?“, fragte der Turianer kaum beeindruckt, „sie haben auch keine Ärsche, also…“ Snipes schaltete sich ein, als er eine direkte Warnung von den Navigatoren der Nebtuu erhielt. „Okay, sie haben weder Arsch, noch Kopf noch Hirn, sie sind einfach hässlich. Punkt. Und jetzt macht eure Waffen feuerbereit, wir kriegen Gesellschaft.“
Zero verkniff sich eine Antwort, als er seinen Jäger in die Position drehte, die auch seine Kameraden einnahmen, an der Frontlinie war der große Reaper schließlich mit einigen Verlusten zerstört worden, doch der kleine Zerstörer in seinem Schlepptau hatte die Blockade mit schweren Schäden durchbrochen und raste nun direkt auf sie zu. „Ach Scheiße!“, fluchte Zero nur als er neun Drohnen sah, die zusammen mit dem Feindschiff auf sie zuhielten. Die Nebtuu stoppte ihren Rückzug und drehte sich schwerfällig und langsam, um die eigene Achse, um ihren Beschützern Feuerschutz geben zu können, und schon waren die Drohnen heran. Sie kamen vor dem Zerstörer an und versuchten die Alpha-Staffel auszuschalten, doch die hatte nicht umsonst so lange diese Schlacht überlebt und flog etliche Ausweichmanöver, um dann das Feuer auf die unkoordinierten und schlecht zielenden Drohnen zu erwidern.
Trotz ihres Vorteils waren die Piloten froh, als die Bordgeschütze der Nebtuu sie unterstützten und die Drohnen ebenfalls bedrängten und so ihre zahlenmäßige Überlegenheit reduziert wurde. Geschoss eund Raketen zerlegten zwei Drohnen in ihre Bestandteile, doch als eine weitere Drohne von Zero in ihre Einzelteile zerlegt wurde, war der Zerstörer selbst bereits nahe heran und eröffnete das Feuer auf die Bastion. Er verfehlte mit seinem ersten Schlag den turianischen Kreuzer, der ebenfalls das Feuer erwiderte, doch trotz der Thanix-Kanone im Bug konnte er den Zerstörer nicht aufhalten. Die Frontpanzerung des Schiffes wurde stark in Mitleidenschaft gezogen doch bereits der nachfolgende Strahl traf die Bastion direkt.
Die seitlichen Bordgeschütze der Turianer eröffneten das Feuer als der Zerstörer an dem Schiff vorbeizog und auf die Nebtuu zuhielt, aber ein weiterer Strahl traf das bereits verwundete Schiff und spaltete es komplett in zwei Teile, ohne dass eine Explosion das Schiff erschütterte. Snipes konnte mehrere kleine Gestalten sehen die aus dem Inneren des Schiffes in das Dunkel des Alls gesogen wurden und hoffte, dass wenigstens der Rest der Crew die Schotten rechtzeitig geschlossen hatte und die Rettungskapseln erreichen konnte. „Also dann mal los“, knurrte er, als der Reaper seinen ersten ungezielten Strahl auf die Nebtuu abfeuerte, er löste sich von der Drohne, die er verfolgte und schoss mit aktivierten Nachbrennern direkt auf den Zerstörer zu, während Zero und der Turianer sich um die letzten verbliebenen Jäger kümmerten.
Er musste irgendeinen Weg finden, um den Reaper daran zu hindern seine Feuerkammer zu schließen oder weiter auf die Nebtuu zu zielen. Ein Schuss aus der Thanix-Kanone der Nebtuu traf den Reaper und brachte ihn zum schwanken, seine direkte Antwort traf den Kreuzer seitlich und riss ein Leck in seine Seite, doch der bereits angeschlagene Kreuzer blieb standhaft. Dann war Snipes nur noch einige hundert Meter von dem Zerstörer entfernt, seine Massenbeschleuniger eröffneten das Feuer und trafen das rote Auge in dessen Mitte. Der Reaper schloss ohne Probleme seine Panzerung und schien Snipes aufmüpfigem Jäger anzuvisieren, als er leicht seine Geschwindigkeit verringerte. „Verschwinden sie von da Pilot! Wir feuern!“, rief die Stimme des angespannten Kapitäns der Nebtuu. „Feuern Sie auf mein Kommando!“, brüllte Snipes mit der besten Befehlshaber-Stimme, die er aufbringen konnte, als er in einem Kraftakt seinen Jäger wendete und gleichzeitig seine Sensoren anwies ein komplettes Bild von der Schnauze des Reapers auf sein HUD zu legen.
Die gewaltigen Panzerplatten erzitterten als erstes Zeichen, dass der Reaper feuern würde und Snipes aktivierte seine Nachbrenner, um ihm zu entkommen. „Jetzt!“, rief er, als sich im selben Moment die Panzerplatten hoben und der Reaper mit seinem roten Auge das Feuer auf Snipes eröffnete. Die ersten kurzen Salven verfehlten ihn, doch kurz bevor der bläuliche Strahl der Nebtuu das Auge traf, streifte einer der roten Strahlen seinen Jäger und schleuderte ihn herum. Snipes hörte, wie Zero seinen Namen in den Funk schrie und versuchte seinen Jäger wieder unter Kontrolle zu bringen. Das Innere seines Cockpits leuchtete vor neuen Alarmsignalen wie ein Weihnachtsbaum, als Snipes seinen Jäger unkontrolliert herum schwang.
Im selben Moment explodierte hinter ihm der Reaper-Zerstörer mit einem weiteren Schuss in seine weit geöffnete Feuerkammer. Snipes Jäger war knapp außerhalb des Explosionsradius, doch Zero hatte wie immer einmal mehr Recht behalten. Das Schicksal war ein verdammter Bastard.
Eines der Trümmerteile traf vollkommen unerwartet seinen Jäger und riss ihn herum. Der Aufprall war so stark, dass das Cockpit eingedellt wurde und Snipes Teile um die Ohren flogen. Eines davon bohrte sich in seine Seite und ein anders traf ihn am Kopf. Ohnmacht überkam ihn während das beschädigte Triebwerk ohne sein zu tun die Geschwindigkeit erhöhte und den Jäger unkontrolliert davonrasen ließ. Snipes hörte Zeros panische Rufe über Funk gar nicht, als der Jäger unaufhaltsam auf die Erde zusteuerte, um den Piloten nach Hause zu bringen. Doch sein Jäger war nicht dafür gebaut einen Wiedereintritt in die Atmosphäre zu überstehen, schon gar nicht mit einem ohnmächtigen Piloten.
Das Schicksal war ein gottverdammt hässlicher Bastard.
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