Fanfiction - Ein alternatives Ende für Mass Effect 3 (8)

Datum: 14.11.2012
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Tod und Trauer


Ashley Williams schenkte den näherkommenden Explosionen, die langsam, stumm, aber sicher auf den Kern der Station zu krochen überhaupt keine Beachtung. Mechanisch presste sie beide Hände auf Shepards Brustkorb und begann damit erneut ihn zu reanimieren, um sein Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Sie ignorierte das gewaltige Feuerwerk, das sich in der Dunkelheit des Alls immer weiter auf sie zu bewegte und dachte gar nicht daran, dass die kinetischen Barrieren des Raums jederzeit ausfallen und sie dem tödlichen All aufliefern könnten. Ein weiteres Mal tastete sie mit halb tauben Fingern nach Shepards Puls, spürte nichts, und begann mit der Mund zu Mund Beatmung. Sie wusste bereits nicht mehr wie lange sie schon versuchte John wiederzubeleben, und auch nicht ob ihre verzweifelten Versuche irgendeinen Sinn hatten. Aber es war das einzige, was sie davon abhielt nach ihrer Pistole zu greifen und dem grausam kalten Griff des Alls zu entgehen, der sie erwartete, und auch das einzige, was sie davon abhielt zu akzeptieren, dass sie die Liebe ihres Lebens zum zweiten Mal verloren hatte.

Sie war so auf ihre verzweifelten Bemühungen konzentriert, dass sie das Leuchten des hellblauen Portals in der Mitte des gewaltigen Konstrukts gar nicht bemerkte, sie hörte nichts und sah nichts anderes als Shepards leblosen Körper, den sie wiederbeleben musste. Sie hatte eine Aufgabe, etwas das sie tun konnte, auch wenn es noch so aussichtslos war. Sie würde ihn nicht aufgeben. Sie weinte nicht und zögerte nicht, apathisch wiederholte sie ihre Bewegungen ohne einen Gedanken auf ihren bevorstehenden Tod zu verschwenden. So sah sie nicht, wie das gewaltige Massenportal, durch das zuvor der Tiegel die Station erreicht hatte, die SSV Normandy ins leere All katapultierte. Ashley sah nur einen kurzen Lichtblitz im Augenwinkel, doch bereits mehr als genug davon wurden von den unzähligen Explosionen ausgelöst, die das Megakonstrukt immer mehr auseinanderrissen. Doch es dauerte nur einige weitere Momente bis EDI den halb geöffneten Raum sowie ein Lebenszeichen ausgemacht hatte und zwei bereit stehende Shuttles aus dem Hangar starteten.

Ashley zögerte, als sie das dumpfe, scheinbar weit entfernte Dröhnen der Triebwerke im Raum hörte, und sah auf, als die Shuttles landeten, nur kurz darauf fuhr sie mechanisch damit fort Shepard zu reanimieren. Die beiden Shuttles schwebten dicht über dem Boden, um sofort wieder starten zu können, als Shepards Crew ausstieg; Doktor Chakwas und EDI eilten sofort auf Ashley und den leblosen Körper des Commanders zu. Die Allianz-Soldatin wehrte sich nicht, als Jack und Samara sie vorsichtig von Shepard wegzogen, sie hörte auch nicht die Stimmen, die sie riefen als Vega und Jacob den bleichen Commander auf eine Trage hoben. Ashleys Herz schlug schneller als Chakwas nach Shepards Puls tastete und energisch befahl ihn zurück zum Shuttle zu bringen, sie folgte ihnen. Auch die Crew des zweiten Shuttles kehrte zu selbigem zurück, doch nicht ohne vorher von den Cerberus-Konsolen so viele Daten und Speichersysteme wie möglich zu retten, Grunt hielt sich nicht lange mit den Feinheiten auf und riss eine Konsole einfach aus ihrer Verankerung.

Momente später hoben die beiden Shuttles ab und flogen eiligst auf den Hangar der Normandy zu.
Ashley nahm Liaras tröstende Hand auf ihrer Schulter kaum wahr, als EDI der Doktorin dabei half Shepard mit mehreren Apparaturen zu verbinden, ihm eine Spritze gab und seine Augenreflexe kontrollierte. Sie konnte Shepards unsteten und schwachen Herzschlag auf einem der kleinen Monitore sehen und versuchte die Hoffnung zu ignorieren, die plötzlich wieder in ihr hoch kroch, Johns Gesicht lag immer noch blass und leblos vor ihr wie das eines Toten. Noch bevor die Shuttles den Boden des Hangars berührten waren dessen Tore geschlossen und Joker erhöhte die Geschwindigkeit der Fregatte so schnell wie es ihre Triebwerke zuließen, ohne dass es das Schiff selbst zerriss. Als sich die Türen der Flieger öffneten warteten bereits Adams sowie Gabriella und Kenneth, um die Trage des Commanders zu übernehmen und zum Aufzug zu bringen, Ashley folgte ihnen dicht auf, als Joker die Normandy bereits wieder wendete. Inzwischen waren die Explosionen, die der Zerstörung des Megakonstrukts folgten, gefährlich nahe gekommen und der Raum in dem sich das Team bis vor kurzem noch befunden hatte, lag ohne kinetische Barrieren offen da, als die Normandy auf das Massenportal zuhielt um ihren Sprung zu absolvieren bevor es ebenfalls ein Opfer der Kettenreaktion wurde.

Kurz bevor die Normandy von einem blauen Strahl erfasst wurde, der sie wieder in ihre Heimat bringen sollte, überluden auch die Hauptstreben an den Wurzeln des Megakonstrukts, was auch den unvollendeten Reaper erschütterte und ihn, sowie die Hauptstrukturen des Konstrukts zur endgültigen Detonation brachte. Die gewaltige Explosion jagte der Normandy noch einige Momente hinterher, als sie sich mit der Hilfe des nun ebenfalls in sich zusammenfallenden Massenportals auf den Heimweg machte. Ashley spürte davon nur eine leichte Erschütterung, kurz bevor sie den Aufzug verließen und Shepard in Richtung des Krankendecks getragen wurde. Ein letztes Mal strich sie leicht über seine kalten Wangen bevor sie zur Seite trat und EDI, Chakwas, Gabriella und Kenneth die Tür vor ihr verschlossen. Erst jetzt, als es nichts mehr gab an dem sie sich orientieren konnte, etwas das sie tun konnte, um ihre verstörten Gedanken zu ordnen, spürte sie eine Träne über ihre Wange wandern.

Sie wischte sie beiseite und wankte zu den Fenstern, die den Blick auf die Krankenstation frei gaben, in der Doktor Chakwas mit EDIs Hilfe den Defibrillator und das Beatmungsgerät bereit machte, um Johns Herzschlag wiederherzustellen, während die beiden Techniker sie unterstützten. Ashley sah panisch wie der erste Schock-Stoß des Defibrillators sich auf den Puls auswirkte, war er zuvor unstet und schwach gewesen, zeigte sich nun nicht mehr als eine rote, flache Linie. Eine weitere Träne lief über die Wangen des zweiten Spectres der Menschheit, als sie sich mit einer Hand an dem Fenster abstütze. Auch der zweite Schock-Stoß änderte nichts an der geraden Linie, die Shepards Herzschlag darstellte. Mit einem raschen Nicken wies Chakwas Gabriella an die Jalousien der Krankenstation herunter zu lassen, um Ashley und der Crew den Anblick von Shepards Tod zu ersparen. Die Schiffstechnikerin hielt den Blick gesenkt, als sie ihre Aufgabe ausführte. Ein weiterer Schock-Stoß änderte nichts an Shepards Zustand, woraufhin EDI mit der traditionellen Herzmassage fortfuhr, doch dann war Ashley ausgesperrt, und das kleine bisschen Hoffnung, das sie angesammelt hatte, als die Normandy sie beide gerettet hatte, verfolg grausam plötzlich.

Alles was sie sah, war die rote, endgültige Linie die Johns Tod verkündete. Ihre Tränen liefen ihr nun offen über die Wangen, ohne dass sie es überhaupt bemerkte, vom Schock überfallen ballte sie ihre Hände zu Fäusten und starrte ins Nichts. Liara trat vorsichtig und fast ängstlich an die Soldatin heran, als Garrus trotz seiner verletzten Beine versuchte von seinem Stuhl aufzustehen, um ihr zu helfen, wobei er fast zu Boden gefallen wäre, wenn Tali ihn nicht aufgefangen hätte. Die Asari wusste zwar nicht was sie tun sollte, als sie die trauernde Allianz-Soldatin ansah, aber als diese langsam in die Knie sank und anfing zu wimmern, trat sie einen weiteren Schritt auf sie zu und nahm sie in den Arm. Ashley ließ ihrem angestauten Kummer freien Lauf, die Tränen liefen ihr über die Wangen und sie klammerte sich förmlich an Liara während ihre Beine nachgaben und sie anfing leise zu schreien.

Liara ging mit ihr in die Knie, strich ihr langsam und freundlich über den Rücken und versuchte Trost spendende Worte zu finden, doch sie wusste, dass es keine Worte gab, die etwas gegen diese tiefe Trauer ausrichten konnten und so blieb sie still. Ashleys leise Schreie steigerten sich und Liara hielt sie fest, als sie versuchte sich unkontrolliert frei zu bekommen. Halb in Liaras behutsamen Armen, die sie vor sich selbst schützen solltee, schrie Ashley weinend auf. Es war dieser laute, animalische, unartikulierte Schrei, den Menschen in tiefster Trauer und Verzweiflung von sich geben. Er war auf der gesamten Normandy zu hören, Doktor Chakwas brauchte einen Moment, um sich von dem Schock zu erholen und Joker sträubten sich die Nackenhaare, als der Schrei gedämpft zu ihm drang.
Jacob wandte sich von der Szene ab und verschwand ohne ein weiteres Wort in der Bar, Jack fuhr sich frustriert und mit Tränen in den Augen durch die Haare und verschwand Richtung Unterdeck, Samara starrte ins Nichts und trug ihr Gesicht starr wie eine Maske und selbst Grunt senkte traurig den Blick, bevor er Jacob in die Bar folgte.

Als nach einer gefühlten Ewigkeit Ashleys Schluchzen nachließ, half Vega Liara dabei sie aufzurichten und sie vorsichtig ins Observationsdeck zu bringen, wobei Tali und Garrus ihnen vorsichtig folgten. Vega war es auch, der die Beruhigungstabletten in die warme Milch schüttete, die er vorbereitet hatte, er drückte Liara die Tasse vorsichtig in die Hand bevor er ging und sie mit Garrus, Tali und Ashley alleine ließ. Die Dunkelheit des Alls und die Wärme der Tasse in Ashleys Hand beruhigten sie schließlich, sodass ihr Wimmern langsam verstummte, nicht jedoch ihre Tränen, die ihr nun jedoch langsamer über die von Tali gesäuberten Wangen liefen. Bis sie letztlich gar nicht mehr kamen, da ihr Körper einfach nicht in der Lage war weitere Tränen zu produzieren. Es tat gut an Garrus Schulter zu lehnen, die Decke die sie ihr gegeben hatte um sich zu schlingen, und dem Gespräch der drei Aliens zu folgen, das nach einer langen Zeit der Stille als erstes von Garrus begonnen wurde.

Sie unterhielten sich über alles was ihnen gerade einfiel, und wenn es noch so belanglos war, während Ashley nur still trauernd zuhörte, als die Beruhigungstabletten langsam ihre Wirkung zeigten. Wie dumm und paranoid sie einst gewesen war ihnen zu misstrauen. Sie hörte von Garrus Familie, die Palavan überlebt hatte, und von Liaras interessanten Klatschgeschichten von denen sie in ihrem Beruf erfuhr, und Tail erzählte von dem Leben, das die Quarianer nun auf Rannoch aufbauen wollten. Es tat ihr gut nicht an John denken zu müssen, auch wenn es schwierig war. Als sich die Wirkung der Beruhigungstabletten schließlich komplett entfaltete und Ashley einschlief, boten Garrus und Tali sich an bei ihr zu bleiben, falls sie wieder aufwachen sollte und Hilfe benötigte. Erst als Liara sich dankend, aber ebenfalls betrübt verabschiedet hatte und Tali ein Kissen für Ashley organisierte, um es so zu legen, dass sie sicher nicht von der Couch fallen konnte, erlaubte Garrus sich Sorgen zu machen, da er im Observationsfenster viel zu wenig Sterne sehen konnte.

Tatsächlich war das Portal der Reaper-Station bereits beschädigt oder korrumpiert gewesen und sein Kurs hätte sie weit an ihrer Heimat-Galaxie vorbeischießen lassen, Joker hatte es gerade noch rechtzeitig geschafft den Transit abzubrechen. Doch nun waren sie immer noch außerhalb der Milchstraße und weit davon entfernt sie bald zu erreichen. Das einzige, was Garrus sah, war die schwarze Dunkelheit des Alls. Nun war die Normandy selbst im Orkusnebel verschollen.



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Shepard rannte. Der tote Wald um ihn herum war gespenstisch und erinnerte ihn an Akuze, wo er einst sein Team verloren hatte. Doch trotzdem drang er weiter in die Dunkelheit des Waldes ein. Er wusste, dass der Junge sich irgendwo hier versteckte, und er musste ihn finden. Er musste.
Dunkle, schemenhafte Gestalten versammelten sich um Shepard, während er viel zu langsam durch den Wald rannte, doch sie hielten respektvoll Abstand wann immer er sich auf sie zu bewegte.
Der Spectre griff sich erneut an die Brust, als ein weiterer Schmerz durch seine Rippen fuhr. Die Schemen bewegten sich vorsichtig etwas weiter auf ihn zu, als er in die Knie ging.
Da war er! Keuchend raffte Shepard sich auf, um dem namenlosen Jungen zu verfolgen, der sich weiter in den immer dunkler werdenden Wald flüchtete. Shepard spürte kalte Hände, die ihn abzutasten schienen und hörte einmal mehr die Stimmen seiner gefallenen Kameraden.

Mordins heller Gesang, Miranda kurz bevor sie starb, Legion als er das Update zu seinem Volk hoch lud… Shepard hörte sie alle seinen Namen rufen, als er durch den Wald rannte, Äste schlugen gegen seine Rüstung und in sein Gesicht, als er dem Jungen hinterher eilte, der verängstig versuchte den Reapern zu entkommen. Je weiter er ihm in den Wald folgte, desto dunkler wurde er, eine Dunkelheit die den Commander zu verschlucken drohte. Die Stimmen der Toten wurden leiser, als Gewehrfeuer durch den Wald hallte, und dass Mündungsfeuer der dazugehörigen Waffen die Dunkelheit sporadisch erhellte. Shepard warf sich zu Boden, als er menschliche Schreie hörte, die von dem gewaltigen Gebrüll mehrerer Dreschlunde durchbrochen wurden.

Dieser Wald sah nicht aus wie Aukze, er war Akuze, die Hölle selbst! Der Ort des Massakers, an dem sein Team niedergemetzelt worden war und er als einziger der Todesfalle hatte entkommen können. Doch diesmal war es anders, er war wieder hier, und etwas sagte ihm, dass er nicht wieder entkommen würde. Es war, wie er es in Erinnerung hatte, es herrschte heilloses Chaos, Männer schossen in die Luft, um die Dreschlunde zu vertreiben, doch die Bestien ignorierten den schwachen Beschuss und zogen immer mehr Soldaten unter die Erde oder lösten sie einfach in giftiger Säure auf.
Shepard kroch über den Boden und sah Korporal Toombs rückwärts wanken, bevor der Soldat den er stütze von im weggerissen wurde und er zu Boden fiel, als seine Panzerung von einem Säurestrahl erwischt wurde, es passierte zu schnell, als dass Shepard überhaupt reagieren konnte. Er zwang sich auf die Knie und kroch weiter über einen Hügelkamm, während Äste unter ihm zerbrachen und immer mehr der Schreie und Schüsse verstummten.

Als der Commander den Jungen auf dem offenen Feld vor sich kauern sah, war bereits der größte Teil von Shepards einstigem Team von den Dreschschlunden unter die Erde gezogen und erledigt worden. Ohne weiter nachzudenken, stand Shepard auf und ging raschen Schrittes auf den Jungen zu, um ihn von einem großen Loch wegzubringen aus dem jederzeit eines der Biester kriechen konnte. Der Junge wich zurück und hielt seine Hände weiter an seine Ohren, um die Schreie nicht hören zu müssen, die ihn verfolgten als Shepard ihn fast erreicht hatte und bereits nach dem verängstigten Jungen greifen wollte. Doch mit einem Mal bebte der Boden und ein lautes Zischen erfüllte die Luft.
Panik breitete sich in Shepard aus, als das gewaltige Maul eines Dreschlunds ihn erfasste und ihn unter die kalte, tote Erde zog.



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Der Jäger lag bereits eine Viertelstunde reglos, rauchend, tot und an einigen Stellen immer noch glühend, in der gigantischen Furche, die er bei seiner unfreiwilligen Landung auf dem Erdboden der Savanne Afrikas hinterlassen hatte. Durch die Aktivierung eines Notschalters öffnete sich das kaum noch als solches erkennbare Cockpit mit einem hydraulischen Zischen. Snipes keuchte, als er es endlich schaffte seinen gesprungenen Helm abzunehmen, und legte ihn vorsichtig auf seinen Sitz, nachdem er sich hochgestemmt hatte. Fluchend und japsend hievte der Pilot sich aus seinem rauchenden Metallsarg, während er sich dabei die Seite hielt, in die sich ein Metallteil tief hinein gebohrt hatte, die nicht abreißende Flut an Funksprüchen aus dem Cockpit ignorierte er. Schnaufend warf sich Snipes an einen nahen Stein, der nur einige wenige Meter von den verbrannten Resten seines Jägers entfernt lag, kaum noch etwas anderes als das gepanzerte Cockpit hatte den alptraumartigen Flug durch die Atmosphäre überstanden.

Snipes atmete tief ein, schloss die Augen und aktivierte eine neue Dosis-Medigel, um die gewaltigen Schmerzen in seiner Seite zu mildern. Er wusste, dass er diese Wunde nicht überleben würde, er konnte spüren, dass sie zu tief saß und wohl bereits innere Blutungen verursacht hatte, die er so nicht behandeln konnte. Auch wenn er es nach seinem Erwachen nur knapp geschafft hatte den Jäger wieder unter seine Kontrolle zu bringen und ihn mit einer gekonnten Notlandung knapp zu Boden gebracht hatte, nur um dann hier trotzdem zu sterben, war er trotzdem glücklich. Wenigstens hatte er es geschafft dem Metallsarg zu entkommen, den sein Jäger bildete, und konnte frische Luft auf seiner Haut und in seinen Lungen spüren, ein Luxus, den kein anderer der bereits verstorbenen Piloten im Orbit zuteil geworden war. Als er sich zwang seine Augen nach einer halben Ewigkeit wieder zu öffnen, blendete ihn der helle Schein der Sonne und er bedeckte seinen Blick mit einer Hand. Er sah einen Ort den er sonst nur im Extra-Net gesehen hatte. Ein einzelner, einsamer Elefant durchstreifte einen Teil der noch fast unberührten Savanne Afrikas. Er musste in einem der wenigen überlebenden Naturreservate gelandet sein; ein Wunder konnte man das schon gar nicht mehr nennen. Nun hörte Snipes auch das Gezwitscher der Vögel, und das Gemeckerte der kleineren Tiere, irgendwo in weiter Ferne sah er zwei Giraffen, wie sie genüsslich die Blätter eines Baumes verspeisten und ihn zu ignorieren schienen. Es war nicht mehr als die reale Szene aus einer alten Dokumentation.
Doch für Snipes waren die wenigen Tiere, die die Erde noch bevölkerten und die Schönheit der kargen Natur ein so wundervolles und hoffnungsvolles Bild, dass es ihn nicht störte, als eine Träne über seine schmutzige Wange lief. Er seufzte, als die Last der Schlacht von ihm abfiel und ein Lächeln sich auf seinem bis vor kurzem noch so verbissenem Gesicht ausbreitete. Langsam stellte er über sein Universalwerkzeug eine Verbindung zu den Resten der Funkanlage seines Jägers her. Sofort schlugen ihm Jubelschreie und einige lose Befehle von den Schiffen im Orbit entgegen, das Komm-Netz war fast schon überlastet, als Snipes damit anfing einzelne Funksprüche von Schiffen verschiedener Völker aufzufangen.

„…freuen sie sich noch nicht zu früh! Ungefähr vierzig Prozent der feindlichen Flotte ist noch intakt…“, bemerkte ein salarianischer Kapitän. „…ich wiederhohle, die aktiven Reaper wurden restlos ausgelöscht, als sie versuchten die Blockade am Charon-Portal zu durchbrechen, der Rest ist weiterhin inaktiv…“, ein turianischer Offizier. „…die angeschlagenen Schiffe sollen sich zurückhalten, wir haben die inaktiven Reaper in einem sichern Zangengriff, aber sie können jederzeit…“, kommandierte ein unbekannter Admiral. „…feuern nach eigenem Ermessen! Ich will, das man diese Explosionen noch in der nächsten Galaxie sehen kann!“, rief ein menschlicher Kapitän. „…suchen sie die Erde nach Signalen ab, wir müssen so schnell wie möglich feststellen, ob und wo es Überlebende gibt…“, bemerkte eine der Asari.

Snipes seufzte als er die letzte Übertragung hörte, er hatte keine Möglichkeit einen Funkspruch zurück zu geben, um sich zu retten zu lassen. Seine Komm-Konsole war zu stark beschädigt für eine Antwort und sein Universalwerkzeug reichte nicht aus, um die Flotte zu erreichen, er konnte nur hoffen, dass sie ihn schnell fanden und das Standard-Notsignal seines Jägers bemerkt wurde. Doch er glaubte nicht an noch mehr Wunder und die Bemühungen würden sich ohnehin nicht auf einen einzelnen verlassenen Piloten konzentrieren. Mit einem Mal wurde der Funkverkehr sehr still und Snipes schaltete auf die Hauptfrequenz um. Primarch Victus sprach erneut zu der gesamten Flotte:
„…unsere Opfer sind groß und selbst jetzt dürfen wir nicht zögern und dem Feind keine Gelegenheit lassen sich aus seiner Schock-Starre zu lösen, doch nicht nur wir erleben diesen Sieg. Die wenigen kleinen Angriffskeile, die die Reaper in der verbliebenden Galaxie zurückließen, hat dasselbe Schicksal getroffen wie hier und über Palavan ist mein Volk gerade dabei ihre schwächliche Flotte zu eleminieren, genauso wie die Asari sich daran machen Thessia zurück zu erobern. Alle verbliebenen und zurückgehaltenen Truppen in der gesamten Galaxis schießen in diesem Moment jeden einzelnen Reaper, den sie sichten, in Stücke…“.

Der Turianer legte eine kurze Pause ein und Snipes stellte lächelnd fest, dass die Komm-Netze wieder einmal überstrapaziert wurden. Der Jubel war gewaltig, als sich Hoffnung und Freude ihre Bahnen brachen.
„…doch unser Sieg kam nicht umsonst, wir kämpfen immer noch und haben in dieser Schlacht über die Hälfte unserer vereinten Flotte verloren. Jeder Tote ist ein Held, jeder einzelne Name wird in die Geschichte eingehen, und jedes Schiff das an dieser Schlacht teilgenommen hat, soll in Ehren gehalten werden,…“

Respektvolle Stille breitet sich auf den Komm-Kanälen aus.

„…genauso wie die Fregatte der Allianz, die SSV Normandy. Wir verloren sie, als ihr Pilot Commander Shepard durch die Pforten der Hölle folgte, um ihn von der Heimatstation der Reaper zu retten. Der Commander blieb zurück, um die Station unseres Feindes zu zerstören und die SSV Normandy folgte ihm trotz strikter Befehle und handelte trotzdem wie wahre Soldaten und Kameraden. Sie weigerten sich, ihre Kameraden zurück zu lassen, obwohl sie die Risiken kannten. Lasst uns ihr Opfer nicht vergessen. Schicken wir diesen Abschaum in den Abgrund aus dem sie gekrochen kamen! Sorgen wir dafür, dass niemand in dieser Schlacht sein Leben umsonst gegeben hat!“ Die Hauptfrequenz wurde nur langsam wieder von knappen Befehlen erfüllt, als der turianische Primarch seine Rede beendet hatte, während viele andere Nebenfrequenzen dafür genutzt wurden, sich über die Neuigkeiten auszutauschen. Snipes hörte, wie hunderte Stimmen die plötzliche Nachricht vom Tod des ersten menschlichen Spectres schwermütig aufnahmen und andere über die Befreiung ihres Heimatplaneten jubelten. Er schloss die Augen, als die Hauptfrequenz wieder lebendiger wurde und ihn Befehle und Lageberichte von der Schlacht erreichten. Er bekam mit, dass die Flotte den Raum um die Citadel und ihrem nun inaktivem Portal sicherte, um den Rat und die Überlebenden zu evakuieren, während gleichzeitig kleinere Verbände den Sol-Raum verließen, um den nahen Konfliktzonen in der Galaxis zur Hilfe zu eilen und die derzeitige Schwäche der Reaper auszunutzen. Doch obwohl die Schlacht für die Flotte so gut wie geschlagen war, gab es immer wieder einige Verluste, wenn einzelne Reaper es schafften ihre Systeme wieder hochzufahren und verzweifelt versuchten dem Zangengriff der vereinten Flotte zu entkommen.

Auch wenn immer noch gewaltige Gefahr von den wütenden Ungetümen ausging und sie noch mehrere Schiffe mit in den Tod rissen, konnten sie dem organisierten Vorstoß der vereinten Flotte nicht viel entgegensetzen, geschweige denn sich koordinieren oder die Blockade am Charon-Portal überwinden. Als Snipes sich ein weiteres Mal zwang seine Augen zu öffnen, um der Müdigkeit zu entkommen, sah er in weiter Ferne das Wrack eines toten Reapers mit einem hellroten Schweif rasch gen Erde sinken, die Völker der Galaxis würden diese Schlacht schon bald für sich entscheiden. Snipes lächelte, als er die wenigen Tiere beobachte, die sich in der Savanne Afrikas tummelten und war froh, dass sich die Aas-Jäger anscheinend nicht an seinen rauchenden Jäger heran trauten, als er die Komm-Kanäle abschaltete und die Memo-Einheit seines Universalwerkzeugs aktivierte.

„Hier spricht Leutnant Commander Christopher Snipes, von der ersten Alpha-Staffel der SSV Einstein“, begann er mit fester Stimme in die Speichereinheit zu sprechen. „Wer auch immer diese Aufzeichnungen findet, geben sie diese an meinen überlebenden Flügelmann Ulman Milenk, auch Zero genannt, weiter. Er soll dem Turianer meinen Respekt ausrichten, auch wenn ich nicht einmal seinen Namen kenne, alleine dadurch, dass er überlebt hat, zeigt, dass er ein der besten Piloten ist, die ich kenne. Zero, ich muss dir wohl nicht etwas erzählen, dass du schon weißt… Aber wenn du das hier hörst…“, Snipes stoppte kurz, saugte frische Luft ein und tastete nach seiner Wunde, bevor er sich dazu überwand weiter zu sprechen. „… bin ich, wie man es von solchen Aufzeichnungen wohl kennt, bereits tot. Ich hab nur eine Bitte an dich Zero, übergib diese Aufzeichnung an meine Familie, wo immer die beiden auch gerade sind. Du kennst doch die Allianz, am Ende geht diese Nachricht noch in dem Wust der Bürokratie verloren. Und falls du dich mit dem Turianer darum streitest, wer von euch die Wette um mein Leben gewonnen hat, spendet einfach alle beide zehn Credits an eine Hilfsorganisation, schaden kann‘s nicht.“ Erneut atmete Snipes schwer und aktivierte eine neue Dosis Medigel. „Ich hätte mir keinen besseren Flügelmann wünschen können, Zero. Mach‘s gut alter Freund, und falls die Allianz diese Aufzeichnung doch irgendwie erhält… gebt Zero und dem Turianer einen verdammten Orden… sie waren einiges mehr als nur Ass-Piloten in diesem gottverlassenem Totenfeld über mir.“

Snipes hustete und hob verwirrte eine Braue als er Blut auf den erdigen Boden der Savanne spuckte aber trotzdem fortfuhr: „Hey Sahra… meine kleine Jenny…“. Sinpes Stimme brach ab, als er an seine Frau und seine kleine Tochter dachte, die leider bereits alt genug war, um diese Nachricht zu verstehen. Er hatte das Lächeln der beiden vor seinem inneren Auge, und konnte nur hoffen, dass sie die Reaper-Invasion überlebt hatten, das Beste was er bekommen hatte, waren einige kurze Gespräche, als sie sich auf weit entfernten Flüchtlingsschiffen befunden hatten. So konnte er nur sein Memo zu Ende führen und hoffen dass es seine Familie erreicht. Er wusste zumindest, dass Zero nicht ruhen würde bis er die Aufzeichnung an seine Familie überbracht hatte oder ihre Gräber fand.
„…ihr solltet hier sein, ich hätte nie gedacht, dass Afrika wirklich so schön aussieht… wie als gäbe es überhaupt keine Reaper…“, sagte er mit Blick auf die erstaunlich unberührte Natur, in der der einsame Elefant sich trottend durch das dichte Gras in seine Richtung bewegte. „Im Moment ist das einzige, was schöner wäre, eure Nähe… dafür hab ich wenigstens euer Lächeln bei mir…“. Erneut brach die Stimme des Piloten zusammen, als Tränen sich aus seinen Augen lösten.
Er blinzelte und versuchte sich zu konzentrieren, während ein seltsam taubes Gefühl durch seine verletzte Seite sickerte. „Wir hätten diese Weltreise machen sollen Sahra…wir beide, du und ich, oder zusammen mit Jenny… ich sehe gerade nur Afrika vor mir, aber wenn das nur ein Teil der Schönheit unseres einst so blauen Planeten ist, will ich gar nicht wissen wie der Rest aussieht… mir würden wohl einfach die Augen ausfallen…“

Snipes fuhr damit fort die Schönheit des Landes zu beschreiben und aktivierte die Kamera in seinem Universalwerkzeug, als der alte Elefant ihn aus einigen Schritten Entfernung beobachtete. Er füllte den Speicher seines Memos mit seinen alten Erinnerungen von der Erde, den friedlichen Eindrücken, die ihm die Savanne gab und den unzähligen schönen Momenten, die er mit seiner Familie einst erlebt hatte und nun froh war, sich an sie erinnern zu können. Schließlich keuchte Snipes schwer und saugte angestrengt neue Luft ein, während er ein Löwenpaar sah, das ihn aus einiger Entfernung beobachtete, wegen des alten Elefanten allerdings nicht näher kam. „… ich hab hier eine wundervolle Aussicht…“, wandte er sich wieder an seine Familie, „…und wie Zero vor unserer Schlacht sagte: Das einzige, was ich wirklich Bereue ist, dass ich nicht mehr zu bereuen habe… achte auf deine Mam Jenny und verliere wegen mir nicht dein hübsches Lächeln. Und mach dir keine Sorgen um unsere kleine Sahra, sie ist aufgeweckt und schlau, sie wird ihren Weg finden… Ich liebe euch beide, und es tut mir so leid, gehen zu müssen… Macht’s gut meine Lieben.“

Snipes nahm mit seinem Universalwerkzeug noch ein paar Bilder der wundervollen Landschaft und der Tiere, die ihn umgaben, auf und lächelte in die Kamera nachdem er eine weitere Dosis Medigel aktiviert hatte, um wenigstens die Schmerzen zu vertreiben. Nur einige Moment später deaktivierte er das Memo zusammen mit der Kamera und projizierte ein kleines Bild über sein Universalwerkzeug in seine Hand. Das Holo-Bild zeigte ihn, seine Frau und eine jüngere Jenny wie sie sich glücklich in den Armen lagen und froh lächelten. Es musste der Tag gewesen sein, als Snipes zum Staffelführer befördert worden war. Der Tag an dem sie sich alle ein Eis gegönnt hatten, an dem er Jenny von den Sternen erzählt hatte, an dem Sahra einfach nur ihren Kopf auf seine Schulter gelegt und ihn angelächelt hatte… Snipes starb mit den Geräuschen der Natur um ihn herum in den Ohren und den Blick auf das Bild seiner Familie gerichtet, als die ersten Bergungstrupps nach Stunden auf der Erde landeten, um die wenigen großen Gruppen der Überlebenden zu bergen. Die Flotte hatte schlussendlich den endgültigen Sieg errungen und ein weiteres Bergungsteam konnte erst zehn Tage später das Memo an einen niedergeschlagenen Zero weiterleiten, da sie noch damit beschäftigt waren die wenigen Überlebenden von der Erde zu evakuieren und andere sogar zum Gehen überreden mussten, während ihre Kollegen im Orbit die unzähligen Wracks nach weiteren Überlebenden durchsuchten.

Die Toten waren Helden, doch die Überlebenden standen ihnen in nichts nach, sie lebten weiter und erbten die Ruinen der Galaxie, um sich daran zu machen sie mühsam Stein für Stein wieder aufzubauen.



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Shepard sah auf und sah nur dumpfes Grau. Er hatte nicht erwart seine Augen je wieder öffnen zu können, aber nun lag er auf der verdreckten Straße einer in Ruinen liegenden Großstadt und versuchte sich mit der Hilfe des schwachen Lichts am Himmel zu orientieren. Ihm fiel sofort auf, dass er sich in einer Stadt auf der Erde befand, genauso wie ihm auffiel, dass das spärliche Licht am Horizont immer schwächer wurde. Er erkannte die Stadt, obwohl sie sich im düsteren Halbdunkel befand, er erkannte auch das alte heruntergekommene Viertel wieder. Es war eines der Viertel in dem er in seiner Jugend ohne Eltern zusammen mit der Reds-Gang abgehangen hatte, um über die Runden zu kommen.

Langsam und vorsichtig lief Shepard über die Straße auf eine der kleinen Seitengassen zu, wie aus dem nichts erschienen drei Jugendliche Gestalten an der Ecke der Gasse. Sie trugen rote T-Shirts und waren in ein Gespräch vertieft, Shepard erkannte Finch, der sich eine Zigarette aus einer gestohlenen Schachtel zog und über einen derben Witz von Big John lachte. Shepard fragte sich gerade, was aus dem gutmütigen alten John geworden war, als er einen Schritt auf die kleine Gruppe zuging und bereits ahnte, dass der dritte in der Gruppe mit wirklichem Namen John hieß, aber stets mit seinem Nachnahmen gerufen wurde. Er erkannte seine eigenen Konturen an dem dritten jungen Mann, der ihm den Rücken zu wandte, doch als er einen weiteren Schritt auf die Gruppe zu machte, verschwand sie ebenso plötzlich und geisterhaft wie sie erschienen war. Shepard hörte ein Flüstern, das seinen Namen rief und kippte mit Schmerzen in Brust und Schulter auf den harten Asphalt der zerstörten Stadt.

Über ihm verging das letzte Licht am Horizont und ließ die Stadt und einstige Heimat des ersten menschlichen Spectres in Dunkelheit zurück. Die Dunkelheit näherte sich Shepard wie ein Raubtier, das ein schwaches Tier in der Herde ausgemacht hatte. Es würde nicht mehr lange dauern bis sie ihre Beute erlegt hatte.



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James Vega trat aus dem Aufzug und bog zögernd zur Krankenstation ab, um durch die geöffneten Fenster einen Blick auf Shepards Zustand zu werfen. Er konnte das bleiche Gesicht des Commanders sehen, während EDI nur einige Schritte von ihm entfernt auf die kleinste Veränderung achtete. Die Schiffs-KI war fast ohne Pause auf der Krankenstation und opferte den Rest ihrer Zeit, um der Crew bei der Arbeit im Hangar zu helfen. James wusste ohne Zweifel, dass sie alles in ihrer Macht stehende tat, um mit Doktor Chakwas Hilfe Shepard am Leben zu halten, auch wenn die Doktorin der Crew erklärt hatte, dass der Commander weiterhin in Lebensgefahr schwebte und sein Zustand sich eher verschlimmerte als verbesserte.
Der Allianz-Soldat trat von der Scheibe zurück, als sich eine Bewegung in ihr spiegelt.

Jack saß auf einem der Stühle in der Messe hinter ihm und umklammerte ihre Tasse-Tee mit seltsam traurigem Blick. „Hey“, grüßte sie ihn schwach, als er sich auf einen freien Stuhl ihr gegenüber setzte. Vega nickte, er wurde aus der einstigen kriminellen Biotikerin nicht wirklich schlau, wie aus kaum einer Frau. In London hatte er sie ebenso zerstörerisch wie tödlich erlebt und auch hier auf der Normandy gab sie sich die meiste Zeit selbstsicher und unnahbar. Doch sie hatte nicht gezögert als im Maschinenraum klar geworden war, dass Ashley nicht in der Lage war weiter zu arbeiten und die eigensinnige Frau dazu überredet sich zum Observationsdeck zurück zu ziehen.
„Wie geht die Arbeit untern voran?“, fragte Jack stumpf. „Inzwischen haben wir etwas mehr als die Hälfte der Stase-Kapseln fertig. Ein Glück, dass Joker die Crew in die Rettungskapseln geschickt hat bevor wir durch das Portal flogen, sonst hätten wir gar nicht genug für alle“, meinte Vega.

Seit Joker den Sprung abgebrochen hatte, da der Kurs des beschädigten Portals sie an ihrer eigenen Galaxis vorbei in die Tiefen des kalten Alls geführt hätte, arbeitete die restliche Crew an den Stase-Kapseln die beim Umbau der Normandy von der Allianz schon längst hätten eingebaut werden sollen, wegen den Reapern aber nur im Frachtraum auf einen Techniker gewartet hatten. Und die Stase-Kapseln würden sie brauchen, denn zwar hatten sie bereits einen Großteil der Reise durch den abgebrochenen Sprung zurückgelegt und Joker hatte es gleichzeitig geschafft einen relativ großen Teil der Geschwindigkeit des Sprungs beizubehalten, während er den Kurs änderte, aber laut EDI würden sie immer noch ein bis zwei Jahre brauchen bis sie ihre Heimatgalaxie erreichen würden. Zwar hatten sie dank EDIs voraussichtiger Planung – dem Fall das die Reaper gewannen – einen großen Lebensmittelvorrat, aber keiner aus der kleinen Crew wollte sich zwei Jahre lang auf der Normandy gegenseitig auf die Füße treten, wenn sie auch einfach die Stase-Kapseln verwenden konnten, die für ihre nun geschrumpfte Crew ausreichen durften.

James schüttelte den Kopf und vertrieb seine weitschweifenden Gedanken. „Wie geht es ihr?“, fragte er mit einem Nicken in die Richtung von Ashleys Quartier. Jack seufzte. „Nicht gut. Ich hab ihr Beruhigungstabletten gegeben, sie sollte jetzt eigentlich schlafen. Mist verdammter! Wir anderen können ja alle irgendwie mit Shepards Tod klar kommen, wir werden deswegen nicht plötzlich aufhören zu atmen. Aber die Frau macht das Ganze nicht nur zum zweiten Mal durch, sie liebt ihn auch noch wirklich! Und ich dachte solche Leute wären längst ausgestorben! Was für eine scheiß unfaire Galaxis in der wir leben.“ Jack fuhr sich mit einer Hand frustriert durch die Haare und trank mit der anderen aus ihrer Tasse. Vega mutmaßte das sich in der Tasse mehr als nur einfacher Tee befand und war froh, dass er seinen Alkoholvorrat gesichert hatte, denn die Bar des Schiffes war schon fast vollständig aufgebraucht. Keiner an Bord konnte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass ihr Commander sie schon bald verlassen würde. Doch James hatte festgestellt, dass trotzdem jeder an Bord versuchte Ashley jeweils auf seine Art zu helfen. Mit einem kurzen Lächeln erinnerte er sich daran, das Grunt und Jacob zusammen mit Ashley mehrere Stunden lang alte Geschichten ausgetauscht hatten und dabei einen Großteil der Bar in Anspruch genommen hatten, nur um die Allianz-Soldatin für eine Weile auf andere Gedanken zu bringen.

„Ich sehe mal nach ihr“, erklärte Vega und stand auf, Jack nickte nur knapp. Als James kurz Luft holte, bevor er schließlich die Tür des Observationsdecks öffnete, war Ashley längst eingeschlafen. Doch Vega bemerkte sofort, dass es kein erholsamer Schlaf war, selbst in ihren Träumen wurde sie nicht von der Gegenwart verschont. Sie hatte sich in Fötus-Haltung zusammengekauert und ihre Hände über die Ohren gelegt, wie als wolle sie leise Stimmen zum Schweigen bringen, ihr Gesicht war eine Maske aus Angst und Verzweiflung. Vega konnte direkt sehen wie die Alpträume sie heimsuchten, wusste aber das er nichts gegen sie unternehmen konnte außer zu hoffen, dass sie rasch vorbei gingen. Leise trat er näher an sie heran, wobei sein Blick auf eines der unzähligen altmodischen Bücher fiel, die am Boden verstreut lagen. Es warf einen kurzen Blick auf den Einband, um zu erkennen, dass es sich um den Gedichts-Band von Tennyson handelte, den Shepard ihr einst im Krankenhaus geschenkt hatte, bevor er das Buch an der Stelle öffnete, an der das Lesezeichen heraus ragte. Ein kleiner verwelkter Fleck lenkte seine Aufmerksamkeit auf einen markierten Text dicht daneben.
„Es ist besser geliebt und verloren zu haben, als überhaupt nie geliebt zu haben“,
las der Allianz-Soldat bedrückt. So wahr dieser Satz auch sein konnte, Vega war sich sicher, dass er Ashley nicht über ihre Schmerzen hinweghalf. Vielleicht hatte das sogar funktioniert, als Shepard das erste Mal gestorben war, doch nun fragte er sich ob Ashley nicht an seinem Tod zerbrechen würde.
Sie war eine starke Frau, das wusste Vega spätestens seit dem sie mit ihm eine Flasche seines besten Jahrgangs gekippt hatte und sie ins Gespräch gekommen waren. Doch er konnte sich nicht vorstellen, dass überhaupt irgendein Mensch oder Alien in der Lage war den Tod eines geliebten Partners zum zweiten Mal zu verkraften ohne spürbaren Schaden zu nehmen. James trat vorsichtig näher an die unruhig schlafende Soldatin heran und zog ihre die verrutschte Decke wieder über die Schultern. Ihre Hände waren von den Arbeiten im Hangar immer noch verschmiert und ihre neu geschnittenen Haare warn durch das ständige Herumwälzen zerzaust, sie fand keine Ruhe.

Vega wollte gerade wieder gehen, als Ashleys bisher undeutliches Gemurmel lauter wurde und sie noch krampfhafter versuchte sich vor Stimmen zu verschließen, die nur sie hören konnte. „Nein!“, zischte sie schmerzerfüllt ihren Alpträumen zu. Vega hielt inne, nicht zuletzt, weil sie sich durch ihr erneutes Herumwälzen immer mehr der Kante der Couch näherte. Fast panisch versuchte Ashley nun ihre Träume loszuwerden, so dass James Glück hatte sie noch aufzufangen, bevor sie zu Boden fiel.
Der kurze Ruck hatte sie aufgeweckt und Vega suchte ihren Blickkontakt damit sie aus ihrem Alptraum heraus fand. „Hey Amazone… alles klar, du hattest nur einen stinknormalen Alptraum…“, sie verstand zwar, aber er konnte an ihren unstet umher huschenden Augen erkennen, dass sie den Alptraum noch immer nicht überwunden hatte. „Ein stinknormaler Alptraum, scheiß egal was drin vorkam, es ist nicht passiert. Okay?“ Als sie zögernd und noch immer unsicher nickte, nahm Vega die Hände von ihren Schultern und wich von ihr zurück, sodass sie sich sammeln konnte.

Als Ashley gerade mit den Händen durch ihr Haar fuhr, um es in einem einfachen Bund zusammenhalten zu können, hörte Vega eilige Schritte im Gang, die sich in Richtung der Krankenstation bewegten. Als Vega aufstand, um in den Gang zu blicken, sah er gerade noch wie Doktor Chakwas eilig an Jack vorbei ging. Ein einfaches Kopfschütteln der frustrierten Biotikern setzte ihn über die Lage ins Bild und der Allianz-Marine schloss eiligst die Tür. Shepards Zustand war kritisch.



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Inzwischen umgab ihn die Dunkelheit völlig, wie als wolle sie ihn ersticken. Bald schon würde es nichts mehr anderes für ihn geben. Und doch bemerkte er schließlich das kleine Fünkchen Licht, das die allgegenwärtige Dunkelheit vertrieb. Das Licht ging von dem Jungen aus den er einst auf der Erde hatte zurücklassen müssen und seit diesem Zeitpunkt in seinen Alpträumen verfolgte. Der Junge lief langsam auf ihn zu und Shepard spürte, wie die Dunkelheit ein Stück zurück wich und gemeinsam mit dem Schmerz ein wenig nachließ, als der Junge vor ihm stehen blieb. Shepard versuchte sich aufzurichten und den Jungen anzusehen. „Es tut mir leid“ ,erklärte er keuchend, der Junge sah ihn nur fragend an. „Was tut dir leid?“, fragte er freundlich und unbefangen. „Dass ich dich nicht gerettet habe…“, erklärte Shepard hustend, „dass ich dich nicht aus diesem Schacht geholt habe, das... dass du gestorben bist. Der Junge schüttelte beschwichtigend den Kopf.

„Wie kann dir etwas leidtun an dem du doch gar keine Schuld trägst?“, fragte er entwaffnend. Shepard wusste, was er meinte, und er wusste, dass er Recht hatte. Langsam senkte er den Blick und starrte in die Dunkelheit, die den Boden umgab wie viel zu dichter Nebel. Als er bemerkte, dass dieser Nebel nun langsam von ihm zurück wich, legte sich eine Hand auf seine Schulter und er sah wieder auf. Thane Krios stand seitlich von ihm und hielt ihm die andere Hand hin. Shepard spürte wie der Schmerz in seiner Schulter und seiner Brust etwas weiter nachließ und griff nach der angebotenen Hand, um sich wieder auf die Füße zu ziehen.

Inzwischen umgaben ihn mehr als nur der Drell-Assassine, Mordin stand nicht weit von ihm entfernt und zeigte ein breites Grinsen, während Shepard die verschwommenen Konturen von Miranda und einem Geth erkannte. Und nicht nur sie, er meinte auch die Gestalt des einstigen Allianz-Soldaten Jenkins ausmachen zu können und weit mehr hatten sich um ihn versammelt. Die Asari von Thessia, Tarquin Victus, Major Coats, Presley, so viele Gesichter, und sogar einige an die er sich kaum mehr erinnern konnte. Die Toten umgaben ihn fast vollständig, wie als wollten sie ihn in ihren Kreisen begrüßen. So erstaunte es Shepard auch nicht, als er Kaidan neben dem kleinen Jungen sah. Der tote Allianz-Soldat lächelte freundlich und dem Commander war klar, dass dies keine Illusion eines Reapers war. Der Junge winkte ihm zu, als er nach Kaidans Hand griff und dem Soldaten folgte, als er mit ihm davon ging. In der Ferne sah Shepard ihr Ziel, eine schmale Seitengasse aus der ihm ein grelles Licht entgegen schlug, und gerade als er sich daran machte den beiden zu folgen, drehte sich Kaidan noch einmal um und schüttelte nur leicht den Kopf. Als Shepard nach kurzem Zögern trotzdem einen Schritt in ihre Richtung machte trat Thane ihm vorsichtig in den Weg und schüttelte ebenfalls den Kopf, bevor er stumm auf etwas hinter Shepard wies.

Die Dunkelheit hüllte die Stadt noch immer ein und hielt sie fest im Griff, aber an einer abzweigenden Straße erkannte er den hellen Hauch eines dumpfen Lichts, das ihn an einen Sonnenaufgang erinnerte. Nach einem kurzen Zögern ging er die Straße entlang auf die zweite Lichtquelle zu, die Toten begleiteten ihn stumm. Mit jedem Schritt den er tat, kam etwas mehr Licht in die ruinierte Stadt, und je weiter ihn seine Schritte trugen, desto mehr Tote verließen ihren Platz neben ihm. Er wusste nicht wie viele hundert Meter er bereits auf dieser Straße zurückgelegt hatte, als nur noch Miranda, Thane, Mordin und Legion neben ihm liefen. Und auch sie verschwanden, als die Stadt in vollem Licht stand und die Dunkelheit sich nur noch in Schatten versteckten konnte. Schließlich verschwanden auch die Schatten und die Stadt selbst, als das Licht so hell wurde, dass er die Augen schließen musste.

Doch eine Hand griff nach seiner und führte ihn weiter bis zum Ende…



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Er blinzelte und versuchte seine Augen an die Helligkeit des Raumes zu gewöhnen. Es dauerte eine Weile bis sich seine Augen an das Licht gewöhnt hatten und er die beiden Hände sah, die seine rechte umklammert hielt. Shepard brauchte einige weitere Momente um Ashley Gesicht wahrzunehmen. Sie lag ihm gegenüber auf einer Liege, dicht neben seiner und hatte die Augen geschlossen. Sie schlief wunderschön sanft und ihr Atem war friedlich. John Shepard konnte sich nicht daran erinnern, dass er in seinem Leben jemals etwas Schöneres gesehen hatte. Er war am Leben… auf der Krankenstation der Normandy… er war zum wiederholten Male dem Tod von der Schippe gesprungen… und alleine der Anblick von Ashleys friedlichem Schlaf war es mehr als wert gewesen. Der Himmel selbst konnte nicht schöner sein. Shepard bemerkte all die kleinen Veränderungen an Ashley, sie trug eine bequeme Militärhose und einen der Allianz-Kapuzenpullis, doch das fiel ihm kaum ins Auge. Was ihm auffiel war die kleine Narbe auf der linken Seite ihrer Augenbraue, die wohl das Glas der Ratskammer hinterlassen hatte, ihre Hände die aussahen, als hätte sie vor nicht allzu langer Zeit an einer Maschine gearbeitet und ihre Haare die sie etwas gekürzt hatte und nun in einem losen Bund zusammenhielt, ein aufgeschlagener Tennyson-Band lag nicht weit von ihr entfernt. Den leichten Schmerzen, die seinen Körper heimsuchten war er sich kaum bewusst, als er für eine Weile nichts weiter tat als Ashley beim Schlafen zu betrachten. Erst einige Momente später hörte er wie eine Person von einem nahen Stuhl aufstand und sich Schritte in ihre Richtung bewegten, bevor Doktor Chakwas in sein Sichtfeld trat.

„Oh! Wie schön sie wach zu sehen, Shepard“, grüßte sie ihren Commander leise und vorsichtig, um Ashley nicht aus ihrem Schlaf zu reißen, „wir hatte nicht erwartet, dass sie drei Stunden zu früh aus dem künstlichen Koma erwachen würden…“ Nun sah Shepard auch, dass EDI etwas weiter von ihnen entfernt stand. „…aber wahrscheinlich ist es auch besser so. So haben sie wenigstens etwas Zeit sich zu orientieren bevor die Crew sie besuchen will.“ Shepard hustete leicht und versuchte gar nicht erst sich aufzusetzen. „Wie… wie bin ich… wo?“, war alles was er auf die Schnelle zusammenstammeln konnte. „Wir haben sie von der Station der Reaper gerettet, Jeff hat den Befehl den Rat zu evakuieren einfach ignoriert, um ihnen und Ashley zu Hilfe gekommen. Mit Hilfe der Daten von den Cerberus-Konsolen und EDIs Fähigkeiten konnten wir sie retten, obwohl wir viel zu oft kurz davor standen sie zu verlieren. Auch wenn ein Teil ihrer entbehrlichen Implantate dafür abgeschaltet werden mussten, um ihre Stabilität zu gewährleisten,2 während es schwierig war die lebenswichtigen am Laufen zu halten, ohne diesen Reaper-Kern. Einen Großteil der unwichtigen Implantate können sie nun komplett entfernen lassen, da ihr Körper größtenteils die meisten ihrer Funktionen bereits auf natürliche Weise wiederhergestellt hat. Allerdings werden sie von ihrer Schulterwunde wohl eine nicht minder große Narbe davontragen, während wir die Wunde an ihrem Bauch gut verschließen konnten. Unser größtes Problem war ohnehin ihre Verletzungen zu versorgen und gleichzeitig die wichtigen Implantate am Leben zu erhalten, ohne das es Komplikationen gab.“
„Vielen Dank, Doktor Chakwas. Für alles. Ich verdanke ihnen wohl mein Leben“, sagte Shepard fast flüsternd.

„Nicht nur mir“, erklärte Sie lächelnd. „Ohne EDI selbst hätten wir sie nicht retten können, da keiner sonst einen Weg fand mit den Implantaten zu arbeiten, und ich glaube sie können wohl der gesamten Crew danken. Während ihr Leben am seidenen Faden hing, hat Ashley einiges durch gemacht, und ich glaube, dass sie der gesamten Crew dafür danken können, dass sie sich ihrer angenommen haben. Ab dem Moment in dem sie wieder sicher bei uns waren, hat sie jede freie Minute genutzt, um bei ihnen zu sein, ich wusste ja gar nicht, dass sie Gedichte so sehr mag. Aber ich glaube sie sollten sie jetzt wecken Commander, so haben sie noch etwas Zeit für sich, bevor die komplette Crew sie besuchen wird. Wenn sie uns suchen, EDI und ich sind in der Messe-Halle.“

Shepard nickte nur schwach und bedankte sich erneut, bevor er sich zu Ashley umwandte und seine Hand vorsichtig aus ihrem Griff zog. Als sie den Verlust bemerkte und flackernd die Augen öffnete, fuhr er ihr gerade langsam mit einer Hand durch das dunkle Haar. Keiner von beiden sagte ein Wort, als sie mit Freudentränen in den Augenwinkeln eine Hand auf seine Wange legte, um sich zu vergewissern, dass er kein Trugbild ihrer Träume war. Selbst als EDI und Doktor Chakwas stumm den Raum verlassen hatten, hielten Shepard und Ashley sich für weitere fünf Minuten nur in den Armen bevor er sich die Tränen aus den Augenwinkeln wischte und leise anfing zu sprechen. Selbst als Garrus nach zwei Stunden als einer der ersten die Messe-Halle betrat, lagen sich die beiden immer noch in den Armen und redeten miteinander. Sie bemerkten gar nicht, dass der Turianer sie nach einigen Minuten stiller Beobachtung mit einem Lächeln wieder alleine ließ.



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„… ich sag’s ihnen Shepard, zwei Monate auf dem Krankenbett hätte ich nicht ausgehalten… sie sind sicher, dass wir das jetzt schon nach drei Wochen angehen sollen?“ Joker wirkte aufgeregt, als er die Stase-Kapsel inspizierte. Der Pilot der Normandy schien selbst schon so viel Zeit im Cockpit der Fregatte verbracht zu haben, dass ihm der Gedanke daran es zu verlassen gar nicht zu gefallen schien. Nachdem Shepard erfahren hatte in welcher Lage sie sich befanden, hatte er dem Plan der Crew zugestimmt und nachdem er die Krankenstation verlassen hatte dafür gesorgt, dass er schon bald in die Tat umgesetzt wurde. „Keine Sorge, Jeff. Das Schiff ist bei mir in guten Händen, schließlich bin ich quasi das Schiff selbst“, meinte EDI, als sie dem Piloten in seine Stase-Kapsel half. Ohne die Schiffs-KI hätten sie es wohl trotz Adams Wissen nie geschafft die übrigen Kapseln mit den Energieleitungen des Schiffes zu verbinden, doch Joker machte sich immer noch Sorgen.

„Seid ihr sicher, dass wir niemanden zur Überwachung draußen lassen sollten? Nichts für ungut EDI, aber ich bin durch ein paar alte Filme wohl ein bisschen vorbelastet, was den Gedanken an Schiffs-KIs, Stase-Kapseln und jahrelangen Flüge angeht…“, erklärte er Schulterzuckend. „Mach dir nicht ins Hemd, Joker.“ meinte Jacob „wenn wir erst mal drin sind, braucht es der Theorie nach nur einen gesunden Schlaf und wir sind quasi in Sekunden wieder zuhause.“ „Stase-Kapseln… ich hab sie noch nie gemocht“, erklärte Garrus während er mit Adams Hilfe die Geräte seiner Kapsel justierte. „Grunt schien es auch nicht zu gefallen, dass er in seinen umgebauten Tank zurückkehren musste“, fügte Samara hinzu. „An Stase-Kapseln gibt es nichts auszusetzen, sie sind eine Standard-Ausrüstung auf den meisten Schiffen in der Galaxis und oftmals…“

Vega unterbrach Tali, während er darauf wartete, dass auch der Rest der Crew in ihrer Stase-Kapsel soweit war wie er. „Ich hab jedenfalls mal gehört, dass man nach einer zu langen Zeit in einer Stase-Kapsel sein komplettes Gedächtnis verlieren kann“, meinte er und ärgerte sich mit der Enge seiner Kapsel herum. Cortez lehnte sich aus seiner heraus und sah Vega fragend an, als er Samanthas leicht erschrockenen Blick bemerkte. „Das war in einem verdammten Film, James!“, berichtigte er ihn. Vega fluchte, als er mit den Schultern an die Wände der Kapseln stieß und kam nicht zu einer Antwort, da Doktor Chakwas ihm zuvor kam. „Sowas ist totaler Schwachsinn, Soldat, man verliert nicht sein Gedächtnis. Hören sie auf der Crew Angst einzujagen.“ „Jawohl Mam…“, murmelte Vega, während er immer noch mit dem nicht vorhanden Platz kämpfte. „Ich hasse diese Dinger einfach. Die verdammten Dinger erinnern mich an den Knast!“, zischte Jack, als Adams ihre Kabel mit einem Schulterzucken überprüfte. „Hey Adams! Sind sie auch sicher dass diese Dinger richtig zusammengebaut sind? Ich will nicht, dass wir am Ende hier Abkratzen nur weil…“

„Kenneth!“ Gabriella wies ihren Kollegen mit einem warnenden Ruf zurecht, doch Adams schien der Seitenhieb nicht aus der Ruhe zu bringen. „Wenn sie mich so fragen…“, begann er, als er in seine eigene Kapsel kletterte und EDI ihm dabei half. „Ich glaube ich hab ihr noch irgendeine Schraube über, die zu keiner Kapsel gepasst hat… könnte ihre gewesen sein…“ Kenneth grinste und erwiderte etwas doch Shepard hörte ihn gar nicht mehr zu, da Ashley ihm gegenüber versuchte ihre Aufregung abzudämpfen. „EDI wird auf uns und die Normandy schon gut aufpassen“, versuchte er sie zu beruhigen. „Keine Frage“, meinte sie, „aber vielleicht für Jahre in diesen Kapseln gefangen zu sein gefällt mir überhaupt nicht.“ „Wenigstens bekommen wir hier von den Jahren nichts mit. Sie’s von der positiven Seite“, bemerkte Joker. Langsam erstarben die wenigen Gespräche, als EDI erklärte dass alles soweit sei und schließlich die Kapseln aktivierte. „Bis demnächst, Skipper“, verabschiedete sich Ashley kurz bevor sich das Schutzglas vor ihre Kapsel schob. „Bis demnächst“, erwiderte Shepard hinter dem Glas, als die Kapsel ihre Arbeit aufnahm. Es dauerte nicht lange und EDI blieb als einzige einsam auf der Normandy zurück, nachdem die Stase-Kapseln voll aktiviert waren.



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Die Normandy glitt vergleichsweise schnell durch das kalte All. Ohne irgendetwas, das ihren Flug ablenken oder stören konnte, flog sie wie ein Geschoss dahin ohne dabei Treibstoff verbrauchen zu müssen. EDI verbrachte einen Großteil ihrer Zeit in einem stark energiesparenden Modus, den Rest ihrer Zeit verbrachte sie damit die Systeme der Stase-Kapseln und der Normandy zu überprüfen oder sah die alten Filme auf Jokers Speichereinheit durch. Sie fand sogar den Film, weswegen Joker der Gedanke einer KI, die ihre Stase-Kapseln kontrollierte nicht ertragen konnte. Sie kam zu dem Schluss, dass sie einen anderen Lösungsweg gefunden hätte als die KI in dem Film. Doch sie fand noch andere interessante Filme. An einen von ihnen musste sie denken, als sie wieder einmal vor den Kapseln stand und ihre Insassen begutachtete. Mit Blick auf Shepards geschlossene Augen fiel es ihr wieder ein. Den Commander mochte sein Aufwachsen auf der Erde und der Verlust seines Teams auf Akuze geprägt haben und auch sein Erlebnis mit den protheanischen Sendern war nicht ohne eine Spur an ihm vorbei gegangen. Doch was ihn, was Menschen und Aliens gleichermaßen ausmachte, waren seine Entscheidungen. EDI war froh über diese Entscheidungen, sie hatten die Dinge zu einem guten Abschluss gebracht.



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