Mass Effect 3: Omega

Datum: 10.12.2012
Autor: Untitled
Zurück nach Omega!
Aber dafür wieder Mass Effect 3 rauskramen?


Eigentlich hatte ich Mass Effect 3 schon wieder weggelegt. Ich habe zwar einen zweiten Durchgang angefangen (und in diesem Zuge auch den Leviathan DLC gespielt), diesen aber noch nicht zu Ende gebracht. Ebensowenig habe ich schon das erweiterte Ende gesehen (das wollte ich mir für den zweiten Durchgang aufsparen). Irgendwie hatte ich keine Lust mehr, nach den ganzen Querelen um Mass Effect 3 dieses nochmal durchzuspielen. Dementsprechend "widerwillig" musste ich mich auch für den Test motivieren, das Spiel wieder hervorzuholen und dementsprechend skeptisch war ich auch, ob der DLC die Mühen wert ist.

Doch meine Skepsis war unbegründet, denn schnell hat mich das Spiel wieder in seinen Bann gezogen. Anfangs saß ich zwar noch mit leicht erhobener Augenbraue vor dem Bildschirm, wollte ich doch Shepards Motivation nicht so recht verstehen, ohne genaue Kenntnis von Arias Plan meinen Kopf ins (Feind-)Feuer zu halten. Doch schnell verflog dieser Gedanke, dank sehr schön designter Level, Abwechslung und der gewohnten Action, die auch in Mass Effect 3 zu begeistern wusste. Aber halt: Worum geht es eigentlich?

Wer Fan der Comics ist, weiß natürlich, wer der Gegner auf Omega ist: Aria ist vom Cerberus General Oleg Petrovsky von ihrer Station vertrieben worden. Dieser hält das Zentrum der Outlaws mit eiserner Hand besetzt, führt Experimente mit Reapertech durch und ist nun alles andere als begeistert davon, dass Aria sich mithilfe von Shepards Bodeneinsatzexpertise ihr Eigentum wieder zurückholen will. Dabei erhält unsere lila Verbündete unerwartete Hilfe einer alten Bekannten, über deren gemeinsame Vergangenheit mit Aria wir im Verlauf der Handlung mehr erfahren dürfen.

Die Geschichte erreicht zwar nicht sehr viel mehr Tiefgang als ein "Befreie Omega!" eben vermuten lässt, allerdings kann man BioWare auch nicht vorwerfen, sich keine Mühe gegeben zu haben: Die Level haben wieder wirklich sehr schöne Hintergründe, die mich mehrfach haben stehen bleiben lassen. Besonders die Minen von Omega sind mir dabei im Gedächtnis geblieben. Auch kleine Details hat die Spieleschmiede wieder eingebaut: Im Bunker befindet sich eine aufgelöste Asari, die über Funk mit ihrem vermissten Liebsten spricht und ihn versucht zu sich zu lotsen. Jedes mal, wenn man aufs Neue den Raum betritt, bekommt man einen neuen Gesprächsfetzen mit, woraus sich eine kleine Geschichte entwickelt. Dies funktioniert ähnlich wie im Hauptspiel auf der Krankenstation der Citadel, wo eine psychisch stark angeschlagene Asari-Soldatin von ihren letzten Erlebnissen berichtet. Was mich ebenfalls zum Schmunzeln brachte: Läuft man während des Gesprächs mit einem Questgeber einfach weg, so kommentiert dieser das Vorgehen - und bricht die Questaufgabe zunächst ab. An dieser Stelle möchte man BioWare einfach umarmen, für so viel Detailverliebtheit.

Bahnbrechend Neues gibt es im DLC allerdings nicht. Wer sich auf die recht dünne Geschichte einlässt, erlebt einen gut inszenierten Befreiungskampf mit mehr oder weniger überraschenden Wendung. Es gibt aber auch Verschnaufpausen, in denen die ein oder andere Randnotiz in einem von mehreren optionalen Gesprächen mit den Charakteren des DLCs zu erfahren ist. Das Gameplay konzentriert sich dabei auf actionreiche Kämpfe, die aber leider auch auf den hohen Schwierigkeitsgraden sehr einfach ausfallen. Das mag daran liegen, dass BioWare nahezu alle Munitionskisten und Medigelpacks der Galaxie auf Omega untergebracht hat: nie herrscht Munitionsarmut; Verbandszeug gibt es viel mehr, als man überhaupt verbrauchen kann. Die ein oder andere Stelle wäre wesentlich knackiger (und spannender!) geworden, wenn es in den gut inszenierten Kämpfen auf einmal das gefürchtete "klick!" -Geräusch gegeben hätte und man mit leerer Waffe auf andere Art und Weise den Kampf bestehen müsste.

Dafür ist der finale Kampf sehr gut gelungen. Dieser ist herausfordernd, spannend, sehr gut inszeniert - aber nie frustrierend. Ebenfalls gefreut habe ich mich auf das Wiedersehen mit dem verrückten Propheten aus Mass Effect 2, der mir schon damals ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Und auch ein (Neben-)Questgeber sollte dem aufmerksamen Mass Effect 2 Spieler bekannt vorkommen. Was die von BioWare angekündigte Spielzeit von 4-5 Stunden angeht, so kann ich der Angabe leider nicht zustimmen. Ich habe auf dem Schwierigkeitsgrad Extrem gerade einmal 3 Stunden gebraucht, bis der letzte Cerberus-Soldat von Omega vertrieben war.

Loht sich also der DLC? Tja, dieser DLC ist eigentlich ein Paradebeispiel dafür, was ein Download Content eigentlich sein soll: eine gut unterhaltende Spielerweiterung, die das Thema und das Spielprinzip des Hauptspiels aufgreift, ohne dass das Spielen des DLCs ein Muss für das Hauptspiel ist. Anders ausgedrückt: Wer Mass Effect 3 gemocht hat, wird sich über die Zusatzquests und Spielstunden freuen. Eingebettet in einen neuen Spieldurchgang macht er sicherlich Spaß. Gleichzeitig kann man aber auch gerne darauf verzichten: Tiefere Hintergründe zur Geschichte gibt es nicht, das Gameplay ist nicht anders als im Hauptspiel und nennenswerte Vor- oder Nachteile ergeben sich aus dem DLC auch nicht. Demgegenüber steht natürlich der recht happige Preis: Wer allerdings gerne noch etwas Zeit in der Welt von Mass Effect 3 verbringen will, oder nach einem Grund sucht, einen neuen Durchgang zu starten und dabei Unbekanntes zu entdecken, sollte die kleine Erweiterung nicht auslassen. Ich habe mir zumindest vorgenommen, Mass Effect 3 nun wirklich zu Ende zu spielen. Mal sehen, ob das bis zum nächsten DLC auch klappt...


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