Origin - Vertriebsplattform und Kopierschutz

Datum: 02.10.2011
Autor: noni
Origin LogoWas ist Origin? Wie funktioniert es? Und was müssen Mass Effect 3 - Spieler beachten? Sind sie überhaupt betroffen? Welche Vor- und Nachteile bietet das System? Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Gibt es eine Alternative?

Diese und viele weitere Fragen möchten wir in diesem Artikel versuchen zu beantworten. Im letzten Teil des Artikels besprechen wir zudem wichtige Aspekte der Nutzungsbedingungen, die den Datenschutz betreffen und mitunter auch die Privatsphäre des Users.

Im Artikelende findet ihr viele weiterführende Links, die sich näher mit der Thematik befassen und ein umfassendes Bild von Origin zeichnen. Diese Links sind unter anderem auch als Quellen für diesen Artikel herangezogen worden. Wenn ihr eure Meinung mitteilen wollt, nutzt bitte unser Forum. Es bietet dafür verschiedene Themen, in denen die Origin-Software bereits ausgiebig besprochen wird. Dort ist jederzeit Platz für Diskussionen sowie Verbesserungsvorschläge für diesen Artikel. Alternativ könnt ihr unser Kontaktformular nutzen.


Was ist Origin?

Origin startete im Juni 2011 und ging aus vorherigen Diensten Electronic Art's (im Folgenden EA) hervor. Im Einzelnen waren dies der bisherige EA - Store sowie der EA Download - Manager. In erster Linie ist Origin also als eine konsequente Weiterentwicklung des alten Store's zu verstehen, die dem Kunden als Vertriebskanal für digitale Produkte aus dem Hause EA dient und ihm bei der Verwaltung der heruntergeladenen Inhalte behilflich ist. Es bleibt jedoch nicht bei einer reinen Vertriebsplattform. EA möchte - ähnlich wie Valve mit Steam - eine Community um die eigenen Produkte herum etablieren und sie so vernetzen. Hierzu steht es den Spielern offen Freunde aus anderen sozialen Netzwerken zu importieren. Doch dazu später mehr. Origin steht kostenfrei auf der offiziellen Homepage zum Download bereit.


Was bietet mir Origin?

Die Funktionsweise von Origin erinnert stark an die des Konkurrenten Steam. Auch wenn die Verantwortlichen beider Plattform bisher beteuerten eine "friedliche Koexistenz" anzustreben, so ist unverkennbar, dass beide Dienste dennoch direkt in Konkurrenz zueinander stehen, zumal sie nicht nur einen ähnlichen Dienst bereitstellen, sondern auch die gleiche Zielgruppe anzusprechen versuchen. Wie sich Origin gegen den Platzhirsch Steam behauptet und wo es sich neben "Games for Windows" platziert, werden die kommenden Monate zeigen.

Ebenso wie Steam ist Origin als Client verfügbar, aber auch über den Browser online verfügbar. Bei Start der Plattform standen bereits mehr als 150 Titel aus dem EA - Portfolio zur Verfügung. Hier dürften noch einige hinzu kommen. Auch wurden Titel fremder Entwickler nicht von einer Aufnahme in das Angebot ausgeschlossen. Vielleicht werden also auch Titel anderer Entwickler oder Publisher über Origin vertrieben. Auch hier wird die kommende Zeit zeigen, ob das Konzept aufgeht. Laut Gamestar sind für die Zukunft auch Apps für Smartphones (explizit wurden in diesem Zusammenhang das iPhone und Android genannt) geplant, die Zugriff auf Handy-Spiele und die Community ermöglichen soll.

Zentraler Bestandteil des Origin-Systems sind die Community-Funktionen. Sie sollen dem Spieler helfen Freunde wiederzufinden und neue Mitspieler zu treffen. Hierzu kann der Nutzer Freunde aus Xbox Live, dem PlayStation Network und von Facebook importieren. Wie man es von den Diensten der aktuellen Konsolen-Generation gewohnt ist, kann man anschließend seine Highscores vergleichen, sehen, was die Freunde im Moment für Speile spielen, chatten, Nachrichten versenden und natürlich Multiplayer-Partien mit ihnen bestreiten. Diese Funktionen sind auch direkt aus dem Spiel heraus abrufbar. Spieler, die Steam oder "Games for Windows" nutzen kennen dies bereits. Auch auf den Konsolen hat man diese Möglichkeit.

Um Origin auch für Spieler des "anderen Lagers" interessant zu machen, spendiert EA einige weitere Extra-Funktionen. So erscheinen bestimmte Spiele in ausgewählten Editionen (z.B. Collector's Editions) in digitaler Form exklusiv auf Origin. Prominentes Beispiel ist hier das Spiel "Star Wars: The Old Republic". Bei Mass Effect 3 scheint es um die digitale Collector's Edition ganz ähnlich bestellt zu sein. Neben vollwertigen Spieleversionen kann man auch Demos bei Origin herunterladen. Zuletzt berichtete Eurogamer darüber, dass EA nicht vorhabe eigene Spieler nur über die eigenen Plattform zu vertreiben. Man darf also gespannt bleiben...

EA bietet mit Origin den Kunden zahlreiche Bezahlfunktionen an. Dazu gehört natürlich das Bezahlen mit Kreditkarte (Mastercard und Visa). Des Weiteren werden PayPal und ClickandBuy angeboten. Extra für Kunden aus Deutschland steht das gewohnte Lastschriftverfahren zur Auswahl.

Übrigens trägt Origin den Namen der ehemaligen Spielschmiede "Origin Systems", welche in den letzten 20 Jahren des vergangenen Jahrtausends sehr erfolgreiche Spiele veröffentlicht hatten. Dazu zählt beispielsweise die bekannte "Wing Commander" - Serie. Im Jahr 1992 wurde das Studio schließlich von EA aufgekauft und in das Unternehmen eingegliedert.


Ein Blick hinter die Fassade - Die Nutzungsbedingungen

Vorwort zum Abschnitt über die Nutzungsbedingungen von EA's Origin
Bis zum 29.10.11 lagen die Lizenzvereinbarungen in ihren ursprünglichen Formulierungen vor. Auf diese beziehen sich auch alle nachfolgenden Erläuterungen. Da EA sich aber weitreichende Rechte zusicherte, die unter anderem Rechtsverstöße in Deutschland darstellen könnten, kam es zu einem stark gesteigerten Interesse an diesem Sachverhalt. Die Berichterstattung über die Missstände in den Nutzungsbedingungen von Origin in Zeitungen, Online-Portalen und im Fernsehen löste eine weitere Protestwelle aus. Angesichts dieser Umstände bewegte sich EA erstmals ein wenig und machte Zugeständnisse. Sowohl in Form von geänderten Nutzungsbedingungen als auch in Form von Änderungsankündigungen für die Software. Da in den kommenden Wochen voraussichtlich noch viele Änderungen anstehen, kann dieser Artikel nur schwerlich aktuell gehalten werden. Neueste Informationen findet ihr natürlich bei uns in den News. Sobald sich die Wogen geglättet haben und alle Änderungen feststehen, wird der folgende Abschnitt angepasst.
Zunächst einmal unbemerkt bleiben die Nutzungsbedingungen sowie die Datenschutzbestimmung von Origin. Erst nachdem findige User in verschiedenen Foren einen Blick auf diese Richtlinien geworfen hatten, offenbarte sich das eigentliche Gesichts Origin's: Wie viele heutige Dienste im Internet, oder auch wie die direkte Konkurrenz Steam, so erweist sich Origins ebenfalls als sehr "sammelwütig" und "geschwätzig". Doch EA geht mit Origin noch einen ganzen Schritt weiter. Im Folgenden versuchen wir den juristischen Ungereimtheiten auf den Grund zu gehen und stellen besonders auffällige Textabschnitte vor.

Mit diesem Abschnitt wollen wir unseren Lesern keineswegs von Origin als Spieleplattform abraten. Vielmehr möchten wir sie für die weitreichenden, teilweise rechtswidrigen Bestimmungen sensibilisieren, die sich in den Nutzungsbedingungen und Lizenzvereinbarungen finden lassen. Die vielen Diskussionen im Forum zeigen, dass dieses Thema für viel Gesprächsstoff und für mindestens ebenso viel Verwirrung sorgte. Hiermit wollen wir nun also ein wenig Licht ins Dunkle bringen.

Am Ende dieses Artikels verwiesen wir auf weitere Informationsmöglichkeiten zu diesem Thema. Interessierte sollten einen Blick riskieren!

Erst einmal die relevanten Links direkt zu Origin:


Ausgedruckt ist der Endbenutzer-Lizenzvertrag (sog. EULA) viele, viele DinA 4 - Seiten lang (hinzu kommen noch oben verlinkten Datenschutzerklärung sowie die Nutzungsbedingungen) und bereitet dem aufmerksamen Leser mehr als eine Überraschung. Sofern er denn überhaupt gelesen wird. Denn häufig werden solche Nutzungsbedingungen ja einfach weggeklickt. Das kennen wir alle. Und häufig geschieht dies zurecht, denn in Deutschland sind solche Vertragsbedingungen nur dann wirksam, wenn sie zwischen den kaufschließenden Parteien direkt vereinbart wurden. Und das ist eigentlich nie der Fall. Wer bekommt schon im Kaufhaus an der Kasse 40 Seiten Nutzungsbedingungen verlesen. Eben, niemand.

Solltet ihr also nach Erwerb eines EA-Titels über die Origins-Nutzungsvereinbarungen stolpern, so könnt ihr dieses ruhigen Gewissens zurück zu eurem Händler bringen und euer Geld zurück verlangen. Auch nachdem ihr das Häkchen bei "Annehmen" gemacht habt.

WarnungAchtung: Formaljuristisch ist dies ein klarer Fall. Allerdings weigern sich Händler vermehrt bereits geöffnete Spielepackungen zurück zu nehmen. Auch wenn sie es eigentlich müssten. Hier könnt ihr nur auf die Kulanz eures Händlers hoffen. Zwar könnte man auch eine Klage in Betracht ziehen, doch dies ist aufgrund eines Streitwertes von weniger als 100 Euro, meist nicht realistisch. Im schlimmsten Fall bleibt der User dann auf seinem Spiel sitzen.

Doch damit ist es natürlich noch nicht getan. Viele kaufen ihr Spiel schließlich nicht im Laden, sondern erwerben es als Download. Und hier gestaltet es sich schon schwieriger, wenn man vor Vertragsabschluss diese Klauseln der AGB präsentiert bekommt. Dennoch sind viele dieser Bestimmungen - wie oben erwähnt - in Deutschland nicht rechtskräftig, da der Endnutzer durch diese unnötig stark eingeschränkt wird. Dies ist nur zutreffend, sofern es sich um sog. "überraschende Klauseln" handelt.

Da sich aber bisher nur sehr wenige Leute "vom Fach" näher damit auseinandergesetzt hat, ist die Rechtslage in Deutschland und der EU nicht geklärt, geschweige denn, ob die Nutzungsbedingungen in dieser Form überhaupt zulässig sind. Neueste Informationen besagen jedoch, dass das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) Anwendung finden könnte, da EA eine Niederlassung in Köln unterhält. Dies teilte Bettina Gayk, Sprecherin des Landesbeauftragten für den Datenschutz in Nordrhein-Westfalen, zuletzt mit.

Aufgrund dieser zahlreichen rechtlichen Unsicherheiten, beschränken wir uns im Folgenden auf die Betrachtung der relevanten Textpassagen der Nutzungsbedingungen. Anhand dieser nachfolgenden Punkte ist klar erkennbar, wie weit EA mit dem Sammeln und Verarbeiten von Daten im Rahmen von Origin geht.

Wir beginnen dabei mit der Betrachtung der EULA:

1. (aus der EULA)

Dieser Abschnitt der AGB ist wohl der aufsehenerregendste der gesamten Richtlinien und wurde bereits vielfach in verschiedenen Foren erläutert. Unter anderem auch in unserem. Beteiligt euch doch an dieser Diskussion. Wie ist eure Meinung dazu?

EA sammelt also jede Menge personenbezogene und nicht personenbezogene Daten. Auch die Software bleibt nicht verschont. "Wikipedia" berichtet sogar davon, dass die gesamten Media-Dateien des Rechner gescannt würden. Das hat für einigen Wirbel in der Community gesorgt. Neben der installierten Software (nicht nur EA-Titel, wie man etwa annehmen könnte!), wird auch die Hardware erfasst und kann später wieder identifiziert werden. Alles in allem ein sehr besorgniserregender Abschnitt. Wo soll das denn noch hinführen? Aus welchem Grund werden unsere Festplatten gescannt und für das Spielen nicht relevante Daten erfasst? Vielleicht beantwortet das ja der nächste Abschnitt der EULA:

2. (aus der EULA)

Eben beschriebene Daten können also auch zu Marketing-Zwecken genutzt werden. Wie üblich werden anonymisierte Datensätze weitergegeben. Auffallend ist, dass EA "technische Informationen" wie IP oder Hardwarekennungen als nicht-persönliche Informationen einstuft. Über die Rolle der IP streiten sich Juristen momentan noch, doch eindeutige Hardware-Kennungen wie die MAC dürften eindeutig personenbezogene Daten sein.

3. (aus der EULA)

Eindeutige Ansage. Wenn man den Bedingungen nicht zustimmen möchte, so soll man doch bitteschön auf die gesamte Anwendung verzichten. Für einige Spieler wird das sicherlich schwierig sein, nicht zuletzt da einige Spiele nur mit Origins spielbar sein werden. Zum Beispiel das heiß ersehnte Battlefield 3. Auch Mass Effect 3 ist mit ziemlicher Sicherheit davon betroffen. Viel bleibt den ehrlichen Käufern daher nicht übrig. Eventuell ist ein Umstieg auf Konsolen-Versionen ratsam, wenn man das "Rumschnüffeln" von Origin auf dem Rechner verhindern möchte...

4. (aus der EULA)

Die beiden Klauseln (7. Gewährleistungsbeschränkung und 8. Haftungsbeschränkung) scheinen EA von jeglichen Gewährleistungen und Haftungen zu entbinden. Daher handelt es sich hierbei zu großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls um überraschende Klauseln und sind daher unwirksam. Ein Anwalt, der für Gamestar die Nutzungsbedingungen untersuchte, kam zu dem Schluss, dass in Deutschland " Gewährleistungs- und Haftungspflichten nicht im vollen Umfang ausgeschlossen werden können".

Abschließend erläutern wir noch einige Auszüge aus den Datenschutz-Richtlinien.

1. (aus der Datenschutzrichtlinie)

Zunächst sei einmal gesagt, welche nicht-personenbezogene Daten EA sammelt. Wie oben bereits angeschnitten, fallen IP-Adresse, MAC-Adresse, Geräte-IDS, Hardware, Software, Medien und vieles mehr (wer es genau wissen möchte, schaue bitte in die Datenschutzerklärung!) in diese Kategorie der nicht-personenbezogenen Daten . Jedenfalls hält EA sie für nicht personenbezogen. Das darf im Fall der IP angezweifelt werden. Die MAC-Adresse ist eindeutig personenbezogen, da weltweit einmalig. Richtig interessant wird jedoch der erste Satz. Demnach werden nicht-personenbezogene Daten zusammen mit personenbezogenen Daten erfasst. Faktisch werden die nicht-personenbezogenen Daten dann zu personenbezogenen...

2. (aus der Datenschutzrichtlinie)

Mit dieser Klausel nimmt EA sich das Recht die personenbezogenen Daten praktisch überall auf der Welt speichern zu können. Laut der Analyse des Anwalts, der für die Gamestar die Datenschutzerklärungen untersuchte, verstößt dies eindeutig gegen deutsches Recht. Nach dem BDSG ist eine solche Speicherung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Nutzers erlaubt.

Es gibt noch zahlreiche weitere Klauseln, die für unsere Betrachtung relevant wären. Doch dies würden den Rahmen dieses Artikels sprengen, weshalb wir an dieser Stelle darauf verzichten und auf weitere Quellen verweisen.


Fazit

Letztlich muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden, wie viel Privatsphäre er für ein Spiel aufzugeben bereit ist. Auch andere Dienste wie zum Beispiel der Konkurrent Steam sind in der Diskussion, doch EA geht mit Origin und dem Sammeln und Verarbeiten von Daten wie oben aufgeführt noch weiter. Bei Steam ist zum einen nicht die gesamte Rechnerkonfiguration betroffen, zum anderen hat der Nutzer durch das Verändern der Einstellungen jedenfalls noch ein wenig Kontrolle über "seine" Software. Dienste wir Origin mögen dem Nutzer viele Vorteile bieten, doch nur dann, wenn er einige, mitunter aus datenschutzrechtlicher Sicht schwerwiegende Nachteile in Kauf nimmt.

Weiterführende Informationen bietet der sehr aufschlussreiche Artikel in der PC Games Hardware. Dort werden weitere Klauseln näher beleuchtet und erklärt. Ebenso möchten wir euch diesen Artikel, der bei Gamestar publiziert wurde, nahe legen. Dort werden viele weitere Klauseln besprochen und bewertet. Wer sich für Diese und viele weitere, interessante Links sind unterhalb dieses Textes zu finden:


Stand: 26.10.11
Diese Informationen stellen keine Rechtsauskunft dar!

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