Mass Effect 3 - Citadel - Kritik von Luceija 

Luceija | Winyett Grayanus | Butzilla 
Mass Effect - Citadel (PC):

Mitten in der Nacht schalte ich den PC ein und fiebere schon wie eine Wahnsinnige kurz nach einem ohnehin schon langen Tag dem letzten, so heissersehnten DLC entgegen. Citadel. Ein Name, der nicht unbedingt viel verspricht, möchte man meinen. Nach diversen Kritiken rund um Mass Effect 3, teils versauten Downloadcontents wie beispielsweise Omega, dem es an Tiefe und Fehlerfreiheit mangelte und nicht zuletzt der immerwährenden Enden-Diskussion tut man sich schwer, ein Review zu verfassen, das alte Themen nicht wieder aufgreift und haarklein schlachtet. Das möchte ich hier vermeiden und dafür gibt es einen guten Grund.
Ich sehe auf die Uhr. Es ist 6:11 Uhr, andere Leute stehen wieder auf, während ich mich nicht dazu ringen kann, ins Bett zu gehen, ehe ich meine Meinung nicht irgendwo hinterlassen konnte um irgendwie die ganzen Emotionen zu entladen, die sich da gerade während meines sicher siebenstündigen Playthroughs angesammelt haben. Da ist das alte Gefühl wieder, dass mich nur zu schmerzlich daran erinnert, dass eine Ära, DIE Ära, rund um Commander Shepard, mit dieser letzten Erweiterung nun endgültig vorbei ist und man sich damit anzufreunden hat, künftig nichts neues von den Charakteren zu erfahren, mit denen man teils seit 2005 viele, viele Stunden in Konversationen und Gefechten verbracht hat. Es erinnert mich ein wenig an das Beenden des letzten Harry-Potter-Buches: Zwar kann man noch vereinzelt Dinge nachlesen, Spiele spielen oder sonst was, aber Schluss ist letztenendes Schluss. Und wer sagt schon gerne Tschüss?
"Citadel" beginnt ganz spartanisch mit einer E-Mail von Admiral Anderson, der irgendwie - zwischen all den Gefechten in London und seinem Hechten von Unterschlupf zu Unterschlupf - Zeit findet, Shepard eine hübsche Nachricht zu schreiben und ihn oder, in meinem Fall, sie dazu zu zwingen, für eine Weile an 'Land' zu gehen und die Beine hochzulegen. Habe man verdient, so wie er schreibt, und bietet sogar direkt an, Unterschlupf in seinem einstigen Apartment zu suchen. Dass es über kurz oder lang dein eigenes wird ist ziemlich leicht zu erraten. Schön und gut.
Doch so wie wir Shepard kennen zieht sie Ärger magisch an und über kurz oder lang wird die eigentlich geplante Ruhephase zur Jagd auf einen neuen Gegner. Wer oder was der Gegner ist, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Gesagt sei nur, es wird euch die Sprache verschlagen. Zumindest hat es das bei mir, weil diese Entdeckung genau einen meiner Grundgedanken aufgegriffen hat, die ich nach dem Playthrough von Mass Effect 2 hatte. Gewohnt ballert man sich mit seinem Commander durch überaus schön gestaltete Level, die man nicht immer auf konventionellem Wege betritt oder verlässt, findet aber auch immer wieder Ruhephasen vor, die das gewöhnliche Bang Bang durchbrechen.
Was den DLC aber meiner Ansicht nach so unsagbar stark macht und mich hier zu Beginn einen wahren Schwall an Emotionen ausschütten lässt, sind wie so oft die Details. Da wäre einmal das Appartement, welches man selbst (wenn auch sehr minimal) gegen ein paar Credits anpassen kann (in meinem Fall hatte ich mehr als genug Credits, da ich kaum Gelegenheit finde, sie auszugeben) und einfach nur faszinierend schön aussieht! Dann das Casino, das alte Erinnerungen an Mass Effect 1 wieder zurückbringt und wie immer mein Geld schluckt. Die über alle Massen emotionale Musik, die mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Und ganz besonders dieser ungeheure Fanservice, dieses glorreiche Bündel an Fanwünschen, das sie so gut umgesetzt haben, dass ich es kaum anders als mit "GEIL GEIL GEIL" beschreiben kann.
Von wegen, Bioware hört nichtmehr auf Fans. Von wegen, die können nichtsmehr. Der Citadel- DLC ist eine Liebeserklärung an die Community. Da würde ich mich gerne bis ins letzte Detail zu auslassen, aber ihr müsst es selbst erlebt haben. Euren eigenen LI an eurer Seite, eure eigene Vergangenheit, euer Safegame. Das ist EUER Erlebnis und ich rate dazu, das nochmal richtig auszukosten.
Ich selbst bin nicht nur über alle Massen begeistert, ich bin auch zutiefst traurig. Mit 'The End of an Era' im Ohr möchte ich mich in aller Form für dieses Meisterwerk bedanken. Danke für über 6 Jahre Epik und Tragik.
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